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Handwerk

Mit 80 Jahren steht er noch am Amboss

Matthias Höfele ist einer der letzten Schmiede am Tangrintel. Für Hobbyhandwerker schwingt er den Hammer in Kollersried.
Von Dietmar Krenz

Nur noch aus Spaß an der Freude lässt Matthias Höfele den Schmiedehammer singen. Foto: Dietmar Krenz

Hemau. Im Mittelalter und auch noch in der Neuzeit zählte der Beruf des Schmieds zu den wichtigsten und angesehensten Beschäftigungen. Egal, ob es um Reparaturen, Werkzeuge, alltägliche Gebrauchsgegenstände oder Deko-Artikel ging: An der Schmiede kam niemand vorbei. Heutzutage hat die Kunst der Metallverarbeitung ihr Ansehen verloren und ist für viele nur mehr zu einem Hobby geworden. Einer, der jahrzehntelang an der offenen Feuerstelle stand, ist Matthias Höfele.

Landläufig stellt man sich einen Schmied groß, kräftig und mit muskulösen Oberarmen vor. Denn er stellte in vergangenen Zeiten Arbeitsgeräte für die Bauern und Handwerker her und musste tagein, tagaus mit dem Schmiedehammer das harte Metall Schlag für Schlag in Form bringen. Der Hemauer ist aber eher von kleiner Statur und kann auch nicht mit bodybuilder-ähnlichen Muskelpartien aufwarten. „Das hat die Leute schon immer verwundert“, lacht der Senior.

„Ein sensibles Handwerk“

„Nicht allein die Muskelkraft ist entscheidend“, erklärt der frischgebackene 80-Jährige, „Schmieden ist ein sensibles Handwerk.“ Nur durch gezielte und gefühlvolle Hammerschläge lasse sich ein Werkstück herstellen. „Zwei bis drei Schläge zuviel und alles ist kaputt.“ Ohne ausreichend Erfahrung im Umgang mit dem Schmiedefeuer kommt laut dem Hemauer nur wenig zustande. An der Farbe des glühenden Eisens erkennt er die richtige Temperatur.

Jeder Teilnehmer darf sich ein Werkstück aussuchen, dass er selbst anfertigt. Foto: Dietmar Krenz

„Was muss ein Schmied besitzen?“, hieß eine der Fragen bei seiner Gesellenprüfung: „Körperkraft, Geschicklichkeit und viel Übung, lautete die Lösung“, erinnert sich Höfele noch heute. Und wenn er am zentnerschweren Amboss steht, erwacht das alte Feuer. Die 80 Jahre möchte man ihm nicht glauben. Und doch hat er den vollständigen Wandel im Schmiedehandwerk, von den Sensen über Erntemaschinen bis hin zum Landmaschinenmechaniker hautnah miterlebt.

Mit 14 Jahren in die Lehre

Im März 1938 erblickte er als fünftes Kind der Schmiedmeister-Eheleute Johann und Anna Höfele in Erlangen das Licht der Welt. Seine Kinder- und Jugendzeit verbrachte er in Thannhausen bei Freystadt (Landkreis Neumarkt). Schon als 14-Jähriger kam Höfele nach Oberweiling bei Velburg und erlernte in der Huf- und Wagenschmiede von Xaver Simon sein Handwerk. 1957 wechselte er als Geselle zu Johann Heigl nach Hemau, wo er mehr als drei Jahrzehnte beschäftigt war – samt Meisterprüfung.

Pferdehufe beschlagen, Wagenräder bereifen, Eisenbeschläge herstellen oder Pflugscharen und andere Ackergeräte reparieren, waren die Hauptarbeiten der ersten Jahre. Als in den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Schweißgeräte aufkamen, die Umstellung von Eisen- auf gummibereifte Räder erfolgte und später die Traktoren nach und nach die Pferde ablösten, war ein Umbruch unvermeidlich. Während die Arbeiten früher hauptsächlich mit der Hand ausgeführt wurden, nahmen immer mehr Maschinen einen großen Teil des Produktionsprozesses ein. So sattelte der Betrieb auf Bauschlosserei um. Die Bezeichnungen Schmied und Schlosser wurden 1989 aufgehoben und zu Metallbau zusammengefasst.

Matthias Höfele gibt Tipps und unterstützt die Hobbyhandwerker tatkräftig. Foto: Dietmar Krenz

In einem kleinen Fotoalbum hat Höfele einen Teil seiner Arbeiten verewigt. Auf den Bildern sind Feldkreuze, Kerzenständer, Balkon- und Treppengeländer, Türgriffe oder Wand- und Hausschmuck zu finden. Dazu zählten eine Menge sakraler Gegenstände in den Kirchen und auf Friedhöfen der nahen und weiten Umgebung.

Viel Liebe zum Detail

Weitere Informationen zu den Kursen gibt es unter www.hofmark-kollersried.de. Foto: Dietmar Krenz

„Nein, ein Kunstschmied bin ich nicht“, schmunzelt der bescheidene Hemauer. Dennoch hat er im Laufe der Jahrzehnte in seinem Schmiedefeuer vieles angefertigt, was durch Handarbeit, hohe Qualitätsmaßstäbe und viel Liebe zum Detail als Kunsthandwerk durchgeht. Beispiel gefällig? Das Zunftzeichen „Gasthof Goldener Engel“ über dem Eingang zum Schlossbräu am Hemauer Stadtplatz ist ein echtes Meisterwerk. Wenn es auch hie und da mal zwickt, im Großen und Ganzen hat der 80-Jährige den kräftezehrenden Berufsalltag gut überstanden. „Ich hatte Glück, dass nichts Großes passiert ist.“

Viel Freude macht es ihm, wenn er seine althergebrachten Handwerkstechniken an Interessierte weitergeben kann. In der historischen „Handwerkstatt Kollersried“ von Thomas Feuerer im Steinstadel des ehemaligen Hofmarksschlosses gibt er Kurse. Dann stehen alle wie in alten Zeiten um das Feuer, legen glühende Eisen auf den Amboss und bringen durch gezielte Hammerschläge das Werkstück in die gewünschte Form. „Jeder ist seines Glückes Schmied“, sagt ein Sprichwort und das hat der 80-jährige Höfele sein ganzes Leben lang beherzigt.

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