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Regensburg
Freitag, 20. Juli 2018 31° 3

Wege

Kleine Rinne wird Stein des Anstoßes

Sie ist nur wenige Zentimeter tief: kein Problem für viele Passanten in der Regensburger Altstadt – aber nicht für alle.
Von Micha Matthes

  • Viele Menschen, die zum Teil auch mit Rollator oder Kinderwagen unterwegs sind, passieren die Rinne in der Pfauengasse problemlos. Der ADFC sieht in der Vertiefung aber eine „Falle“ für Rollstuhlfahrer. Foto: mt
  • Viele Menschen, die zum Teil auch mit Rollator oder Kinderwagen unterwegs sind, passieren die Rinne in der Pfauengasse problemlos. Der ADFC sieht in der Vertiefung aber eine „Falle“ für Rollstuhlfahrer. Foto: mt
  • Bislang hat die Stadt – etwa am Neupfarrplatz – vornehmlich Rinnen mit flacherem V-Profil des Straßenbelags verbauen lassen, die leichter zu überwinden sind. Foto: mt
  • Viele Menschen, die zum Teil auch mit Rollator oder Kinderwagen unterwegs sind, passieren die Rinne in der Pfauengasse problemlos. Der ADFC sieht in der Vertiefung aber eine „Falle“ für Rollstuhlfahrer. Foto: mt

Regensburg.Die Neugestaltung der Fußgängerzone ist ein Mammut-Projekt, das 4,7 Millionen Euro kostet. Jetzt stolpert der ADFC über ein Detail. Es geht um eine Art von Abflussrinne, die genau im Zentrum – an der Kreuzung Pfauengasse/ Schwarze-Bären-Straße – verbaut wurde. Viele Menschen, die zum Teil auch mit Rollator oder Kinderwagen unterwegs sind, passieren die Mulde problemlos. Trotzdem bezeichnet der ADFC die Vertiefung als „Falle“ für Rollstuhlfahrer. Diese müssten wegen dem „Ärgernis“ Umwege in Kauf nehmen. Die Rinnen stellten „für viele Nutzer eine massive, unkomfortable und zum Teil auch gefährliche, vor allem aber unnötige Behinderung“ dar, sagt Dr. Klaus Wörle, Vorsitzender des ADFC Regensburg. Außerdem beeinträchtige die Rinne auch Radfahrer und bremse sie aus: Der Effekt sei von der Stadt „womöglich nicht einmal unerwünscht“.

„Es ist höchst ärgerlich, dass man hier eine Situation schafft, die schlechter ist als zuvor.“

Dr. Klaus Wörle, Vorsitzender des ADFC Regensburg

Von Menschen, die Rollstühle oder Kinderwagen benutzen, sei ein besonderer Kraftaufwand erforderlich, um die u-förmigen Rinnen zu überwinden. „Am deutlichsten dürften das Benutzer von Rollatoren spüren, weil deren Räder in der Größe der Rinnenbreite liegen, also in die Rundung hineinfahren und wieder herausgeschoben oder -gehoben werden müssen“, sagt Wörle. Parkinsonerkrankten bereite dies massive Probleme. „Es ist höchst ärgerlich, dass man hier eine Situation schafft, die schlechter ist als zuvor.“ Die Rinnen hält Wörle für „unvereinbar mit dem Anspruch, Verkehrsflächen barrierearm zu gestalten“. Bislang habe die Stadt – etwa am Neupfarrplatz – vornehmlich Rinnen mit flacherem V-Profil des Straßenbelags verbauen lassen, die leichter zu überwinden seien.

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Ein Vater schiebt am Mittwoch einen Kinderwagen durch die Rinne in der Pfauengasse. „Es ist anstrengender, als man denkt“, sagt er. „Aber es ist keine Behinderung.“ Wenn Radfahrer über die Mulde fahren, rappelt es ein bisschen. Aber nur wenige bremsen für das „Hindernis“ ab. „Ich habe mich schon sehr darüber gewundert“, sagt eine ältere Dame. Sie sei zum Glück sehr geschickt mit ihrem Rollator. „Man muss es schräg anfahren, dann geht es schon. Aber für viele ist es wohl nicht so einfach.“ Eine andere Dame mit Rollator stört die Rinne nicht. „Ich kann sie problemlos durchfahren“, sagt sie.

Stadtplanungsamt will Rinne prüfen

Viele Menschen, die zum Teil auch mit Rollator oder Kinderwagen unterwegs sind, passieren die Rinne in der Pfauengasse problemlos. Der ADFC sieht in der Vertiefung aber eine „Falle“ für Rollstuhlfahrer. Foto: mt
Viele Menschen, die zum Teil auch mit Rollator oder Kinderwagen unterwegs sind, passieren die Rinne in der Pfauengasse problemlos. Der ADFC sieht in der Vertiefung aber eine „Falle“ für Rollstuhlfahrer. Foto: mt

Zu den Mulden habe sie noch keine Meldungen erhalten, sagt Hülya Högl-Demircan, systemische Beraterin für behinderte Menschen, vom Verein Phönix. Generell sei es für Rollstuhlfahrer wünschenswert, wenn Bordsteine oder Rinnen möglichst abgeflacht sind. „Viele Leute sind auch nicht so stabil auf den Beinen, dass sie ihren Rollator anheben und so ein Hindernis überwinden können.“ Es sei zu erwarten, dass die Stadt – „zumal, wenn sie ohnehin eine Baustelle hat“ – so etwas möglichst flach baut. „Es wäre schön, wenn man hier nicht an finanziellen Fragen scheitert“, sagt sie. „Wenn die Fußgängerzone schon verschönert wird, dann sollte man sie auch für jeden nutzbar ausrichten. Wir sind auch Bürger dieser Stadt“, sagt Högl-Demircan, die selbst auf einen Rollstuhl angewiesen ist.

Viele Menschen, die zum Teil auch mit Rollator oder Kinderwagen unterwegs sind, passieren die Rinne in der Pfauengasse problemlos. Der ADFC sieht in der Vertiefung aber eine „Falle“ für Rollstuhlfahrer. Foto: mt
Viele Menschen, die zum Teil auch mit Rollator oder Kinderwagen unterwegs sind, passieren die Rinne in der Pfauengasse problemlos. Der ADFC sieht in der Vertiefung aber eine „Falle“ für Rollstuhlfahrer. Foto: mt

„Es ist uns ein wichtiges Anliegen, die Stadt möglichst barrierefrei zu gestalten“, sagt Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt. Dazu stehe man mit dem Inklusionsbeauftragten in engem Kontakt. Das Stadtplanungsamt werde die Rinne in den nächsten Monaten prüfen und entscheiden, ob nachjustiert werden soll. Änderungen könnten aber erst im dritten Bauabschnitt der Fußgängerzonensanierung (2019) vorgenommen werden.

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