mz_logo

Regensburg
Dienstag, 17. Juli 2018 29° 3

Verkehr

Jetzt gilt die Regensburger Umweltzone

Wer für sein Fahrzeug keine grüne Plakette hat, darf nicht mehr in die Altstadt. Zahl der Betroffenen hält sich in Grenzen.

Regensburg.Seit gestern gibt es auch in Regensburg eine Umweltzone. Die Donaumetropole ist nach München und Augsburg die dritte bayerische Stadt, die innerhalb dieser Zone nur mehr Autos und Lkw zulässt, die über eine gültige grüne Umweltplakette verfügen. Sie umfasst das Gebiet zwischen Alleengürtel und Donau sowie zwischen Jakobstor und Ostentor. Zusammen mit anderen Maßnahmen soll diese Zone dafür sorgen, dass die Grenzwerte für Stickstoffdioxid in der Luft – sie wurden in den vergangenen Jahren meist leicht überschritten – und die für Feinstaub sich innerhalb der von der EU vorgeschriebenen Grenzen bewegen.

Bei der Vorstellung der Umweltzone beim Jakobstor betonte Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer gestern, dass es sich dabei nur um eine von einer Vielzahl an Maßnahmen handle, mit denen die Stadt für bessere Luft sorgen wolle. „Wir werden mit dieser Umweltzone nicht alle Probleme lösen können.“

Nur fünf Prozent sind betroffen

In der Realität bedeutet die Umweltzone keine radikale Wende im städtischen Verkehr. Von den gut 83000 in Regensburg registrierten Fahrzeugen verfügen nur rund 3700 (etwa fünf Prozent) nicht über die grüne Plakette, etwa 700 davon sind Lastwagen. Innerhalb der Umweltzone sind von 4500 Fahrzeugen gut 200 betroffen, etwa 40 davon sind Lkw. Für Härtefälle gibt es zeitlich begrenzte Ausnahmegenehmigungen. Davon hat die Stadt bisher ganze 16 erteilt. Der Rest wird sich Stellplätze außerhalb der Umweltzone suchen müssen, denn die Vorschriften gelten auch für Anwohner.

Nicht betroffen von der Umweltzone sind Mopeds, Roller und Motorräder, Oldtimer mit entsprechenden Kennzeichen, Arbeitsmaschinen, landwirtschaftliche Zugmaschinen, Krankenwagen, Arztwagen, Polizei, Feuerwehr sowie Fahrzeuge, mit denen Personen fahren oder gefahren werden, die außergewöhnlich gehbehindert, hilflos oder blind sind. Wer nicht zu dieser Gruppe zählt, keine grüne Plakette hat und trotzdem in die Umweltzone einfährt oder sein Fahrzeug dort abstellt, riskiert ein deftiges Knöllchen. 80 Euro ruft der Bußgeldkatalog auf, wenn man erwischt wird.

Gnadenfrist für Knöllchen

Kontrollen werden sowohl der städtische Verkehrsüberwachungsdienst als auch die Polizei durchführen, erklärte Dr. Patrick Veit, Leiter des Amtes für öffentliche Ordnung und Straßenverkehr und damit Chef der „Blaujacken“, bei der Vorstellung der Zone. Er räumte auf Nachfrage ein, dass der Verkehrsüberwachungsdienst zwar ab sofort Verwarnungen erteilen werde, diese seien aber nicht von Anfang an mit einem Bußgeld verbunden. Wie lange diese Schonfrist dauert, wollte Veit nicht genau sagen, es handle sich nicht um Monate, eher um Wochen.

Den neuen im Herbst 2017 verabschiedeten Luftreinhalteplan hat Regensburg mit der Regierung der Oberpfalz erarbeitet. Regierungspräsident Axel Bartelt lobte das Engagement der Stadt und unterstrich die positiven Auswirkungen für die große Mehrheit der Bevölkerung. „Das ist eine Zone für die Regensburger, nicht gegen sie.“ Auch Bartelt betonte, dass die Umweltzone nur eines von vielen Elementen des Luftfreinhalteplans sei. In der Summe seien diese Maßnahmen ausreichend, um die Grenzwerte bei der Schadstoffbelastung in der Regensburger Luft dauerhaft einzuhalten. Das habe ein TÜV-Gutachten bestätigt. Diesem Gutachten zufolge werden mit der Einführung der Umweltzone die Stickstoffdioxid-Werte in den untersuchten Altstadtstraßen um bis zu 3,2 Prozent sinken, die Feintaubbelastung soll um bis zu 1,9 Prozent abnehmen.

E-Busse und vernünftige Bürger
Zum Gesamtkonzept des Luftreinhalteplans der Stadt zählen nach Angaben des Leiters des Umweltamts, Rudolf Gruber, neben der Umweltzone auch die Regensburger Verkehrsbetriebe, die ihre gesamte Busflotte auf schadstoffärmere Fahrzeuge umgestellt haben, die komplett mit Elektrobussen betriebene Altstadtlinie oder ein eigenes Förderprogramm für Elektromobilität. Grundsätzlich will die Stadt bis 2030 möglichst viele Bürger dazu bringen, sich als Fußgänger, Radfahrer oder im öffentlichen Nahverkehr umweltfreundlich fortzubewegen.

Von der Sinnhaftigkeit der Umweltzone sind nicht alle überzeugt. Der ADAC Südbayern betont in einer Pressemitteilung, in den vergangenen Jahren seien in Deutschland immer mehr Umweltzonen eingeführt worden. Sie würden aber ihre Wirkung verfehlen, da sie nicht zu einer nennenswerten Verbesserung der Luftqualität beitragen. Dies habe eine eigene Untersuchung in verschiedenen Städten ergeben. In Regensburg sei das wohl nicht anders. Florian Hördegen vom ADAC Südbayern: „Die Umweltzone ist zudem hier sehr klein, mit entsprechend wenig betroffenen Anwohnern.“ Der Bund Naturschutz, Kreisgruppe Regensburg, kritisierte die Umweltzone bereits vorab als viel zu klein, um überhaupt Wirkung zu zeigen.

Auch Kaufleute in der Innenstadt lehnen die Umweltzone ab. Sie befürchten vor allem einen Rückgang der Kundenfrequenz.

Grüne Plakette, gelbe Plakette, blaue Plakette: Die wichtigsten Fakten zu den Umwelt-Pickerln haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

  • A
    Arbeitskreis Film Regensburg e.V
    15.01.2018 13:36

    Kurz nach Silvester, wo 15-17% der Feinstaubjahresmenge verpulvert wurden, freuen wir uns um so mehr, dass Autofahrer ohne entsprechende Plakette das wieder wettmachen und einsparen können, in dem sie das Altstadtrevier vermeiden. Herrlich, ich freue mich schon auf die gute Luft zwischen Osten- und Jakobstor !

    Missbrauch melden

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht