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Regensburg
Montag, 28. Mai 2018 31° 1

Kriminalität

Knifflige Einsätze in Regensburg

Bomben, ein Mord und eine Messerattacke: Wir zeigen die wichtigsten Fakten aus dem Sicherheitsbericht der Polizei für 2017.
von Heike Haala

Die Sprengung der Weltkriegsbombe auf der Baustelle des Dörnbergviertels am ersten Juliwochenende zählt zu den spektakulärsten Einsätzen der Polizei in Regensburg. Dazu musste die Justizvollzugsanstalt (JVA) evakuiert werden. Archiv-Foto: altrofoto.de

Gute Zahlen und eine besondere Rundfahrt

Der spektakulärste Einsatz in Regensburg aus Sicht der Polizei war der im vergangenen Sommer, als sie die Evakuierung der Justizvollzugsanstalt (JVA) wegen eines Bombenfundes auf der Baustelle des Dörnbergviertels betreuen musste. Insgesamt 97 Gefangene aus der JVA mussten am ersten Juliwochenende in vier Bussen untergebracht werden. Jeder dieser Transporte wurde von zwei Polizeiwagen mit Blaulicht begleitet. Auch bei den vier weiteren Bombenfunden auf dieser Baustelle war die Polizei vor Ort, um Straßensperrungen und Evakuierungen von Wohngebieten zu begleiten. Trotzdem: Die Polizei ist der Ansicht, dass man in Regensburg gut und sicher leben kann. Im Sicherheitsbericht listet sie Straftaten auf, die ihr durch Anzeigen von Bürgern oder eigene Kontrollen bekanntgeworden sind. Mit den Gesamtzahlen für 2017 sind die Chefs zufrieden. Insgesamt wurden 12 808 Straftaten bekannt. Ausgeklammert sind dabei Zahlen gegen das Aufenthaltsrecht. Im Jahr 2016 lag diese Zahl noch bei 12 916 Straftaten. Also gab es im Jahr 2016 108 Fälle mehr, denen sich die Polizei widmen musste, was einem Rückgang um 0,8 Prozent entspricht. Die Ermittler klärten 61,4 Prozent davon auf – der höchste Wert im Fünfjahresvergleich.

Hier sehen Sie die Grafik zu den Gesamtstraftaten:

Bei Gewaltdelikten spielt der Alkohol oft eine große Rolle

Der Mord an einer Prostituierten in der Alemannenstraße im August sorgte in Regensburg für Aufsehen. Archiv-Foto: altrofoto.de

Der Mord an einer Prostituierten in der Alemannenstraße im August sorgte in Regensburg für Aufsehen. Eine Woche nach dem gewaltsamen Tod der 33-Jahre alten Frau fasste die Polizei den mutmaßlichen Täter. Das ist ein damals 21 Jahre alter Mann aus Mali, der trotz seines abgelehnten Asylantrags noch in Deutschland war. Er soll nach den Angaben der Ermittler die Frau bestohlen und zur Verdeckung dieser Tat erwürgt haben. Schließlich legte er ein Teilgeständnis ab. Der Prozess startet am 11. Mai. Auch den Beamten ging dieser Fall an die Nieren, denn sie mussten der Mutter des Opfers nicht nur sagen, dass ihre Tochter tot ist. Die Frau erfuhr dadurch auch, dass ihr Kind als Prostituierte arbeitete. Dabei wollte sie die Frau nur zu einer Familienfeier abholen. Insgesamt ging die Gewaltkriminalität im Regensburger Stadtgebiet zurück. Unter diese Delikte fallen etwa Mord, Totschlag, Vergewaltigung, Raub oder Körperverletzung. Laut Polizei gab es im Jahr 2017 mit 410 Straftaten dieser Art. 6,8 Prozent weniger als noch im Jahr 2016, als diese Zahl bei 440 Gewaltdelikten lag. Alkohol spielte dabei oft eine große Rolle. In 37 Prozent der Fälle standen die Tatverdächtigen unter Alkoholeinfluss. Was aber immer noch einen Rückgang im Vergleich zum Jahr 2016 bedeutet. Damals lag der Anteil bei 40,3 Prozent.

Hier sehen Sie eine Grafik zur Deliktsverteilung:

Dringender Appell: Keine Wertsachen im Auto liegenlassen

Insgesamt gingen die Fahrraddiebstähle im vergangenen Jahr auch dank einer speziellen Ermittlungsgruppe stark zurück. Foto: Kai/Remmers/dpa.

Im vergangenen Mai ging den Ermittlern ein besonders dicker Fisch ins Netz: In einem Kleintransporter fanden sie 19 gestohlene und zerlegte Fahrräder. Zudem wiesen sie dem Tatverdächtigen weitere acht Fahrraddiebstähle nach. 14 Fahrräder konnte die Polizei an ihre rechtmäßigen Besitzer zurückgeben. Insgesamt gingen die Fahrraddiebstähle im vergangenen Jahr auch dank einer speziellen Ermittlungsgruppe stark zurück). Im Vergleich zu 2016 um 20,9 Prozent. Während diese Zahl im Jahr 2016 noch bei 1147 Straftaten lag, gab es im Jahr 2017 noch 907 solcher Fälle. Diebstähle allgemein machten im vergangenen Jahr mit 5334 Straftaten 41,7 Prozent und damit den Großteil der Delikte aus. Das bedeutet einen leichten Rückgang von 0,9 Prozent, denn im Jahr 2016 wurden noch 5385 Straftaten dieser Art im Stadtgebiet begangen. Sogar um 36,1 Prozent ging die Zahl der Wohnungseinbruchsdiebstähle zurück – von 166 auf 106 Fälle. Zudem blieb es in über der Hälfte davon beim Versuch. Auch wenn die Anzahl bei den Diebstählen aus aufgebrochenen Autos um satte zwölf Prozent von 540 Fällen im Jahr 2016 auf 475 Fälle im Jahr 2017 zurückging, warnt die Polizei weiterhin davor, Wertsachen im Auto liegenzulassen: Gelegenheit macht Diebe.

