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Gesundheit

Legionellen-Alarm in der Benzstraße

Das Wasser im Haus 1A in der Regensburger Benzstraße ist „extrem hoch“ kontaminiert. Für Menschen besteht akute Gefahr.
Von Wolfgang Ziegler

1A ist nur die Hausnummer, das Wohnen in dem Haus in der Benzstraße macht momentan wahrscheinlich wenig Spaß. Die Mieter dürfen nicht duschen und müssen auch einige andere Vorsichtsmaßnahmen beachten. Foto: Ziegler
1A ist nur die Hausnummer, das Wohnen in dem Haus in der Benzstraße macht momentan wahrscheinlich wenig Spaß. Die Mieter dürfen nicht duschen und müssen auch einige andere Vorsichtsmaßnahmen beachten. Foto: Ziegler

Regensburg.Zum zweiten Mal innerhalb von neun Monaten herrscht in dem großen Appartementhaus in der Benzstraße 1A absolutes Duschverbot. Die Mieter wurden schriftlich aufgefordert, zudem das Trinkwasser abzukochen, zum Betrieb und zur Reinigung medizinisch-technischer Geräte, zur Atemwegs- und Luftbefeuchtung sowie zur Inhalation nur „abgepacktes Wasser“ zu verwenden und außerdem Duschköpfe und Perlatoren auszutauschen. Grund für diese Maßnahmen: Das Wasser in der Benzstraße 1A ist „extrem hoch mit Legionellen kontaminiert“. Es wurde eine Konzentration von 16 600 KBE (Kolonie bildende Einheiten) in 100 Milliliter Wasser nachgewiesen. Der Normwert liegt bei gerade einmal 100 KBE.

Ähnlich hoch lag dieses im Fachjargon „einzuhaltender technischer Maßnahmenwert (TMW)“ genannte Kriterium im August 2017. Damals wurden in dem Wohngebäude mit mehr als 130 Appartements 15 000 KBE gemessen. Wie der von der Hausgemeinschaft jetzt eingeschaltete Spezialist Christian Wutz unserem Medienhaus sagte, seien daraufhin aufwendige Sanierungsmaßnahmen durchgeführt worden. Die Heizungsanlage sei ebenso erneuert worden wie die Trinkwasseranlage. Außerdem seien Pumpen und Anschlussrohre der auf dem Dach des Hauses befindlichen Heizzentrale ausgetauscht worden. Warum es innerhalb der relativ kurzen Zeit erneut zu einem derart starken Legionellenbefall kommen konnte, vermochte der „zertifizierte Probenehmer“ – so seine korrekte Berufsbezeichnung – nicht zu sagen.

Legionärskrankheit droht

So sehen Legionellen unterm Mikroskop aus. Foto: Jens Wolf/dpa
So sehen Legionellen unterm Mikroskop aus. Foto: Jens Wolf/dpa

Nur so viel: Ein Wert über 16 000 KBE sei „extrem hoch“. Schon bei einer Überschreitung der 100-KBE-Grenze müsse das Gesundheitsamt eingeschaltet werden, so Wutz. Er wisse, dass in München schon einmal 40 000 „Kolonie bildende Einheiten“ festgestellt worden seien, „16 600 KBE sind aber mein persönlicher Rekord“.

„16 600 Kolonien bildende Einheiten sind mein persönlicher Rekord.“

Christian Wutz, zertifizierter Probenehmer

Ab dieser Größenordnung seien grundsätzlich alle Menschen gefährdet, nicht nur Kinder, Senioren und Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Deshalb würden in den Wohnungen des Hauses als Sofortmaßnahme nun alle Duschköpfe erneuert, die allerdings bereits nach etwa 75 Tagen so stark kontaminiert sein würden, dass sie dann erneut ausgetauscht werden müssten. Unabhängig davon gelte das Duschverbot aber bis zu einer „Nachbeprobung“ fort. Diese sei nach den Worten Wutz’ noch nicht terminiert und finde in Absprache mit dem Gesundheitsamt Regensburg statt.

Der Experte, der schon seit 30 Jahren in der sanitären Heizungsbranche tätig ist, rät den Bewohnern der Benzstraße 1A grundsätzlich „Warmwasser möglichst aerosolfrei ablaufen zu lassen“ – also ohne, dass allzu viel Wassernebel entsteht. Andernfalls laufe man bei Legionellenbefall Gefahr, sich beispielsweise die Legionärskrankheit einzufangen.

In dem großen Appartementhaus in der Benzstraße 1A herrscht absolutes Duschverbot. Foto: Patrick Pleul/dpa
In dem großen Appartementhaus in der Benzstraße 1A herrscht absolutes Duschverbot. Foto: Patrick Pleul/dpa

So oder so bestehe bei einer über dem Grenzwert liegenden Legionellenkonzentration aber immer eine Meldepflicht, müsse folglich das Gesundheitsamt zwingend eingeschaltet werden, was in diesem Fall auch sofort geschehen sei.

Wie Wutz spricht auch die Behörde in einer Stellungnahme von einer „extrem hohen Kontamination“ in dem Gebäude Benzstraße 1A. Erforderliche Abhilfemaßnahmen, also auch, ob gegebenenfalls Trinkwasserleitungen erneuert oder Parallelleitungen verlegt werden müssten, ergäben sich aus der Gefährdungsanalyse, also einem Sachverständigengutachten, das nach einer festgestellter Überschreitung des technischen Maßnahmenwertes verpflichtend erstellt werden müsse, heißt es seitens des Gesundheitsamtes.

Männer erkranken häufiger

Jedenfalls ist seiner Meinung nach in der Benzstraße 1A „jeder angeschlossene Verbraucher gefährdet“, ältere Menschen, Raucher sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem wie beispielsweise Diabetiker sogar besonders. Männer erkrankten mehr als doppelt so häufig wie Frauen, Kinder seien laut Gesundheitsamt meist nur sehr selten betroffen. Die Höhe des Messwertes alleine erlaube aber keinerlei Rückschlüsse auf das individuelle Risiko eines Verbrauchers. Zudem seien auch die Messwerte Schwankungen unterworfen.

Vorsorglich wird auf Anfrage der Mittelbayerischen darauf hingewiesen, dass sich Mieter auch anderer Objekte grundsätzlich bei ihrem Vermieter erkundigen sollten, ob die vorgeschriebenen Untersuchungen auf Legionellen durchgeführt worden seien. Vermieter seien verpflichtet, ihre Mieter über die Ergebnisse zu informieren.

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