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Regensburg
Freitag, 17. August 2018 31° 1

Forschung

Mit dem „Adlerauge“ ins Weltall blicken

Die Entwicklung des Teleskops ist eine einzige Erfolgsgeschichte. Sie machte sensationelle Entdeckungen erst möglich.

Das „European Extremely Large Telescope“, das Mitte des nächsten Jahrzehnts auf einem 3000 Meter hohen Berg in der Atacama-Wüste, Chile, fertiggestellt werden soll. Foto: ESO/L. Calçada
Das „European Extremely Large Telescope“, das Mitte des nächsten Jahrzehnts auf einem 3000 Meter hohen Berg in der Atacama-Wüste, Chile, fertiggestellt werden soll. Foto: ESO/L. Calçada

Regensburg.Können Sie sich vorstellen, vom Gipfel der Zugspitze das Glimmen einer Zigarette in Flensburg zu sehen? Nein? Doch! Mit der richtigen Ausrüstung geht das.

Begonnen hat alles ganz bescheiden und zufällig, als im beginnenden 17. Jahrhundert die Kinder eines niederländischen Brillenmachers entdeckten, dass – zwei bestimmte Glaslinsen hintereinander gehalten – entfernte Dinge plötzlich recht nah erschienen. Von der Entdeckung bekam auch der berühmte Forscher Galileo Galilei rasch Kunde. Anfang 1610 richtete er schließlich ein kleines, selbst gebautes Teleskop gen Himmel und entdeckte eine vernarbte Mondoberfläche, Himmelskörper, die den Planeten Jupiter umkreisen und dass sich die Milchstraße in tausende von Sternen auflösen ließ.

Rasante Entwicklung

Anfangs zunächst zur militärischen Nutzung gedacht, erkannte Johannes Kepler das Potenzial dieser Erfindung und machte die Optiken tauglich für die Astronomie. Damit war der Grundstein für eine rasante Geschichte sensationeller Entdeckungen gelegt, mit denen die Menschheit begann, ihren kosmischen Horizont stetig zu erweitern.

Im 18. und 19. Jahrhundert wurden die Geräte immer größer und besser, Sternwarten wurden gebaut. Man dokumentierte das Gesehene, ohne jedoch viel über die wahre Natur der Gestirne zu wissen. Die technische Entwicklung nahm ihren Lauf und die Glaslinse wurde als optisches System allmählich vom Spiegel überholt.

Ärger mit Lichtverschmutzung

Die Teleskope wurden schließlich auch fotografisch eingesetzt. Durch das Sammeln von Licht über mehrere Minuten auf fotografischen Platten war ungleich mehr zu sehen als bei direktem Blick durch das Fernrohr. Man fand heraus, dass das Sternlicht Informationen über die Natur der Himmelskörper enthält und war in der Lage, chemische und physikalische Eigenschaften von Sternen und kosmischen Nebeln zu bestimmen – das Zeitalter der Astrophysik hatte begonnen.

Das Sternbild "Der große Bär"

Im 20. Jahrhundert begann man, mit Teleskopen die tatsächliche Ausdehnung des Universums zu entdecken und beobachtete das All schließlich auch außerhalb des sichtbaren Lichtes. Die erdgebundene Beobachtung stieß jedoch an Grenzen. Das hatte technische Gründe, vor allem aber limitierten Luftunruhe, Lichtdurchlässigkeit der Atmosphäre und zunehmender Lichtsmog die Leistungsfähigkeit der Instrumente. Mit dem Hubble-Weltraumteleskop wich man 1990 in den Orbit aus. Die enormen Kosten dieses Unternehmens zwangen die Wissenschaftler jedoch wieder auf den Erdboden zurück. Inzwischen verfügen Amerikaner und Europäer dank ausgefeilter Technik mit deformierbaren, zusammenschaltbaren oder wie Insektenaugen zusammengesetzten Großspiegeln über Teleskope mit gigantischer Leistung. Experten sind zuversichtlich, damit eines Tages auch weit entfernte Planeten anderer Sonnen sehen zu können. Den Observatorien verdanken wir fantastische Aufnahmen des tiefen Weltraums und revolutionäre Erkenntnisse über das Universum. Das heute sichtbare Universum dehnt sich deutlich messbar aus. Aus den Abständen zwischen den Galaxien und deren Geschwindigkeiten kann berechnet werden, wann dieses sehr dicht auf kleinem Raum gewesen sein muss. Dieser Zeitpunkt wird als Beginn des Universums gedeutet.

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