Gedopte Schafe und das Regensburger Drogenproblem

Ein Hubschrauber suchte nach einer Hanfplantage. Foto: Krenz

Im Jahr 2017 musste die Polizei im Stadtgebiet zu zwei aufsehenerregenden Marihuanaernten ausrücken. Ende September wandte sich ein besorgter Schafbesitzer an die Polizei. Die Tiere hätten am Keilsteiner Hang ihm unbekannte Pflanzen gefressen: Marihuana. Die Bergschafe zeigten aber keine Ausfallerscheinungen. Bereits Anfang August kam es zu einem Hubschraubereinsatz im Stadtsüden, weil ein Kind in einem Maisfeld Marihuanapflanzen gefunden und seiner Mutter davon berichtet hatte. Die rief die Polizei und die Beamten sammelten die Pflanzen ein. Mit dem Hubschraubereinsatz am darauffolgenden Vormittag wollte die Polizei überprüfen, ob es sich bei dem Maisfeld um eine versteckte Marihuana-Plantage handelt. Gefunden wurden noch fünf weitere Pflanzen, insgesamt neun.

„Alkohol und Drogen: Was hätten wir weniger an Straftaten, wenn das nicht wäre.“

Franz Schimpel, Leiter der Kriminalpolizeiinspektion

Meldungen wie diese klingen skurril, sind aber auch ein Auswuchs des Regensburger Drogenproblems, das die Polizei der Stadt nach wie vor attestiert. 2017 gab es 12 Drogentote. Wegen der verstärkten Kontrollen gab es auch mehr Delikte: 866, was einem Anstieg um sechs Prozent entspricht. Die Bilanz der Beschaffungskriminalität ist beachtlich: In 26,1 Prozent aller 5334 Diebstähle ermittelte die Polizei einen Drogenkonsumenten als Tatverdächtigen.

Messerstecher sitzt inzwischen in der Psychiatrie

Viele Regensburger bekamen am 29. März 2017 die Messerattacke eines damals 24-jährigen Asylbewerbers aus Jordanien auf dem St.-Kassians-Platz mit. (Foto: Steffen)

Viele Regensburger bekamen am 29. März 2017 die Messerattacke eines damals 24-jährigen Asylbewerbers aus Jordanien auf dem St.-Kassians-Platz mit, der einen damals 28-jährigen Familienvater mit einem Messer niederstach. Der Täter leidet an paranoider Schizophrenie und hörte in einem akuten Schub schrille Stimmen. Er rammte dem ahnungslosen Mann ein Messer in den Rücken. Passanten stellten den flüchtigen Angreifer und übergaben ihn der Polizei. Der Fußgänger, der einen Lungenstich und eine Schlagaderverletzung erlitten hatte, fand sich auf der Intensivstation der Barmherzigen Brüder wieder. Im Februar fiel das Urteil. Seither befindet sich der Täter in der Psychiatrie. Delikte auf offener Straße wie dieser gingen im Jahr 2017 um 7,2 Prozent zurück. Von 2830 Fällen im Jahr 2016 auf 2625 Fälle im Jahr 2017. Das ist der niedrigste Wert im Zehnjahresvergleich. Unter dem Schlagwort Straßenkriminalität fasst die Polizei Straftaten zusammen, die auf öffentlichen Plätzen, Straßen oder in Verkehrsmitteln begangen wurden. Das Problem für die Polizei bei diesen Straftaten: Genau das sind die Fälle, die in der Öffentlichkeit wahrgenommen und zum Gesprächsthema werden. Deswegen haben sie – trotz sinkender Anzahl – einen nachhaltigen Einfluss auf das Sicherheitsempfinden der Bürger.

Kontrollen lassen Deliktszahlen wachsen

Im Jahr 2017 gab es 25,1 Prozent mehr Ladendiebstähle. Foto: Steffen Füssel/dpa

Es gab auch Delikte, deren Zahlen nach oben schnellten. Zum Beispiel bei den Ladendiebstählen. Im Jahr 2017 gab es 25,1 Prozent mehr Straftaten dieser Art. Ihre Zahl stieg von 1198 auf 1499 Fälle an. Das führt die Polizei auf die erfolgreiche Arbeit der Ladendetektive zurück. Diese Angestellten seien inzwischen derart professionell, dass sie einfach mehr Ladendieben schnappen können. Ihre Straftaten werden ausnahmslos zur Anzeige gebracht, die Tatverdächtigen an die Polizei übergeben. So erklärt die Polizei auch den Anstieg der Betäubungsmitteldelikte um sechs Prozent: Weil verstärkt kontrolliert wird, gehen ihr mehr Fische ins Netz. Die Zahl der Sexualdelikte stieg aus einem anderen Grund: Während es im Jahr 2016 noch 77 dieser Straftaten gab, waren es 133 im Jahr 2017 . Das hänge mit einer Gesetzesänderung zusammen: Inzwischen gilt es auch als Sexualdelikt, jemanden anzugrapschen. Wer ein Opfer trotz eines deutlichen „Nein“ bedrängt, begeht ein Sexualdelikt.

Vor Kurzem stellte die Polizei den Sicherheitsbericht im Ausschuss vor

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