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Regensburg
Samstag, 21. Juli 2018 31° 2

Wohnbau

Kampf ums Kasernen-Areal

Die Verhandlungen mit dem Bund gestalten sich schwierig. Auf dem Nachbargrundstück jedoch soll der Abriss 2018 beginnen.
Von Julia Ried

Ein Blick über den Zaun auf das Areal der ehemaligen Prinz-Leopold-Kaserne im Stadtosten, das jetzt für den Autohandel genutzt wird. Die Stadt will es kaufen – doch noch gehört es dem Bund. Foto: Tino Lex
Ein Blick über den Zaun auf das Areal der ehemaligen Prinz-Leopold-Kaserne im Stadtosten, das jetzt für den Autohandel genutzt wird. Die Stadt will es kaufen – doch noch gehört es dem Bund. Foto: Tino Lex

Regensburg.Immer wieder verweist die Stadt auf das Areal der ehemaligen Prinz-Leopold-Kaserne, wenn es um den Bau von günstigen Wohnungen geht. Doch noch gehört ihr das Gelände nicht, wie die Nachfrage der Mittelbayerischen ergab – die Verhandlungen ziehen sich hin. Auf dem Nachbargrundstück jedoch, das zum Sport- und Freizeitgelände wird, sollen bereits ab 2018 die Einrichtungen des „neuen technischen Bereichs“ der ehemaligen Kaserne verschwinden.

Der neue technische Bereich, der der Stadt schon gehört, grenzt unmittelbar an das Sportheim der städtischen Sportanlage Ost (links) an. Foto: Ried
Der neue technische Bereich, der der Stadt schon gehört, grenzt unmittelbar an das Sportheim der städtischen Sportanlage Ost (links) an. Foto: Ried

„Die bestehenden Gebäude werden nach derzeitigem Stand in den Jahren 2018 und 2019 abgebrochen“, sagt Stadtsprecherin Dagmar Obermeier-Kundel. Die Stadt plant auf dem circa 7,45 Hektar großen Areal, das sie bereits 2016 gekauft hatte, neben einer Leichtathletikhalle, einem Schwimmbad und Sportflächen zur Erweiterung der Bezirkssportanlage Ost auch Grünflächen, ein Kinderhaus und eventuell ein Quartiersparkhaus.

Ein Lehr-, kein Funbad

Was das Hallenbad angeht, so läuft die Grobplanung. Schon jetzt zeichnet sich laut Obermeier-Kundel ab: „Es wird sich bei dem Hallenbad voraussichtlich um ein Sport- beziehungsweise Lehrbad, auf jeden Fall nicht um ein ,Funbad‘ handeln.“ Mit dem Bau der Halle könne voraussichtlich frühestens 2020 begonnen werden. Ob das Hallenbad zeitgleich gebaut wird, sei noch offen.

Das rund 15 Hektar große Areal der ehemaligen Prinz-Leopold-Kaserne selbst nutzt derzeit ein Autohändler, tausende von Fahrzeugen stehen dort. Die Stadt verhandelt seit Juli 2017, als der Freistaat das Gelände „freigab“, mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben über einen Kaufvertrag. Dort soll dem Rathausbündnis aus SPD, Grünen, FDP und Freien Wählern zufolge „ein moderner und lebendiger Stadtteil mit hohem Grünanteil und herausragender Lebensqualität“ entstehen. Neben Wohnungen für anerkannte Flüchtlinge und Einheimische sind auch Gewerbeflächen vorgesehen.

Die Frage der Mittelbayerischen, wann mit einer Unterzeichnung des Kaufvertrags zu rechnen ist, beantwortete die Stadt nicht. Auf die Frage, ob das derzeitige große Interesse von Bund und Land an staatlichen Flächen – die Bundeswehr braucht mehr Platz, der Freistaat Bayern Grundstücke für seine Wohnungsbaugesellschaft – die Verhandlungen erschwert, antwortete Stadtsprecherin Obermeier-Kundel lediglich: „Die Verhandlungen sind ohnehin schwierig.“ Ihre Kollegin Katrin Butz ergänzte auf Nachfrage, das liege unter anderem an „langwierigen Abstimmungsprozessen und den beteiligten Entscheidungsebenen in den einzelnen Behörden“. Anspruchsvoll sind Verhandlungen wie diese regelmäßig auch, weil es neben der Frage nach dem Preis auch um die nach der Beseitigung von Altlasten geht. So war und ist es üblich, dass sich auf Kasernengelände Tankstellen befinden.

Bürger haben große Hoffnungen

Der Bürgerverein Süd-Ost sieht in dem Areal das Potenzial, „Wohnungsnot stadtnah zu lindern“, wie Vorsitzender Johann Brandl sagt. Er hofft darauf, dass bei der Vergabe der Grundstücke diesmal kleinere Bauträger, Genossenschaft und die Stadtbau zum Zug kommen. Brandl sagt: „Ich habe schon die Hoffnung, dass die Zusage der Stadt, das mal anders zu machen, umgesetzt wird.“ Was die Gestaltung betrifft, so gelte: „Natürlich muss das Areal viel Grün haben.“ Brandl wünscht sich für das Kasernenviertel insgesamt einen gleisüberschreitenden Grünzug Richtung Donau. Er appelliert außerdem an die Stadt, rechtzeitig die für die neuen Bewohner nötige Infrastruktur, vom Kinderhaus über eine Anlaufstelle für Senioren bis zu einer vernünftigen Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, zu schaffen und für eine gute soziale Vielfalt im Viertel zu sorgen: „Die Verteilung nahezu aller Geflüchteten in das Kasernenviertel belastet das Zusammenleben und verhindert die Integration der Menschen mit Bleiberecht.“

In Regensburg aktive Genossenschaften hoffen dringend auf das Gelände. Dagmar Kierner, Vorsitzende des Werkvolks Amberg, sagt: „Wir erwarten ganz einfach, dass wir hier drankommen. Und da warten wir darauf, dass sich hier etwas tut.“ Ihr Kollege Markus Leberkern von der Regensburger Wohnbau St. Wolfgang erklärt, allein seine Genossenschaft stehe parat, dort bis zu 100 Wohnungen zu bauen. Auch zu einem Gemeinschaftsprojekt wären die großen, im Verband der Wohnungsunternehmen organisierten Genossenschaften, bereit. Leberkern rechnet allerdings damit, dass die Grundstücke auf dem Kasernenareal potenziellen Bauherren frühestens in drei Jahren zur Verfügung stehen.

Geschichte

  • Nutzung:

    Die Prinz-Leopold-Kaserne zwischen Zeißstraße und Odessa-Ring im Stadtsüdosten wurde wie auch die Pionierkaserne bis 2010 von der Bundeswehr genutzt. Da waren die anderen Kasernen schon soldatenfrei.

  • Abschied:

    Am 17. Juni 2010 endete mit einem Großen Zapfenstreich die Tradition Regensburgs als Garnisonsstadt. Die Division Spezielle Operationen zog in die hessische Stadt Stadtallendorf um.

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