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Regensburg
Freitag, 21. September 2018 28° 3

Refugium

Grüne Oase mit Domblick

Die Kleingartenanlage Königswiesen gibt es seit sechs Jahrzehnten. Es gibt einen ausgeprägten Zusammenhalt.
von Hannah Mages

In der Kleingartenanlage ist es nicht nur ruhig, sondern man kann von da auch den Dom sehen. Fotos: Hannah Mages
In der Kleingartenanlage ist es nicht nur ruhig, sondern man kann von da auch den Dom sehen. Fotos: Hannah Mages

Regensburg.Mitten im Stadtteil Königswiesen findet man an der Friedrich-Ebert-Straße den Eingang zu einer grünen Oase, die 95 Gärten zählt. Schon seit sechs Jahrzehnten finden gartenbegeisterte Regensburger in der Kleingartenanlage Königswiesen einen Platz, der viel Ruhe und Erholung vom Alltag bietet.

Helmut Marchner ist schon seit 35 Jahren Vorstand der Anlage und besitzt natürlich auch selbst einen Kleingarten. „Mir gefällt besonders der tolle Blick auf den Dom, den wir auch dank der Hanglage haben. In meinem Garten baue ich hauptsächliche Gemüse an, wie Karotten und Radieschen, aber auch Weintrauben“, sagt er.

Marchner erklärt bei einem Rundgang durch die Anlage das Konzept der Kleingärten: „Die Fläche darf von den Gartlern frei genutzt werden. Wir geben lediglich vor, dass die Fläche maximal zu einem Drittel mit Rasenfläche belegt werden darf. Auch für Wege und Gebäude darf ein Drittel genutzt werden, denn wir möchten, dass in den Gärten viel angebaut und gepflanzt wird.“

Mehr Bilder aus der Kleingartenanlage Königswiesen sehen Sie hier:

Einblicke in die Kleingartenanlage Königswiesen

Der Großteil der Gärtner ist schon mehrere Jahrzehnte dabei, einige wenige geben ihre Parzelle hingegen schon nach einem Jahr wieder auf. „Unsere älteste Kleingärtnerin mit 95 ist Anneliese Hartmann. Sie ist sogar noch ein Gründungsmitglied der Kleingartenanlage“, berichtet Marchner.

Der Zugang zu ihrer Gartenparzelle ist mit kräftig blühenden Rosenbüschen gesäumt, die weiße Hütte mit Weinreben berankt. Ein ebenso idyllisches Bild findet sich auch in den anderen Gartenparzellen.

Magerwiese mit Wildkräutern

Jeder Garten besticht dabei mit seinem ganz eigenen Konzept, sei es eine klar strukturierte Beetabfolge oder ein wilder, naturbelassener Garten. Sebastian Lehner hat in seinem Garten einen Bereich mit einer Magerwiese belassen, auf der Pflanzen wie der Wildsalbei oder der blutrote Storchenschnabel wachsen dürfen. „Ich habe mir mittlerweile eine Liste angelegt, auf der ich ankreuzen kann, welche Gewächse ich schon auf meiner Magerwiese gefunden habe“, sagt er und lacht.

„Hier sind alle per Du, eine richtige Gemeinschaft.“

Elisabeth Gischaka, Kleingärtnerin

Auch der Kleingarten von Josef Rabenhofer weist eine Besonderheit auf. In seiner Parzelle, die er selbst schon seit 27 Jahren begrünt, gedeihen mehrere große Bananenstauden. „Bananen baue ich seit rund zehn Jahren an, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg“, meint er schmunzelnd. „Es braucht ungefähr drei Jahre, bis sie Früchte tragen. Die Bananen sind dann ungefähr zehn Zentimeter groß.“

Von den zahlreichen Obst- und Gemüsesorten, die in der Kleingartenanlage angebaut werden, profitieren auch die Kinder der Kleingärtner. Anastasia Jakobi kommt seit drei Jahren mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in ihren eigenen Kleingarten. „Uns ist es wichtig, dass die Kinder auch mal raus in die Natur kommen, und nicht nur in der Wohnung sitzen. Hier können sie gesunde, ungespritzte Beeren sammeln. Und das Gärtnern ist auch sehr lehrreich für die Kinder, denn so lernen sie gleich, dass auch ein Garten Ordnung braucht, und was alles getan werden muss, damit die Pflanzen gut wachsen“, erklärt sie.

Kleingärtner geben Einblick

  • Ruhe:

    Franz Hummel schätzt vor allem die Ruhe und den Zusammenhalt. „Hier findet sich immer jemand zum Reden.“

  • Kreativität:

    Für Elisabeth Gischaka sind die Gärten Oasen der Kreativität: „Ich erfreue mich an der Vielfalt der Gärten.“

  • Gewächse:

    Josef Rabenhofer hat exotische Gewächse in seinem Garten. „Meine Bananen baue ich schon seit zehn Jahren an.“

Neben den eigenen Kindern und Enkeln laden die Kleingärtner auch Kindergartengruppen zu sich in die Kleingartenanlage ein. Bisher waren bereits Gruppen aus den Kindergärten St. Emmeram und St. Wolfgang zu Besuch. Elisabeth Gischaka erinnert sich gerne an diese Besuche: „Gerade für Kinder, die zuhause keinen Garten haben, ist die Zeit hier in der Natur ein Gewinn. Beim letzten Mal durften sie selbst Erdbeermilch und Blütenbutter herstellen, was allen viel Spaß gemacht hat.“ Gerade die Vielfalt in den Gärten begeistert sie. „Und egal wie viel Stress ich in der Arbeit habe, sobald ich in den Garten komme, werde ich entspannt.“

Auch Ruhe und Gemütlichkeit

Auch für Franz Humml ist der Aufenthalt in seinem Garten Erholung pur. „In meinem Garten zu sein ist wie Urlaub, da muss ich gar nicht weit wegfahren“, erzählt der Rentner. Trotz Ruhe kommt in den Kleingärten aber keine Langeweile auf. „Der Zusammenhalt zwischen den Gärtnern ist wirklich ausgeprägt. Es findet sich immer jemand, mit dem man ein gemütliches Bier trinken oder grillen kann. Und wenn Hilfe benötigt wird, ist auch immer jemand zur Stelle“, sagt Humml.

Der Zusammenhalt unter den Kleingärtnern trägt merklich zum guten Klima in der Gartenanlage bei, ist sich auch Elisabeth Gischaka sicher. „Hier sind alle per Du, eine richtige Gemeinschaft“, stimmt sie Franz Hummel zu.

Einige der Kleingärtner schätzen aber auch die Ruhe, die ihnen die Anlage mitten in der Stadt bietet. Von der vorbeilaufenden Kirchmeierstraße ist in den Gärten tatsächlich kaum etwas zu hören, dafür ist die Luft ausgefüllt mit Vogelgezwitscher. Die Kleingärten in Königswiesen sind eben nicht nur ein Kleinod für die Gärtner, sondern auch für Vögel und Insekten.

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