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Regensburg
Mittwoch, 19. September 2018 31° 1

Aktion

Im Schneegestöber gegen Abschiebung

Zwei Initiativen machten in Regensburg auf das Schicksal von Flüchtlingen aufmerksam. Mehr als 200 Personen marschierten mit.
Von Curd Wunderlich

Amnesty International und der Verein „Ausbildung statt Abschiebung“ organisierten einen Demozug. Foto: Wunderlich
Amnesty International und der Verein „Ausbildung statt Abschiebung“ organisierten einen Demozug. Foto: Wunderlich

Regensburg.Gleich zwei Demonstrationszüge marschierten am Samstagnachmittag durch die Regensburger Altstadt, um gegen die Abschiebung von Flüchtlingen zu demonstrieren. Beide starteten um 14 Uhr in Bahnhofsnähe und schlängelten sich unter anderem am Dom vorbei. Trotz dichten Schneefalls war ihnen so die Aufmerksamkeit vieler Passanten sicher. Der eine Demozug – organisiert in erster Linie von äthiopischen Flüchtlingen – machte unter anderem durch „Deutschland, Deutschland“-Rufe auf sich aufmerksam. Laut Polizei nahmen rund 80 Menschen an dieser Demo teil.

Mehr Teilnehmer fanden sich bei der Demo unter dem Motto „Ausbildung statt Abschiebung“ ein: Laut Polizei marschierten rund 125 Menschen mit, die Veranstalter zählten sogar über 200 Teilnehmer. Im Rahmen eines europaweiten Demonstrationswochenendes mit Veranstaltungen in insgesamt rund 50 Städten richtete sich die Kritik dieser Demonstranten insbesondere gegen Abschiebungen nach Afghanistan.

Gemischte Gefühle bei Passanten

Ein Polizeifahrzeug führte die Demo an. Foto: Wunderlich
Ein Polizeifahrzeug führte die Demo an. Foto: Wunderlich

Mitorganisatorin Julia von Seiche-Nordenheim, Vorsitzende des Vereins „Ausbildung statt Abschiebung“, führte aus, dass Afghanistan das zweitgefährlichste Land der Welt sei und die Teilnehmer ihre Solidarität mit den geflüchteten Afghanen zeigen wollten. Aus Sicht der Demonstranten müssten die Menschen aus Afghanistan in jedem Fall in Deutschland aufgenommen werden. Mit Rufen wie „Kein Mensch ist illegal“ untermauerten sie ihre Forderung.

Bei Passanten kam der große Menschenpulk unterschiedlich an. Ein junges Pärchen aus Nürnberg blieb stehen und lächelte, als der lautstarke Zug vorbeilief: „Es ist unsere humanitäre Pflicht, Menschen aus Kriegsgebieten bei uns aufzunehmen. Und es ist toll, wenn Menschen dafür auch auf die Straße gehen“, meinte es. Ein 34-jähriger Regensburger hingegen sah die Forderungen der Demonstranten mit gemischten Gefühlen. Grundsätzlich sei es richtig und wichtig, Menschen aus Krisengebieten zu helfen. „Die Forderung, Abschiebungen generell zu stoppen oder Parolen wie ‚Kein Mensch ist illegal‘ halte ich allerdings für sehr problematisch.“ Das gehe schließlich an den Fakten vorbei: „Es gibt Menschen, die sind illegal bei uns – und die müssen dann auch abgeschoben werden.“

Afghanen wollen „neuen Anfang“

Bei der Kundgebung am Haidplatz am Ende des Demonstrationszugs durch die Altstadt sprach unter anderem der 18-jährige Afghane Mukhlis, der in Regensburg die zehnte Klasse des Goethe-Gymnasiums besucht. „Afghanistan ist ein Land, wo kein richtiger Krieg herrscht, aber wo es auch keinen Frieden gibt“, erklärte er. Täglich würden „hunderte von Menschen getötet“. Terrorismus stehe auf der Tagesordnung und die Menschenwürde habe keine Bedeutung. Er und andere Afghanen, die ihr Heimatland verlassen haben, wollten „nur einen neuen Anfang und ein neues, sicheres Leben“.

In der Region sorgten Abschiebungen wiederholt für Unmut: Schüler der FOS/BOS Regensburg versuchen seit einigen Wochen mit einer Petition die Abschiebung ihres afghanischen Mitschülers Abdulsami Naderi zu verhindern. Sein Asylantrag war Ende 2017 zum zweiten Mal abgelehnt worden.

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