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Prozess

Mord an Prostituierter gibt Rätsel auf

Der Angeklagte gestand, die Regensburgerin gewürgt zu haben. Doch wer war noch dort, bevor ein Freier die Tote fand?
Von Marion von Boeselager

  • Der Angeklagte (links) mit seinem Verteidiger Robert Hankowetz Foto: Boeselager
  • In diesem Haus im Kasernenviertel wurde am 30. August 2017 eine tote Prostituierte gefunden. Foto: mt
  • Theo Ziegler (von rechts), Sprecher der Staatsanwaltschaft, Polizeivizepräsident Michael Liegl, Franz Schimpel, Chef der Kripo Regensburg, und Chef-Ermittler Stefan Halder stellten 2017 die Ermittlungsergebnisse vor. Archivfoto: altrofoto.de

Regensburg. Regensburg. Im Prozess um den Mord an einer Regensburger Prostituierten in der Nacht zum 30. August vergangenen Jahres bleiben auch nach dem Teilgeständnis des Angeklagten noch Fragen offen. Wie berichtet, hatte der 22-jährige Mann aus Mali vor dem Schwurgericht zugegeben, die 33-jährige Rumänin in ihrem Appartement an der Landshuter Straße bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt zu haben und dann mit ihrem Bargeld – 150 Euro – und ihrem Handy geflüchtet zu sein. Eine Tötungsabsicht bestritt der Asylbewerber jedoch, der damals in der Erstaufnahmeeinrichtung in der Zeissstraße untergebracht war. Er habe geglaubt, die junge Frau lebe noch, als er das Appartement verließ.

Als Motiv für die Tat gab der Angeklagte über seinen Verteidiger Robert Hankowetz an, er habe dringend Geld gebraucht, da seine noch in Mali lebende Tochter an Sichelzellenanämie erkrankt sei. Ein Kumpel habe ihm den Tipp gegeben, er solle doch einfach eine Prostituierte ausrauben.

Am Montag trat unter anderem der Mann in den Zeugenstand, der die Leiche damals in den frühen Morgenstunden fand. Der 31-jährige Einzelhandelskaufmann hatte am Tatabend nach einem Sommerfest in seiner Firma noch Lust, mit Kollegen privat weiterzufeiern. Auf dem Weg zur Wohnung des Bekannten kam er beim Haus, in dem die Getötete arbeitete, spontan auf die Idee, „zu ein paar Mädels, mit denen ich Kontakt hatte, raufzuschauen“. Da war es etwa 22 Uhr. Doch nur eine Dame, die er nicht kannte, öffnete. Eine andere Prostituierte habe sich gerade in einem Streitgespräch mit zwei farbigen Freiern befunden. Ob der Angeklagte dabei war, könne er nicht sicher sagen. Die später Getötete in Appartement Nr. 3 habe auf sein Klingeln nicht reagiert.

„Es war wie ein böser Film“

So sei er wieder zu seinen Kollegen gestoßen. Mit ihnen habe er weiter gefeiert, und auch „eine Ecstasy-Tablette und einen Joint“ konsumiert, gestand der Zeuge. Entsprechend „gut drauf“ habe er sich gegen 3 Uhr erneut entschlossen, es „bei den Mädels“ zu versuchen. Aus dem Apartment 3 habe „helles Licht rausgeschienen“. Die Tür lag jedoch am Boden. Sie war offenbar aufgebrochen worden. „Ich bin einfach drüber gestiegen und hab Hallo! gerufen.“ Er stellte seine angebrochene Bierflasche auf den Tisch. Dann habe er die Frau auf dem Bett liegen sehen. „Ich fragte: Alles okay? Doch sie reagierte nicht. Mir fiel ihre Hand auf, die so komisch verdreht nach oben zeigte.“ Er berührte die Hand. „Sie war starr. Es war wie ein böser Film.“ Obwohl er Alkohol und Drogen im Blut hatte, entschloss sich der 31-Jährige, einen Notruf an die Polizei abzusetzen und den grausigen Fund zu melden. „Dann hab ich vor der Tür auf die Polizei gewartet.“

Laut Staatsanwaltschaft muss es im Zeitraum zwischen seinen zwei Besuchen zu dem Mord gekommen sein. Der Angeklagte soll die junge Rumänin gegen 22.30 Uhr aufgesucht, für ihre Liebesdienste bezahlt und diese auch in Anspruch genommen haben. Danach, so gab er an, hätten sie sich noch fast freundschaftlich auf Spanisch unterhalten und ihre Handy-Nummern ausgetauscht. Laut Mobilfunkauswertung, so ein Beamter der Kripo-Regensburg, war das um 23.03 Uhr.

Dennoch versetzte der Malier der Prostituierten plötzlich einen Nackenschlag. Als sie nicht gleich bewusstlos wurde, sondern zu schreien begann, habe er ihr erst mit der Hand, dann mit einem Kissen den Mund zugehalten, so die Anklage. Doch nach kurzer Beruhigung schrie sie weiter. Da hielt er ihr mit der einen Hand den Mund zu und würgte sie „über einen Zeitraum von mindestens 30 bis 40 Minuten“ derart massiv, dass sie an zentraler Lähmung infolge Erwürgens verstarb, so die Vorwürfe. Durch die Tat brach das Zungenbein der Frau. Der Täter flüchtete.

Wer trat die Tür ein?

Doch was geschah, nachdem der Angeklagte das Appartement verlassen hatte? Anhand von Videoaufzeichnungen einer Kamera im Flur des Appartementhauses versuchte das Gericht unter Vorsitz von Richter Michael Hammer am Montag zu klären, wer wann den Tatort betrat und verließ. Mehrfach ist der Angeklagte darauf zu sehen. Er hielt sich jedoch länger als von ihm angegeben in der Wohnung auf. Später versperrt allerdings eine Zwischentür, die gegen 23.59 Uhr geschlossen wird, die Sicht in Richtung Appartement Nr. 3. Wer trat danach die Tür dazu ein? Wer legte ein Kissen auf das Gesicht der Toten und zündete eine Kerze an? Der Angeklagte will es nicht gewesen sein. Eine Kollegin der Toten sagte zudem aus, sie habe gegen 0.30 Uhr in ihrem Appartement das Licht ausgehen sehen. Der Prozess dauert an.

Schneller Erfolg

  • Handy beim Angeklagten geortet:

    In einem Haus im Kasernenviertel wurde am 30. August eine tote Prostituierte gefunden. Die Frau war erwürgt worden. Schon nach einer Woche konnte der mutmaßliche Täter gefasst werden. Zeugenaussagen und Kommunikationsdaten brachten den Durchbruch . Das Handy der Toten wurde beim Angeklagten geortet.

  • Soko „Alemannen“ ermittelte:

    Mit Hochdruck ermittelte die sogenannte Soko „Alemannen“. Theo Ziegler, Sprecher der Staatsanwaltschaft, Polizeivizepräsident Michael Liegl, Franz Schimpel, Chef der Kripo Regensburg, und Chef-Ermittler Stefan Halder stellten schließlich die Ermittlungsergebnisse vor.

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