MyMz
Anzeige

Ironie

„Männergrippe“ wird zum Werbe-Gag

Die Influenza hat in Regensburg Hochzeit. Eine Einladung für eine Werbeagentur, die es aufs starke Geschlecht abgesehen hat.
Von Heinz Klein

Der an Männergrippe leidende Mann ist derzeit Ziel pharmazeutischer Juxerei. Foto: Andreas Gebert/dpa
Der an Männergrippe leidende Mann ist derzeit Ziel pharmazeutischer Juxerei. Foto: Andreas Gebert/dpa

Regensburg.Die Grippewelle rollt – täglich 80 Fälle allein in Regensburg. Darunter auch die besonders gefährliche Männergrippe, heißt es. Frauen könnten sie Gott sei Dank nicht bekommen, heißt es weiter, denn man wüsste auch gar nicht, ob sie diese Schmerzen ertragen könnten, die Männer bei Halsweh empfinden.

Mit Sprüchen wie „Männerfieber – ab 37 Grad wird aufgerundet“ nimmt jetzt in der Influenza-Zeit eine äußerst erfolgreiche Werbeagentur, die auch noch „MCM Klosterfrau“ heißt, die schniefende Männerwelt auf die Schippe. So staunte ein Kollege nicht schlecht, als auf der Papiertüte, die ihm der Apotheker seines Vertrauens reichte, zu lesen stand: „Bei Männerhusten wird der Auswurf so stark beschleunigt, dass er die Schallmauer durchbricht.“ Auf der anderen Seite der Tüte hieß es zu einem Mittel gegen „schlimmen Männerhusten“: „Verschluss auch für schwache Männer leicht zu öffnen.“

Und was sagt Grönemeyer?

Gott sei Dank haben die Männer einen Männer-Versteher, der Trost spendet. „Männer haben’s schwer, nehmen’s leicht, außen hart und innen ganz weich“, weiß Herbert Grönemeyer und warnt: „Männer sind so verletzlich.“ Ungeachtet dieser Tatsache ulkt die Werbeagentur MCM Klosterfrau Vertriebsgesellschaft mbH im Auftrag von Pharma-Herstellern mit Sprüchen wie „Männer – Die Krone der (Er)Schöpfung)“. „Schatz, kennst du die Nummer vom Notarzt? Ich spür da so ein Kratzen im Hals“, heißt es auf bunten Kärtchen, die die Werbeagentur in Apotheken anbietet. Und dann noch ein Pflegetipp: „Sagen Sie Ihrem Mann morgens, mittags und abends, wie tapfer er ist. Wichtig: Versuchen Sie, dabei nicht zu lachen.“

Dabei singt doch Herbert Grönemeyer so zutreffend: „Männer brauchen viel Zärtlichkeit.“ Und schließlich auch noch: „Männer sind auf dieser Welt einfach unersetzlich!“ Doch daran wird derzeit heftig gezweifelt, denn die Stimmung ist gegen den Mann. „Hey Mann, es ist vorbei mit dir“ titelte unlängst die „Welt am Sonntag“, und die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ fragte: „Wie geht es den Männern? Und wie geht es allen anderen mit den Männern?“ Na ja, auf #metoo gibt es dazu wirklich ernüchternde Antworten.

Er nimmt seine Medizin nur, wenn ich so tue, als ob der Löffel ein Bagger ist. Süß, wie alt ist er denn? 43“

Werbespruch zur Männergrippe MCM Klosterfrau Vertriebsgesellschaft mbH

Doch hört man noch mal bei Grönemeyer rein, so beschreibt der in seinem Song „Wann ist ein Mann ein Mann?“ zunächst biologische Basics: „Männer kriegen keine Kinder – Männer kriegen dünnes Haar.“ Und was auch mal gesagt werden muss: „Männer sind auch Menschen.“ Grönemeyer räumt aber auch ein: „Männer sind etwas sonderbar.“

Das sind sie in der Tat, und das hat auch Gründe. Professor Dr. Thomas Loew, Leiter der Abteilung für Psychosomatik am Regensburger Universitätsklinikum, sagt mit Hinweis auf den Geburtsschmerz, dass Frauen mit Schmerzen anders umgehen als Männer. Mit dem Erleben der regelmäßigen Menstruation lernen sie zudem, in ihren Körper hinein zu horchen: „Sie nehmen Belastungen früher wahr.“

Nur reine Männerapotheken

So kann an den rotzfrechen Stänkereien über verstopfte Männernasen und ihre leidenden Besitzer schon ein bisschen Wahrheit sein. „Männer achten weniger auf ihren Körper und scheren sich weniger um ihre Gesundheit“, sagt Thomas Loew. Als Indiz dafür möge gelten, dass die Fälle von Herzmuskelentzündungen durch eine verschleppte Grippe fast nur bei Männern auftreten. Und wenn kranke Männer wirklich nicht in die Arbeit gehen, dann legen sie sich einfach ins Bett, statt sich in der Apotheke Medikamente zu holen. Falls sie aber tatsächlich in einer Apotheke auftauchen, dann stehen sie dort verschämt herum, während Frauen interessiert das Angebot in Regalen begutachten, hat Loew beobachtet. Vielleicht sei der ganze Jux um die Männergrippe ja auch ein Versuch der pharmazeutischen Industrie, mit den Männern neue Zielgruppen zu erschließen, mutmaßt er. Und dann packt auch den Psychosomatik-Professor die Lust am Jux: „Vielleicht sollte man dem Rechnung tragen und reine Männerapotheken einrichten“, schlägt er lachend vor.

Die Kampagne zur Männergrippe wird im Netz wie verrückt geklickt (www.die-männergrippe.de). Auch der Regensburger Apotheker Josef Kammermeier hat Postkarten mit frechen Sprüchen dazu. „Man kann sie aber nicht jedem Kunden anbieten“, sagt er. Doch wer drüber lachen kann, der bekommt eine Männergrippe-Karte. „Und Lachen ist ja auch gesund.“ Allerdings befürchtet Josef Kammermeier, dass ihm selbst das Lachen noch vergehen könnte. „Wenn das meine Frau liest, könnte der Haussegen schief hängen. Die findet die ganze Männergrippe-Ulkerei nämlich gar nicht lustig.“

Eine Glosse zum Thema lesen Sie hier.

Glosse

Oh Mann, oh Mann, oh Mann

MZ-Reporter Heinz Klein blickt mit einem Augenzwinkern auf das männliche Geschlecht. Eine Glosse zur „Männergrippe“.


Weitere Geschichten aus Regensburg lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht