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Kultur

Mundart mal modern und cool

Beim Festival in Stadtamhof boten Künstler Genres vom Rap bis zum Blues. In den Texten spiegelt sich das wahre Leben wieder.
Von Chris Metzner

  • Die Gruppe Scherbenviertel - bissig und sarkastisch - alles selbst komponiert. Foto: Metzner
  • Charlie Kefes (Zweiter von links) organisierte das Mundartfestival. Foto: Metzner
  • Lange Schlange beim Bierausschank Foto: Metzner
  • Die Gruppe Skavaria aus Regensburg mit ansteckendem Balkanskareggaefunfgemetzel Foto: Metzner
  • Garopa, zwei schlaksige Niederbayern mit boarischem Afropunk Foto: Metzner

Regensburg.Am Wochenende feierten die Fans der bayerischen Mundart am St.-Katharinen-Platz ein Musikfestival der besonderen Art. Bei schönstem Sommerwetter präsentierten Spitalbrauerei und MundArtAgeh ein bunt gemischtes Spektakel. Zwei Tage lang gab es Rap, Folk, Country, Reggae, Metal und Rock und Blues – wie üblich bei freiem Eintritt!

Organisiert hat das Mundartfestival Karl Kefes, der Vorsitzende der MundArtAgeh, zusammen mit dem Veranstalter Willibald Koller von der Spitalbrauerei. Ein eingespieltes Team, denn diese Veranstaltung gibt es bereits seit vielen Jahren.

Die Location ist Legende, die Nähe von Künstlern und Publikum Kult und die ruhige und sanfte Stimmung des Platzes ergab ein zwanglos-lauschiges Ambiente. Unter blauen Sonnenschirmen saß auch Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und genoss den Sommertag. Der Sportverein SG Walhalla bot Würstl und Brezen, die Spitalbrauerei das Bier und gegenüber gab es Fisch von der Braterei Hofmeister.

Alltäglicher Wahnsinn als Rock

Donkeyhonk spielen Folk, Blues und Rock in einer wilden Mischung. Foto: Metzner
Donkeyhonk spielen Folk, Blues und Rock in einer wilden Mischung. Foto: Metzner

Den Auftakt am Samstagabend bildete die vierköpfige Band „Scherbenviertel“. Sie sangen Balladen und Bluessongs, alles ist selbstgetextet und selbstkomponiert. Bei dem rockig und fetzigen Auftritt der „Donkeyhonk Company“ drehten sich die Texte um den alltäglichen Wahnsinn, dem Zauber des Augenblicks und der verzwickten Suche nach dem Sinn. Eine Performance der besonderen Art boten zwei schlaksige Niederbayern. Der eine ein Turm von einem Drummer, der andere ein Turm von einem Sänger. Sie nennen sich „Garopa“ und offerierten boarischen Afropunk. Schwarzer Beat mit Volksmusik, echt schräg und cool.

Am Sonntag folgte die urwüchsige Kraft der bayerischen Sprache gepaart mit der Power moderner Pop- und Rockmusik, das sind „Austropop“. Die Lust an der Kraft der Sprache macht diese Band aus. Weiter ging’s mit einer Mischung aus Musik, Kabarett und Comedy und endlich auch einmal eine Frau auf der Bühne – „Die Isaschiffer“. Schräg und zugleich kerzengerade. Ein in diversen Fernsehauftritten erprobtes Programm aus eigener Feder, mit Augenzwinkern und einem großen Schuss bissigem Humor. Einfach zum Wegschmeißen. Dann sechs junge Musiker „Kraut und Ruhm“. Die Texte drehen sich um gesellschaftskritische Themen wie zunehmenden Leistungsdruck, Geldgier und die Folgen davon: Größenwahn, Unzufriedenheit und Ausbeutung der Umwelt. Reggae, Hiphop und Rock’n’Roll.

Bisher kamen alle Bands aus Bayern, nun wurde es international: Aus Österreich kommt Sabine Stieger, eine Songschreiberin mit scharfer Zunge und pointierter musikalischer Sprache. Sie besingt Alltagssituationen genauso souverän wie große Themen der Freiheit und Unabhängigkeit. Zum Abschluss präsentierten „Hadé“ – vier junge Männer aus Bayern – ausnahmslos optimistische Lieder. Hadé ist ein türkisches Wort und bedeutet so viel wie Hallo oder Tschüß.

Die bunte Mischung macht’s

Das schöne Wetter lockte die Gäste. Foto: Metzner
Das schöne Wetter lockte die Gäste. Foto: Metzner

„Wir haben ein treues Stammpublikum, das jedes Jahr gerne wiederkommt“, sagte Karl Kefes, „dieses Jahr ist die Zusammenstellung der Bands eine Überraschung, denn es gab im Vorfeld kein Programm, in dem man die Namen der Gruppen hätte lesen können. Alle Protagonisten sind Zur-Schau-Steller und ich gebe diesen Musikern gerne eine offene Bühne.“ Kefes, den hier alle nur „Charlie“ nennen, ist eigentlich Architekt und organisiert jedes Jahr das Mundartfestival. Sein Prinzip, eine bunte Mischung – vom Duo bis zur Acht-Mann-Band- zusammenzustellen, ist jedes Jahr wieder ein voller Erfolg. Wichtig sind ihm eigene Texte und selbstkomponierte Musik.

Den Wettbewerb mit den parallel laufenden Musikevents in Lappersdorf und auf dem Pürkelgut sah er gelassen: „Wir haben hier unser Stammpublikum, treue Fans, die immer wieder kommen.“ Willibald Koller, der Mitveranstalter aus der Spitalbrauerei, nickte bestätigend. Die MundArtAgeh sei ein Verein zur Förderung der Mundart in der zeitgenössischen Popkultur. Ziel sei es, sich in der Szene kennenzulernen und die Musik- und Kulturszene in Bayern zu fördern. Im Laufe der Jahre sei es gelungen, eine entspannte Atmosphäre unter den Kulturschaffenden herzustellen und den Musikern eine Mundart-Bühne zu geben.

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