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Kirche

Herz Jesu hat seine Kirchenorgel wieder

Nach umfangreicher Restaurierung wird die „Siemannsorgel“ nun eingeweiht. Alle 10 000 Teile mussten zerlegt werden.
von Daniel Steffen

Pfarrer Martin Müller freut sich schon sehr auf die Einweihung der restaurierten Kirchenorgel. Fotos: Steffen
Pfarrer Martin Müller freut sich schon sehr auf die Einweihung der restaurierten Kirchenorgel. Fotos: Steffen

Regensburg.Mit Hochdruck arbeitet Orgelbauer Andreas Utz daran, das Schmuckstück der Kirche Herz Jesu wieder auf Vordermann zu bringen. Seit November 2017 ist es sein tägliches Wirken auf der Empore, das dafür sorgt, dass die alte Kirchenorgel in Kürze wieder in Hochglanz erstrahlt. Unendliche Stunden mühseliger Arbeit sind vergangen, bis alle Einzelteile der Orgel auf Herz und Nieren geprüft, gereinigt und instand gesetzt wurden. Allein rund 2000 Pfeifen hielten ihn ständig auf Trab und auch bei den 28 Registern sowie am Spieltisch gab es alle Hände voll zu tun.

Doch nun steht die renovierte Orgel vor der Vollendung: Am Sonntag um 10 Uhr feiert die Pfarrei Herz Jesu im Rahmen eines Festgottesdienstes die Einweihung des rundum erneuerten Pfeifeninstruments. Als Gastprediger zelebriert Dr. Anton Hierl, langjähriger Pfarrer von St. Anton, den feierlichen Akt.

Die Vorfreude ist groß

Im vergangenen Jahr war der Geistliche in den Ruhestand gegangen und entwickelte mit Martin Müller, dem Pfarrer von Herz Jesu, eine persönliche Freundschaft. „Ich freue mich, dass das schöne Instrument wieder erklingt, nachdem wir doch über ein Jahr mit einer Notorgel auskommen mussten“, sagt Pfarrer Müller voller Vorfreude. Dankenswerterweise habe Orgelbauer Andreas Utz der Pfarrei eine transportable Orgel zur Verfügung gestellt, damit die Gottesdienste weiterhin von Musik begleitet werden konnten. Jetzt die alte Orgel im neuen, vollen Klang zu hören, sei einfach wundervoll.

„Die elektrischen Leitungen am Spieltisch waren korrodiert, die Intonation mangelhaft. Es war allen klar, dass das nicht mehr lange gut geht.“

Martin Müller, Pfarrer

Erbaut wurde die Kirchenorgel 1936 von der Firma Willibald Siemann & Co., die seinerzeit als einer der führenden Betriebe in der Branche galt. Dass sich die Orgel ohne grundlegende Renovierung aber nicht ewig in „Bestform“ halten würde, wurde Pfarrer Martin Müller schon zu Beginn seiner Amtszeit im Jahr 2003 klar. „Die elektrischen Leitungen am Spieltisch waren korrodiert, die Intonation mangelhaft. Es war allen klar, dass das nicht mehr lange gut geht“, erinnert sich der Pfarrer an diese Zeit.

Das Projekt

  • Das Instrument:

    Die Orgel der Pfarrei Herz Jesu stammt aus dem Jahr 1936 und wurde von dem damals führenden Hersteller Willibald Siemann & Co. gebaut. Es handelt sich um eine romantische Orgel. Sie besteht aus über 2000 Pfeifen, 28 Registern und einem Spieltisch.

  • Die Renovierung:

    Bei der umfangreichen Renovierung durch den Orgelbauer Andreas Utz (im Bild) wurden sämtliche Orgelpfeifen gereinigt und neu intoniert. Jedes Einzelteil der Orgel musste zerlegt und wieder zusammengesetzt werden, in der Summe sind dies an die 10 000. Auch die Zugänglichkeit der Orgelpfeifen wurde verbessert.

Auch der Schimmel hatte der Orgel zugesetzt und stellte später bei den Restaurierungsarbeiten sogar eine Gesundheitsgefahr für Orgelbauer, Musiker und Chormitglieder dar. Spezielle Absaugvorrichtungen waren bei den Arbeiten ebenso notwendig wie Schutzanzüge, um sich vor den Sporen zu schützen, berichtet der Pfarrer.

Ein weiterer maßgeblicher Faktor, der für die Restaurierung sprach, war die schwächelnde Windanlage: „Durch frühere Umbaumaßnahmen war die Anlage so verändert worden, dass die Windversorgung für die Orgel nicht mehr ausreichte“, erklärt Müller. Besonders bei den stärkeren Registern der Orgel habe sich das bemerkbar gemacht.

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Ins Gewicht fielen auch die zahlreichen Schäden an den Orgelpfeifen, die sich im Lauf der Zeit summiert hatten. Müller führte dies auch auf „fachlich nicht qualifizierte Unternehmen“ zurück, die in der Vergangenheit Umbauarbeiten an der Orgel vorgenommen hatten.

Finanzielle Mittel fehlten lange

Warum nicht schon vor 15 Jahren etwas unternommen wurde, um die Orgel wieder in Schuss zu bringen, weiß Müller zu begründen. „Es war schlichtweg kein Geld dafür da“, sagt er. Erst der Verkauf der Jugendstilvilla am Stahlzwingerweg, das vormalige Pfarrhaus von Herz Jesu, brachte der Gemeinde genügend finanzielle Mittel ein. Dieser ging Anfang 2014 über die Bühne – und seit Fertigsanierung Ende 2015 hat die Pfarrei ihr neues Pfarrhaus am Judenstein bezogen.

„Durch frühere Umbaumaßnahmen war die Anlage so verändert worden, dass die Windversorgung für die Orgel nicht mehr ausreichte.“

Martin Müller, Pfarrer

Die Gesamtkosten für die Maßnahme belaufen sich auf 180 000 Euro. Mit einem Zuschuss von 70 000 Euro trug auch das Bistum seinen Teil zur Projektverwirklichung bei. Den Großteil aber stemmte die Pfarrei selbst – nicht zuletzt dank ihres Orgelbauvereins, der bei verschiedenen Aktionen sowie durch Mitgliedsbeiträge mehr als 25000 Euro für das Projekt sammeln konnte.

Auch in Zukunft stehen der Pfarrei größere Investitionen bevor. Auf Empfehlung des bischöflichen Baureferates möchte sie im kommenden Jahr die bestehende Warmluftheizung in der Kirche durch eine elektrische Bankheizung ersetzen. Die jetzige Heizung, so erklärt Pfarrer Müller, verursache starke Verschmutzungen und war auch eine der Hauptursachen der Schimmelbildung an der Orgel. Mit der neuen Heizung wäre dieses Problem beseitigt.

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