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Kriminalität

Ministrantin tötete aus Liebe

Die 39-jährige Regensburgerin hatte sich in ihre Freundin verliebt. Deren Lebensgefährte musste deshalb sterben – durch Gift.
Von Wolfgang Ziegler

Das Grab von Manfred J. auf dem Friedhof von Nagel im Fichtelgebirge Fotos: Dankbar/Ziegler
Das Grab von Manfred J. auf dem Friedhof von Nagel im Fichtelgebirge Fotos: Dankbar/Ziegler

Regensburg.Die Ministrantin von St. Josef, die im November vergangenen Jahres Frostschutzmittel zur Waffe machte und im oberfränkischen Reichenbach den Lebensgefährten ihrer besten Freundin tötete, hat gestanden. Wie sie nach Angaben des Landgerichts Hof im Zwischenverfahren einräumte, handelte die mit einem Kirchenmitarbeiter verheiratete Frau (39) aus Liebe – nicht etwa zu dem Opfer (64), sondern zu ihrer Freundin (61). Am kommenden Montag beginnt vor der dortigen Schwurgerichtskammer der Prozess gegen sie. Die Anklage lautet auf Mord, begangen aus niederen Beweggründen, heimtückisch und grausam. Die Hauptverhandlung ist auf fünf Tage angesetzt, das Urteil soll am 27. Juli gesprochen werden.

Hunderte Male öffnete Maria H. diese Tür zur Sakristei.
Hunderte Male öffnete Maria H. diese Tür zur Sakristei.

Die Ministrantin Maria H. (Name geändert) hatte die 61-jährige Angelika O. im Jahr 2013 kennengelernt und sich nach eigenem Bekunden mehr und mehr in sie verliebt. Wie Angelika O. später berichtete, hatte ihr Maria H. gestanden, neuerdings auf Frauen und vor allem auf sie zu stehen. Sie schickte ihr Blumen und WhatsApp-Nachrichten und versuchte dem Vernehmen nach auch durch Geschenke, die Liebe ihrer Freundin zu gewinnen. Angelika O. begegnete Maria H. zwar immer freundlich, erwiderte diese Gefühle allerdings nicht.

Gift-Cocktail als Gastgeschenk

Als die 61-Jährige ihr im Herbst vergangenen Jahres offenbarte, zu ihrem Lebensgefährten, dem 64-jährigen Manfred J., nach Oberfranken ziehen zu wollen, muss Maria H. dies wie ein Schlag getroffen haben. Angelika O. hatte den Mann erst ein paar Monate vorher kennengelernt, das Paar hatte sich aber alsbald darauf verständigt, den Lebensabend gemeinsam im Haus von Manfred J. in Reichenbach, einem Ortsteil des Erholungsorts Nagel im Fichtelgebirge, verbringen zu wollen. Als Maria H. durch diese Entscheidung erkennen musste, dass sie ihre Freundin endgültig verlieren würde, reifte in ihr ein tödlicher Entschluss. Der Mann musste weg – koste es, was es wolle.

Am Altar von St. Josef war die mutmaßliche Mörderin fast täglich zu sehen.
Am Altar von St. Josef war die mutmaßliche Mörderin fast täglich zu sehen.

Es kostete genau 12,90 Euro. So viel bezahlte Maria H. beim Internet-Marktplatz Amazon für einen Liter Ethylenglykol, das ihr am 4. Oktober 2017 geliefert wurde. Einen Teil dieses besonders tückischen, weil weil süßlich schmeckenden und farblosen Gifts versetzte sie mit Orangen-Maracuja- und Kirschsaft, um den Geruch und Geschmack des Glykols zu überdecken und füllte das Gemisch anschließend in eine 0,33-Liter-Geschenkflasche. Früher oder später sollte Manfred J. ihn trinken.

Es war der 13. November 2017. Angelika O. hatte ihre Freundin aus Regensburg nach Oberfranken eingeladen, um ihr das neue Zuhause zu zeigen und ihr von ihrem Glück mit Manfred J. zu erzählen. Es sollte nicht mehr lange währen, Maria H. hatte ihren Todes-Cocktail als Gastgeschenk mitgebracht. Man aß zu Abend, schaute gemeinsam fern, als die 39-Jährige kurz nach 21.15 Uhr ein Glas mit dem Glykol-Saft-Mix füllte und diesen zunächst Angelika O. anbot – wohlwissend, dass diese keinen Alkohol trinkt. Ihre Freundin lehnte auch tatsächlich ab, worauf Maria H. das Glas dem 64-Jährigen reichte. Und der nahm den tödlichen Cocktail an – der teuflische Plan hatte funktioniert.

Todeskampf dauerte 17 Tage

Schon kurze Zeit später verschlechterte sich der Gesundheitszustand von Manfred J. drastisch. Nachdem er sich zunächst hingelegt hatte und immer mehr über Übelkeit und Schwindel klagte, rief Angelika O. schließlich gegen 3.10 Uhr den Notarzt, der ihn sofort ins Klinikum Marktredwitz bringen ließ. Dort ging man aufgrund der angegebenen Symptome zunächst von einem Schlaganfall aus. Zeitnah trat bei Manfred J. auch ein Nierenversagen ein, gefolgt von einem cerebralen Krampfanfall, aufgrund dessen er intubiert werden musste. In den Folgetagen erblindete der 64-Jährige und fiel schließlich ins Koma, ehe er am 1. Dezember 2017 nach einem 17-tägigen Todeskampf verstarb. Bis zuletzt wussten die Ärzte nicht genau, woran Manfred J. wirklich litt. Die Wahrheit kannte nur Maria H. – nur sie hätte helfen können. Aber die 39-Jährige schwieg bis zuletzt.

Ethylenglykol

  • Gefahr:

    Giftig ist Ethylenglykol vor allem für die Nieren, das Nervensystem, die Leber, die Lunge und das Herz.

  • Anzeichen:

    Die Symptome, die Ethylenglykol hervorruft, sind vergleichbar mit den Anzeichen bei übermäßigem Alkoholkonsum – vom Rausch bis zu Magen-Darm-Beschwerden.

  • Behandlung:

    Behandelt werden kann eine Ethylenglykol-Vergiftung mit Ethanol – also Alkohol.

Dabei hatte die Mitarbeiterin der Kirche St. Josef in Ziegetsdorf, die gleichzeitig Mitglied des Dritten Ordens der Franziskaner (Ordo Franciscanus Saecularis) ist, beim Katholikentag 2014 in Regensburg an ihrem zehnten Hochzeitstag – zusammen mit ihrem Mann – noch das sogenannte „lebenslange Versprechen“ der Franziskaner abgegeben. Dabei verpflichtet man sich „wie Franziskus zu einem Leben nach dem Evangelium (...), als Geschwister aller Geschöpfe zu leben (...), anspruchslos und dienstbereit, dankbar und froh zu sein (...) und dem Frieden verpflichtet in jeder Beziehung“.

Trotz des „lebenslangen Versprechens“ droht Maria H. nun lebenslange Haft.

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