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Bildung

Kinder blickten ins Weltall

Am „Tag der Astronomie“öffnete die Sternwarte Regensburg ihre Türen. 500 Besucher kamen zu der Veranstaltung.
Von Peter Pavlas

Die Füße auf dem Boden, den Blick in den Himmel gerichtet: Die Besucher der Sternwarte am Ägidienplatz konnte am Samstag allerhand entdecken. Foto: Pavlas
Die Füße auf dem Boden, den Blick in den Himmel gerichtet: Die Besucher der Sternwarte am Ägidienplatz konnte am Samstag allerhand entdecken. Foto: Pavlas

Regensburg.Viereinhalb Milliarden Jahre ist sie alt, 150 Millionen Kilometer ist sie von uns entfernt, in ihrem Inneren herrschen Temperaturen von 15 Millionen Kelvin und ein Druck von 200 Milliarden bar. Ohne sie gäbe es kein menschliches Leben auf Erden: unsere Sonne. Die schenkte den Besuchern der Sternwarte am Ägidienplatz anlässlich des bundesweiten „Tages der Astronomie“ und des Tages der offenen Tür am Samstag wahres Kaiserwetter hoch über den Dächern der Altstadt. Viele Gäste kamen, um die Räume der ältesten Volkssternwarte Süddeutschlands zu besuchen.

Rupert Heider, Vorsitzender des Vereins „Freunde der Sternwarte“, und seine Mitstreiter bemühten sich, Hunderten von Besuchern Dimensionen anschaulich zu machen, die die Vorstellungskraft der meisten von uns übersteigen. Die Sterne entstünden durch allmähliche Zusammenballung der Atome in galaktischen Gaswolken, ähnlich wie das Wachsen der „Wollmäuse“ unter dem heimischen Wohnzimmersofa, erklärte der Doktorand.

Mehr Sterne als Sandkörner

Das leuchtete nicht nur den vielen Kindern ein, die gebannt seinen Ausführungen lauschen. Im Vortragsraum fanden viele Zuhörer nur noch Stehplätze. Schon als Friedrich Ginglseder eingangs zu einer „Reise zu den Planeten“ lud, zeigten sich einige der jüngsten Besucher bestens informiert: „Space-Shuttle“, formulierte ein Knirps noch etwas ungelenk angesichts einer Bildprojektion. Menschen, die aus 39 Kilometern Höhe frei auf die Erde fallen? Ein Tesla-Coupé auf der Reise zum Mars? Kannten viele Kinder bereits. Manche hatten sich schon über die mögliche Existenz von Aliens informiert. Könnte es menschliches Leben auf einem anderen Planeten unseres Sonnensystems geben? Auf der Venus wohl nicht, da ist es 450 Grad heiß und es stinkt nach faulen Eiern, heißt es. Aber das Weltall ist ja groß. „Dort gibt es mehr Sterne als Sandkörner auf Erden“, erklärte Ginglseder den Gästen. Das brachte sie zum Staunen.

Johannes Kepler machte seine Aufwartung

Johannes Kepler machte dem Publikum seine Aufwartung. Foto: Pavlas
Johannes Kepler machte dem Publikum seine Aufwartung. Foto: Pavlas

Wie Raum und Zeit zu überwinden sind, bewies dann Johannes Kepler. Er starb zwar schon 1630 in seinem Haus an der Donau, machte aber in zeitgenössischer Kleidung dennoch seine Aufwartung im Auditorium. Er hatte damals die Bewegung der Gestirne berechnet. Auch heute noch unternimmt die NASA ihre Weltraumflüge anhand seiner Daten. Er konnte belegen, dass sich die Erde um die Sonne dreht, und nicht umgekehrt.

Eine umfangreiche Sammlung von Steinen wartete auf die Besucher in einem Kabinett nebenan. Tini Weber-Schaetzke betonte, dass auf Erden beobachtbare Erscheinungen wie Vulkanismus auch auf anderen Planeten zu finden seien. Täglich hagele es zwischen 100 und 1000 Tonnen Material aus dem All auf die Erde. Besucher konnten Meteoritenteile aus Metall oder Chondrit in die Hand nehmen. „Authentisches zu spüren in einer zunehmend virtuellen Welt“ sei sehr beeindruckend, so der Tenor.

Faszinierende Bilder waren auch im Stellarium zu bewundern. Erich Maier erklärte, wie Sterne entstehen und vergehen. Der kleine Johnny betastete hingerissen die Plasma-Kugel, in der ein blauer Spannungsbogen zuckte. Im Planetarium standen Modelle von Raketen, Planetenbewegungen und altes astronomisches Gerät. Mit ihren Eltern lösten die Jüngsten dort auch die Fragen eines Preisrätsels.

Sonne und Mond erscheinen nah

Der kleine Johnny betastete eine Plasma-Kugel, in der ein blauer Spannungsbogen zuckte. Foto: Pavlas
Der kleine Johnny betastete eine Plasma-Kugel, in der ein blauer Spannungsbogen zuckte. Foto: Pavlas

Auf der Plattform vor der denkmalgeschützten Kuppel ließen Gottfried Meißner und seine Kollegen die Besucher neugierige Blicke auf Sonne und Mond werfen. Wie nah die Krater den Gästen dort erschienen! Am Rand der Sonnenscheibe ereignete sich gerade eine Protuberanz: Dabei wird Material in die Höhe geschleudert. Was im Fernrohr aussieht wie ein Stück Filz auf einem Tennisball, ist real 30 000 Kilometer hoch.

Die Sternwarte begreift sich als Schnittstelle zwischen der astronomisch interessierten Öffentlichkeit und der aktuellen Forschung. Kenntnisse vermittelt sie in VHS-Kursen, in Schulen und bei kostenfreien Vorträgen. Kinder würden dabei oft die interessantesten Fragen stellen, sagte Friedrich Ginglseder. Auch Torsten Bendl und Dr. Oliver Kus steuerten Vorträge am Tag der offenen Tür bei. „Ich bin ja diesbezüglich absolute Laiin, aber Sie haben es geschafft, mich für ihr Thema zu begeistern“, bedankte sich am Ende eine Besucherin bei dem Referenten Rupert Heider. „Mission erfüllt“, könnte man also meinen.

Die Volkssternwarte Regensburg erschließt astronomisches Fach- und Allgemeinwissen. Sie bietet Vorträge und ermöglicht die kostenfreie Beobachtung von Objekten im Universum für alle Interessierten. Sie hat von Mai bis August jeden Freitag ab 21 Uhr, und von September bis April ab 20 Uhr geöffnet. An Feiertagen und vom 1. Juni bis 15. Juli ist die Sternwarte geschlossen.

Mehr Bilder vom Tag der offenen Tür in der Sternwarte zeigt unsere Bildergalerie:

Tag der offenen Tür in der Sternwarte

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Tag der offenen Tür in der #Sternwarte #Regensburg. (Foto: @sam3000)

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