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Nachruf

Militärdekan Roland Stemmler ist tot

Regensburger Soldaten trauern um ehemaligen Seelsorger und ein Promi um einen Freund. Der Kapuzinerpater starb 75-jährig.
Von Helmut Wanner

Er hielt die Primizpredigt beim späteren Wiesn-Pfarrer Rainer M. Schießler: P. Roland Stemmler (Mitte) mit Dr. Rudolf Voderholzer (links) Foto: Schießler
Er hielt die Primizpredigt beim späteren Wiesn-Pfarrer Rainer M. Schießler: P. Roland Stemmler (Mitte) mit Dr. Rudolf Voderholzer (links) Foto: Schießler

Regensburg.Vielen Soldaten in Regensburg ist Pater Roland Stemmler als Militärdekan (1986 bis 1996) bekannt. Jetzt starb er überraschend. In seiner Zeit als Militärdekan hatte Pater Roland Stemmler eine besondere Begegnung. Stemmler hielt für seinen Freund Rainer M. Schießler die Primizpredigt. Bei der Feier konzelebrierte Weihekollege Rudolf Voderholzer. Der ist heute Bischof von Regensburg. Oktoberfest-Pfarrer Rainer M. Schießler dagegen gilt als der berühmteste Geistliche Bayerns.In seiner Zeit als Militärdekan des Standorts Regensburgs hatte Pater Roland Stemmler eine Begegnung. Stemmler hielt für seinen Freund Rainer M. Schießler die Primizpredigt. Bei der Feier konzelebrierte dessen Weihekollege, Rudolf Voderholzer. Der ist heute Bischof von Regensburg. Rainer M. Schießler dagegen gilt als der berühmteste Pfarrer Bayerns. Jahrelang bediente er beim Oktoberfest im Schottenhamelzelt, um nahe beim Kirchenvolk zu sein.

„Jeder Einzelne war ihm wichtig“

Pater Roland Stemmler habe entscheidend seine Berufung geprägt, bekennt der Münchner Pfarrer im Telefongespräch. 1978, als Schießler selbst dabei war, Kapuziner zu werden, hatte er Pater Roland im Kloster Laufen kennengelernt. Später, als Kaplan in Coburg, lud er Schießler ein, ihm in der Karwoche zu assistieren. „Von Pater Roland Stemmler bekam ich wertvolle Impulse für die Seelsorge“, bekennt der Pfarrer von St. Maximilian aus dem Glockenbachviertel, München. „Mit dem VW-Bus bin ich durch das Lautertal gefahren, um die Gläubigen einzeln für die Kreuzesverehrung am Karfreitag und für die Osternacht aufzulesen. Jeder Einzelne war ihm wichtig.“

Von Pater Roland Stemmler bekam ich wertvolle Impulse für die Seelsorge.“

Rainer M. Schießler, Oktoberfest-Pfarrer

Einer der Vorgänger am Standort Regensburg, Militärdekan a. D. Prälat Heinrich Wachter, schildert Pater Stemmler „als sehr fleißig und sehr beliebt bei den Soldaten.“ Der ehemalige stellvertretende Kommandant der Nibelungenkaserne, Oberst a. D. Hermann Gründler, hat nur beste Erinnerungen an Pater Stemmler. Der Kapuziner war ab 1985 Militärpfarrer in Regensburg. Ab 1986 war Stemmler als Militärdekan für die Standorte Regensburg und Hemau zuständig. „Von ihm habe ich als Protestant das Abendmahl in Empfang genommen. Das habe ich sehr positiv empfunden. Ökumene ist bei der Truppe sehr wichtig.“ Gründler schätzt die Militärseelsorge als psychosoziale Betreuung der Soldaten sehr hoch ein. „Auch harte Männer leiden sehr an Stress und Spätfolgen, gerade wenn sie es wie jetzt in den neuen Einsatzgebieten mit Anschlägen zu tun haben.“ Pater Roland Stemmler hatte auch nach seiner Zeit als Militärdekan als nebenamtlicher Militärpfarrer Soldaten in Kriegsgebiete wie Serbien und die Golfregion begleitet.

Stemmler sei von persönlichen Schicksalsschlägen nicht verschont geblieben, weiß Oberst Gründler. „Sein einziger Bruder Willi kam durch einen Blitzschlag ums Leben. Er hat sich dann sehr um die Familie bemüht..“

Der am 18. Juni 1942 in Wertheim geborene Stemmler wollte ursprünglich Architekt werden. Er hatte den Gesellenbrief als technischer Zeichner in der Tasche. In allen seinen Einsätzen als Seelsorger war ihm die Betreuung der Truppe am wichtigsten.

Seelsorger an der Costa Blanca

„Vielleicht spielte dabei auch sein Hang zu Reisen eine gewisse Rolle“, vermutet Oberst Gründler. Jedenfalls hielt er sich nach seinem altersbedingsten Ausscheiden bei der Truppe nicht lange in traditionellen Pfarrgemeinden. Von 2004 bis 2012 ließ er sich von seinem Orden für die Auslandsseelsorge in Benidorm freistellen. Benidorm ist ein Badeort an der Ostküste Spaniens an der berühmten Costa Blanca. Diese gehört zur Region Valencia. Aus dem winzigen Fischerdorf der 1960er Jahre ist heute ein beliebtes Urlaubsziel am Mittelmeer geworden. Als das katholische Auslandssekretariat der Deutschen Bischofskonferenz die Seelsorgsstelle zum 30. September 2012 auflöste, ging Stemmler als Präses ins Kloster Sögel im Emsland, bevor er sich 73-jährig in Mittenwald zur Ruhe setzte. Er starb im Krankenhaus von Garmisch.

Militärseelsorge

  • Aufgabe:

    „Die Militärseelsorge in der Bundeswehr ist der vom Staat gewünschte und unterstützte und von den Kirchen geleistete Beitrag zur Sicherung der freien religiösen Betätigung und der seelsorgerlichen Begleitung der Soldatinnen und Soldaten.

  • Kirche:

    Als Teil der kirchlichen Arbeit wird sie im Auftrag und unter Aufsicht der Kirchen geleistet. Sie ist damit Kirche unter den Soldatinnen und Soldaten sowie deren Familien, Partnerschaften und Angehörigen.“

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