MyMz
Anzeige

Umwelt

Grünes Band ist wegweisend

Anregungen für die Energiewende auf 13 Kilometern Länge: Der Regensburger Klimaschutzweg ist eröffnet worden.
Von Andrea Leopold

Der Klimaschutzweg ist eröffnet: vorne von links Annette Schmidmeier von der NaturEnergie GmbH, Bürgermeister Jürgen Huber und Landrätin Tanja Schweiger. Fotos: Leopold/Hiltl
Der Klimaschutzweg ist eröffnet: vorne von links Annette Schmidmeier von der NaturEnergie GmbH, Bürgermeister Jürgen Huber und Landrätin Tanja Schweiger. Fotos: Leopold/Hiltl

Regensburg.Wo sind die Lösungen, wie wir aus den Problemen Erderwärmung und Ressourcenknappheit entkommen können? Die Initiatoren strahlten bei der Eröffnung des neuen Klimaschutzwegs Regensburg so viel Optimismus aus, dass man neue Hoffnung für den Patient Erde schöpfen konnte.

Bei der Begehung macht sich der „Klimawanderer“ entweder zu Fuß, mit dem Mountainbike oder auch auf digitalem Weg auf zu elf Stationen auf 13 Kilometern Länge. Diese Stationen sind, so Bürgermeister Jürgen Huber, von der Zivilgesellschaft selber in die Hand genommen worden und deshalb besonders wertvoll. „Mama Staat, mach mal was für uns!“, sei der übliche Schrei der Bevölkerung, wenn es brennt. „Erst wenn den Leuten das Wasser an den Füßen ankommt, merken sie es“, bemerkte Huber. Die Autarkie von Energie sei das große Ziel.

„Aber wie könnte es denn gehen?“, fragte Landrätin Tanja Schweiger in die Runde. Die Antworten fand man bereits auf den Schautafeln mit den elf Stationen: Weg von der Atomenergie, auch weg von der Kohle müsse langfristig angestrebt werden.

Station 2 fiel kurzfristig aus

Es gibt aber bereits ein Problem auf dem „Weg“, denn bei Station 2 gab es leider nichts mehr zu sehen. Kurz vor der Einweihung musste die Photovoltaikanlage an der Fassade des Kirchturms St. Lukas, die seit 1997 störungsfrei läuft, wegen des Urheberrechts der Architektenwitwe abgehängt werden. Bei der Eröffnung damals, erzählte Pfarrer Klaus Weber, habe man zu 50 D-Mark Sonnenscheinmarken verkauft, damit sich die Bewohner an der Energiegewinnung beteiligen könnten, die über keine eigene Solaranlage verfügen.

Die erste Station ist ein Projekt des Landratsamts Regensburg. Dr. Andre Suck, Klimaschutzmanager des Landkreises, stellte das geplante e-Carsharing vor: Es solle ein Mietangebot dieser modernen und umweltfreundlichen Fortbewegungsart geschaffen werden, das sich nach Regenstauf, Schierling, Wiesent, Obertraubling und Pentling ausdehnen solle. An der Station Altmühlstraße gibt es zugleich auch eine Elektrotankstelle.

Vier Stationen

  • Kirche St. Lukas:

    Da man versäumt hatte, beim Anbau der Photovoltaikanlage die Genehmigung des Architekten einzuholen, musste die Anlage abgehängt werden. 1997 bei der Eröffnung hatte man zur Finanzierung „Sonnenscheinmarken“ an die Einwohner verkauft, die sich an der Anlage beteiligen wollten. Sie hat einen neuen Privatbesitzer gefunden.

  • Großmutter Doblers Garage:

    Dipl. Ing. Stefan Dobler hatte 1998 als einer der Ersten Photovoltaik auf das Dach seiner Vaterhauses gebaut. Die Solarthermie wurde bereits 1995 in Betrieb genommen. Er gründete dort 2012 „aus der Garage heraus“ die Firma Iliotec. Der Firmengründer ist seit 2014 mit der Dosol Gruppe im Solargeschäft tätig.

  • Ausgleichsraum Sallerner Berg:

    Die Stadt hat mit der großen Anzahl an neu gepflanzten Bäumen durch den Bund Naturschutz seit 1988 ein Mittel gegen den Temperaturanstieg in der Stadt gefunden. Durch die nächtliche Produktion von Kaltluftmassen werden diese zu überwärmten Stadtgebieten abgetrieben und schaffen so einen Ausgleich.

