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„Ich bin der Pilot im Werkstattexpress“

Helmut Süttner, Gitarrist bei Sacco & Mancetti, nutzt Kontakte, um das Regensburger Inklusionsprojekt nach vorne zu bringen.
Von Helmut Wanner

  • Helmut Süttner (vorne) mit Mitgliedern des Werkstattexpress Foto: Wanner
  • Das Cover der CD „I mog di“ verströmt gute Laune. Einer der Titel heißt „Himmelblau“.
  • Die Tanztruppe des Werkstattexpress der Lebenshilfe Regensburg

Regensburg.Die Band Sacco & Mancetti ist seit 1986 der ungekrönte Platzhirsch von Regensburg. Das Haupt mit den zwölf Enden bilden die Gründungsmitglieder Herbert Schwarzfischer (Bass) und Jokl Peithner (Gesang). Sie sind die „local heroes“ der deutschen Rockband. Schwarzfischer ist Anwalt und Gatte der amtierenden Oberbürgermeisterin. Peithner ist der Architekt, der die Papstwiese gestaltete. An jedem Advent singt er mit Gloria im Duett. Denn Ihre Durchlaucht rockt die romantische Weihnacht im Schloss exklusiv mit Sacco&Mancetti. Das ist in diesem Jahr das Einzige was man von Sacco hört. Sie ziehen sich an den Wochenenden ins Ton-Studio zurück, um an ihrer neuen CD zu feilen.

Der Held der Herzen

Schwarzfischer und Peithner sind die Promis der Rockband. Doch der Held der Herzen ist Sacco-Gitarrist Helmut Süttner. Die Eltern der Betreuten der Lebenshilfe Regensburg lieben ihn. Er hat es eingefädelt, dass neben Gloria auch das Inklusionsprojekt der Band im Rampenlicht steht: Der Werkstattexpress der Lebenshilfe Regensburg. Süttner ist von Beruf Heilerziehungspfleger. Musik gehört nicht unbedingt zu seinem Job in der Einrichtung der Lebenshilfe Regensburg. Er begleitet Menschen der Werkstätten und ist für das Schwimmbad in Gebelkofen zuständig. Nebenbei ist der 56-jährige verheiratete Vater von zwei Kindern und zweifache Opa Mädchen für alles beim Werkstattexpress. Süttner schreibt die Texte und gibt an der Gitarre den Rhythmus vor. Als Pilot des Werkstattexpress steuert Süttner einen der drei Tour-Busse und baut die Anlage auf.

Der Werkstattexpress macht Dampf

12 bis 15 Auftritte hat das Bandprojekt der Lebenshilfe Regensburg und verbreitet überall gute Laune. Die Songs entstehen aus dem Alltag. Da lobt zum Beispiel ein Musiker die Kantine, weil es donnerstags besonders super Würstl gibt, sagt Komponist, Texter und Arrangeur Süttner. „Eine AC/DC-Gitarre dazu und fertig ist der Hit Superwürstl-Donnerstag.“ Helmut Süttner ist an der Gitarre Autodidakt. Den Unterricht für Tuba und klassischen Kontrabass hat sich der Oberfranke vom Mund abgespart. „Ich hab mit 40 zu rauchen aufgehört.“

Es ist Pause in der Werkstatt. Süttner trommelt Bandmitglieder zusammen. Sie kommen im Band-T-Shirt zum Fototermin in die Turnhalle. Süttners Kollege Alfons Hofstetter ist auch dabei. Der ist Gruppenleiter wie er, aber musikalisch anders angehaucht, als Akkordeonist beim Shantychor. Nach dem Shooting setzt sich Süttner auf einen niedrigen Schulstuhl und spult die Band-Saga ab. Der Hüne (192 cm, 120 Kilo) hat ein mächtiges Organ. „Musik, Wasser und Tiere eröffnen allen Menschen einen neuen Zugang zur Welt“, ist die Erfahrung von Süttner. Unter den 580 Mitarbeitern der Lebenshilfe-Werkstätten hätten Talente geschlummert. Süttner nennt sie Inselbegabungen. Autisten sind bekannt dafür, dass sie Telefonbücher auswendig lernen können.

Ein Video des Werkstattexpress sehen Sie hier:

Viel nützlicher sei aber die Eigenschaft von Drummer Stefan Steinberger, „im Schlagzeug zu versinken. Er wird eins mit dem Instrument.“ Süttner sagt, Steinberger sei so gut, er könnte bei jeder Band anheuern. Seinen Leadsänger Hanno Stiller bezeichnet er als „Stimmgerät auf zwei Beinen. Er ist ein sehbehinderter Absoluthörer.“ Seine Interpretation des Liedes Himmelblau hat die Band vor fünf Jahren nach oben katapultiert, zu „der“ inklusiven Band Bayerns. Stiller, der nur zwischen Hell und Dunkel unterscheiden kann, hatte vom Gipfelerlebnis bei einer Bergwanderung erzählt. Süttner machte daraus den Song „Himmelblau“ und reichte ihn beim Wettbewerb Wiesn-Hit 2013 der TZ ein. Die Jury machte den Titel zur Nummer 1 unter 200 Teilnehmern. Bemerkenswert: Der Werkstattexpress war die einzige inklusive Band unter den Einsendungen.

Jubiläumsparty im „Aurelium“

Nach dem Erfolg stiegen die Konzertanfragen sprunghaft. Mit vielen Helfern wie Donikkl, Grammophon Orchester, Move & Groove und Gong FM Band, wurde das inklusive Musikvideo „Mitten im Leben“ produziert sowie kurz darauf die zweite CD „I mog di“ mit zehn selbst gemachten Gute-Laune-Titeln veröffentlicht. Das Video von „I mog di“ hat inzwischen mehr als 10 000 Clicks. „Das ist nicht gschlampert,“ meint Süttner.

„Mia san guat drauf“ ist das Motto auf der großen Jubiläumsparty im Aurelium am 12. Oktober. Süttner ist dabei besonders stolz, die Gong FM Band als Headliner gewonnen zu haben. Eingefädelt hat die Partnerschaft Express-Mitglied Julian Stahl. „Er hat sie im Bierzelt angesprochen, ob sie Zeit und Lust haben. Sie haben Ja gesagt.“

Mehr Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier!

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Sacco & Mancetti

  • Gründung:

    Sacco & Mancetti ist eine 1986 in Regensburg gegründete deutsche Band. Ihr Stil beinhaltet Rockmusik mit Einflüssen aus Country, gelegentlich aber auch der Künstler wie Bruce Springsteen, Tom Petty oder Roger McGuinn.

  • Alben:

    1990 erschien ihr Debütalbum Best of, das von der Plattenfirma Chrysalis veröffentlicht wurde. Es folgten weitere Albumveröffentlichungen.

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