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Regensburg
Freitag, 17. August 2018 31° 2

Verkehr

Mit Vollgas durch die Stadt

Wieder hat sich ein Fahrer eine Verfolgungsfahrt mit der Polizei geliefert. Regensburger leiden auch im Alltag unter Rasern.
Von Julia Ried

Diesen Landrover brachte die Polizei im dritten Anlauf zum Stehen. Eine wilde Flucht war vorausgegangen. Erst Mitte März war in Regensburg ein Rollerfahrer der Polizei davongerast. Foto: Alexander Auer
Diesen Landrover brachte die Polizei im dritten Anlauf zum Stehen. Eine wilde Flucht war vorausgegangen. Erst Mitte März war in Regensburg ein Rollerfahrer der Polizei davongerast. Foto: Alexander Auer

Regensburg.Auf einer wilden Fahrt war ein 34-Jähriger aus dem Landkreis am Mittwochabend vor der Polizei geflüchtet. Auch einen Tag danach stand noch nicht fest, warum er sich betrunken, ohne Führerschein und in einem nicht zugelassenen und versicherten Auto mit ungültigen Kennzeichen auf den Weg machte, auf dem er letztlich drei Polizeiautos beschädigte und drei Polizisten verletzt wurden. Der Mann hatte etwa 2,4 Promille im Blut und konnte deshalb bis gestern Nachmittag nicht vernommen werden. Doch klar ist: Fluchtmanöver wie diese sind hochriskant. Auch im Alltag haben Regensburger Angst vor Auto-Rowdys: etwa Anwohner der Thundorferstraße, die regelmäßig zur Rennstrecke wird.

Flüchtende gefährden andere

Christian Eichenseher von der für die Autobahnen zuständigen Verkehrspolizei sagt über Vorfälle wie dem vom Mittwochabend: „Das kommt relativ selten vor. Aber jeder Einzelfall ist natürlich unangenehm, weil er mit einer Gefährdung von Verkehrsteilnehmern verbunden ist und auch mit einer Gefährdung von Kollegen.“ Den bislang letzten Fall einer Flucht-Fahrt hatte die Polizei im März gemeldet. Polizeisprecher Dietmar Winterberg erläutert, was Polizisten zu tun haben, falls ihnen rücksichtslose Fahrer auffallen: „Dass so jemand unbedingt anzuhalten ist, bevor er größeren Schaden anrichtet“, sei der Auftrag. An die Straßenverkehrsordnung müssen sie sich dann nicht halten – aber dürfen auch niemanden gefährden. „Da versucht man natürlich, durch Stärke zu glänzen.“ Möglichst viele Kollegen werden alarmiert, auf dass sie den zu Stoppenden ausbremsen.

Verfolgungsjagd: Mann rammt mehrere Streifenwagen

Am Mittwochabend brauchte die Polizei drei Versuche, obwohl einige Kollegen halfen. Eine Streife der Polizeiinspektion Neutraubling wollte gegen 20.50 Uhr einen Landrover-Fahrer in Pentling kontrollieren, nachdem er in einem Kreisverkehr entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung fuhr. Doch der Mann raste Richtung Regensburger Westen, wo sich die Fahrt auf die A93 in Richtung München verlagerte. „Soweit er konnte, hat er seine Geschwindigkeit in den Maximalbereich erhöht“, sagt Winterberg.

Mehr Bilder vom Ende der wilden Flucht durch Regensburg sehen Sie hier:

Regensburg: Autofahrer flüchtete vor der Polizei

Die Polizei wollte den Mann unter Einsatz von fünf Autos am Autobahnkreuz in der Überleitung zur A3 Richtung Passau anhalten. Er kam zum Stehen, fuhr dann aber rückwärts – und flüchtete weiter, zurück auf die A93 und wieder zur A3. „In der Überleitung zur A3 konnte er schließlich angehalten werden“, berichtet die Polizei, die um Zeugenhinweise bittet. Vor allem soll sich melden, wer gefährdet wurde.

Klicken oder tippen Sie in unserer interaktiven Grafik auf die Zahlen und erfahren Sie, wie die Fluchtroute des Landrover-Fahrers verlief:

Von rücksichtslosen Autofahrern bedroht fühlen sich auch Anwohner der Thundorferstraße. Der 55-jährige Uwe Fritz erzählt, „an einem normalen Abend“ sehe er zwei, drei Autofahrer mit 80, 90 Kilometern pro Stunde durch die 30er-Zone rasen, klassische Autoposer mit tiefergelegten Fahrzeugen und aufgemotzten Auspuffen. „Im Moment habe ich den Eindruck, dass es wieder mehr werden.“ Er glaubt: Bevor die Polizei hier etwas unternehme, „muss erst etwas passieren“. Eine weitere Anwohnerin, eine 34-Jährige, nutzt im Winter bewusst den Gehsteig auf der Donauseite, „damit ich nicht erwischt werde, wenn jemand ins Schlittern kommt“, sagt sie. „Einzelne geben da richtig Gas.“ Aus der Polizeiinspektion Regensburg-Süd heißt es dazu, sie erkenne in der Thundorferstraße keinen Brennpunkt.

Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahre

Wer Leib und Leben anderer im Straßenverkehr gefährdet, kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe bestraft werden. Alexander Kreipl, verkehrspolitischer Sprecher des ADAC Südbayern, hat den Eindruck, „dass das immer mehr zunimmt, dass Autofahrer rücksichtslos unterwegs sind“ und etwa drängeln oder anderen die Vorfahrt nehmen. „Man kann den Eindruck gewinnen, dass bei uns in der Gesellschaft die Ellenbogenmentalität zunimmt und sich das auch im Straßenverkehr widerspiegelt.“ Allein die Verkehrspolizei hat in ihrem Bereich, zwischen Ponholz und Bad Abbach und Oberölsbach im Kreis Neumarkt und Wörth, in den vergangenen drei Jahren jeweils zwischen 135 und 145 „Aggressionsdelikte“ im Jahr erfasst. Einen Anstieg stellt sie in diesem Zeitraum nicht fest.

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