  • E-Carsharing:

    Zunächst wurde unterhalb des Landratsamts eine Elektrotankstelle angeschlossen. Bald soll es möglich sein, Elektroautos zu mieten. Dazu wird ein Pool an e-Carsharing-Autos aufgebaut. Dies ermöglicht es, sich umweltfreundlich und schadstoffarm in der Stadt fortzubewegen. Danach wird das Projekt auf verschiedene Landkreise ausgebaut.

Bei Station 3 zeigte der Gründer der Firma Iliotek Solar GmbH, Stefan Dobler, wie aus den Anfängen im Jahr 1998 aus Großmutters Garage heraus eine Firma entstand. Es wurden dort 1995 thermische Solaranlagen und 1998 zwei Photovoltaikanlagen installiert. Als sich aber die Schulkinder dort täglich ihren Weg an der Erzgebirgsstraße unter den großen Sattelschleppern suchen mussten, wurde es den Anwohnern zu viel: Die Firma zog weiter.

Wie kriegt man es hin, die Stadt im Hochsommer abzukühlen? Der Bund Naturschutz gibt darauf an der Station 4 an den Hängen des Sallerner Bergs eine äußerst interessante Antwort. „Bund Naturschutz und Klimaschutz, das ist wie eine gute Ehe. Man schaut, dass es dem Anderen gutgeht“: Walter Nowotny schilderte anschaulich, wie die engagierten Ehrenamtlichen ab dem Jahr 1988 erste Baumpflanzungen vornahmen. Im Milleniumsjahr hatte man dann 2000 neue Bäume gepflanzt. Durch die vielen Bäume werde ein thermischer Ausgleich geschaffen. Abends fallen von den Hängen des Sallerner Bergs die Kaltluftmassen ab, fließen in die dichtbesiedelte Regensburger Kernstadt und senken die hohen Temperaturen dort ab. Es herrsche im Sommer ein gemessener Temperaturunterschied von 10 Grad Celsius in der Stadt und an den Hängen. Den Bäumen komme also überragende Bedeutung bei der CO-Speicherung zu.

Wetterwarte und Windenergie

Eine weitere Station des Klimaschutzwegs ist die Wetterwarte Regensburg vom Deutschen Wetterdienst: Diese hat in den letzten 61 Jahren eine Zunahme der Temperatur in Regensburg um 1,6 Grad Celsius gemessen, was einem Wert von 2,6 Grad in 100 Jahren entspricht. Station 7 zeigt die von der Bürgerwindgesellschaft gegründete Windenergieanlage, die 1998 auf dem Sallerner Mühlberg mit 500 Kilowatt Anlagenleistung in Betrieb genommen wurde. Weitere Stationen sind die Deponiegasanlage Haslbach, die Schmidmeier NaturEnergie GmbH, das Wasserwerk Sallern und die Regental Leitbahn für Kalt- und Frischluft.

Der Koordinator des Klimaschutzwegs, Armin Schmid, wurde nicht müde, den interessierten Zuhören zu versichern: „Wind- und Solarkraft sind Energien, die seit 20 Jahre funktionieren.“ Die Direktvermarkung sei besonders wertvoll. Leider seien die Bauanträge für Windkraftanlagen seit dem Jahr 2014 durch die 10H-Gesetzgebung fast gegen Null gesunken. Seine Motivation sei es, den Kindern und Enkeln eine lebenswerte Zukunft zu übergeben. Er sprach von dem Phänomen der „Umwelttrauer“ auch schon bei Kindern. Es könne in Resignation münden, wenn den Kindern schon im Grundschulalter die zahlreichen Umweltprobleme aufgetischt würden, ohne ihnen konkrete und praktikable Lösungen anzubieten. Dies solle der Klimaschutzweg anregen und vor allem den Schulklassen fächerübergreifend nahegebracht werden.

Der Klimaschutzweg kann auf der Going-Live Seite unter www.klimaschutzweg-regensburg.de gefunden werden. Der Waldverein Regensburg hat die komplette Markierung des Weges mit Hinweisschildern übernommen. Es gibt auch eine GPS-Route als App. Auf dem Weg gibt es viele gastronomische Tipps und einen Picknickplatz mit Aussicht auf die Stadt. Am Ende der Strecke lockt in Reinhausen ein kühlendes Bad im Regen.

Mehr Nachrichten aus Regensburg lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht