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Regensburg
Montag, 23. Juli 2018 29° 6

Angriffe

Hier hat es die Polizei schwer

Bahnhof oder Arcaden – an diesen Stellen wird es für die Beamten oft brenzlig. Auch die städtische Patrouille klagt.
Von Heike Haala

Regensburg.Polizisten haben die Aufgabe, für Sicherheit zu sorgen. Oft finden sie sich auf dieser Mission auch in Regensburg in Situationen wieder, die für sie selbst brandgefährlich sind. Wo aber sind die Stellen, an denen Polizisten in der Stadt besonders oft angegriffen werden? Und warum kommt es dort öfter zu Straftaten gegen Beamte als anderswo? Markus Damm, Pressesprecher am Polizeipräsidium, stand uns Rede uns Antwort.

Wie heftig diese Attacken ablaufen können, zeigen die aktuellen Fälle aus Regensburg. Bei vier Angriffen auf Polizisten wurden am Wochenende innerhalb von sieben Stunden mehrere Polizisten verletzt, zwei davon schwer. Inzwischen haben die beiden Beamten das Krankenhaus wieder verlassen. Sie seien jedoch weiterhin nicht dienstfähig, heißt es in einer Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Oberpfalz.

Situationen schlagen schnell um

Stellen, an denen es oft zu Attacken gegen Beamte kommt, sind Damms Aussage zufolge beispielsweise das Obermünsterviertel und das südliche Donauufer samt Donauparallele – eben dort, wo es viele Bars, Kneipen und Diskotheken gibt. Auch Wolfgang Schörnig, Rechts- und Regionalreferent der Stadt, sind diese Stellen als konfliktträchtig bekannt. Er ist der Chef der Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsservice (KOS). Die städtische Patrouille ist unbewaffnet, hat die Aufgabe, deeskalierend auf schwierige Situationen einzuwirken und im Notfall die Polizei zu rufen. Auch diese Mitarbeiter sehen sich regelmäßig Beleidigungen und Angriffen ausgesetzt. Notorisch bekannte Stellen dafür sind für Schörnig weiterhin die Gesandtenstraße und die Rote-Hahnen-Gasse.

Als Grund nennen Damm und Schörnig, dass an diesen Stellen oft Menschen in größeren Gruppen und unter Alkoholeinfluss unterwegs sind. „Ist das der Fall, kann die Situation schnell umschlagen“, sagt Damm. Ein gerade noch freundlicher Mensch kann von einem Moment auf den anderen vollkommen ausflippen. Unbeteiligte mischen sich ein.

„Nicht alle sind der Polizei wohlgesonnen.“

Polizeisprecher Markus Damm über die Menschen, die sich in den Arcaden aufhalten
Das Umfeld des Bahnhofs, die Arcaden und die Parkanlagen am Stadteingang: Auch hier kommt es oft zu Gewalttaten gegen Polizeibeamte. Foto: Lex
Das Umfeld des Bahnhofs, die Arcaden und die Parkanlagen am Stadteingang: Auch hier kommt es oft zu Gewalttaten gegen Polizeibeamte. Foto: Lex

Weiterhin bezeichnen Schörnig und Damm das Umfeld der Arcaden als Stelle, an der sich ihre Kollegen oft Angriffen ausgesetzt sehen. Laut Polizei hat ein 17-jähriger Afghane am Wochenende einem Polizeibeamten im Obergeschoss des Einkaufszentrums mit dem Fuß gegen den Kopf getreten, ein gleichaltriger Landsmann soll dem Polizisten zuvor einen Fausthieb verpasst haben. Schörnig berichtet, dass ein Angreifer einem KOS-Mitarbeiter an dieser Stelle einmal eine Wodkaflasche derart über den Kopf gezogen hat, dass dieser ohnmächtig wurde. Im Fall der Arcaden liegt die Erklärung für Damm auf der Hand. Das Shopping-Center bezeichnet er als attraktiven Ort, an dem sich Menschen gern aufhalten. „Und davon sind nicht alle der Polizei wohlgesonnen“, sagt er.

Der Dultplatz zur Volksfestzeit oder die Continental-Arena bei Fußballspielen, insbesondere bei Risikospielen, sind für Damm Stellen, an denen Polizisten vermehrt mit Aggressivität gegen sie rechnen müssen. Hier sind nicht nur alkoholisierte Menschen in Gruppen unterwegs, sondern davon auch noch besonders viele. Das wirke zusätzlich enthemmend.

Einsätze in Privatwohnungen

Zudem nennen Schörnig und Damm das Bahnhofsareal als einen weiteren Brennpunkt. Hier halten sich laut Damm vermehrt Menschen aus dem Drogenmilieu auf. Dazu gehören auch Menschen, für die der Kontakt mit der Polizei Folgen haben könnte, weil sie kein lupenreines Vorstrafenregister haben. Während einige von ihnen selbst eine Festnahme widerstandlos über sich ergehen lassen, rasten andere bei der Vorstellung einer Wohnungsdurchsuchung mit Drogenfund aus.

Michael Hinrichsen, stellvertretender Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft in Bayern, kennt noch einen weiteren Einsatzort, an dem Polizisten mit Angriffen rechnen: Wohnungen. Das bestätigt auch Damm vom Polizeipräsidium. Hierhin werden die Beamten etwa wegen Ruhestörung oder bei Schlägereien gerufen. So war es auch am Wochenende: Zwei der vier Angriffe auf Polizisten vom Wochenende spielten sich im privaten Bereich der Aggressoren bei eben solchen Einsätzen ab.

„Manche Menschen lassen sich in den eigenen vier Wänden nicht gern sagen, was sie zu tun haben – auch von der Polizei nicht“, sagt Damm. Zudem bekommen die Einsätze in Privatwohnungen weniger Menschen mit als im öffentlichen Raum. Das senke die Hemmschwelle noch weiter.

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