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Justiz

Naidoo vor Gericht: „Bin kein Antisemit“

Vor dem Landgericht Regensburg kämpfte der Sänger gegen seiner Ansicht nach „ehrverletzende Äußerungen“ einer Referentin.
Von Marion von Boeselager

Xavier Naidoo erschien am Dienstag in Regensburg vor Gericht. Es geht um eine Unterlassungsklage. Foto: Weidner
Xavier Naidoo erschien am Dienstag in Regensburg vor Gericht. Es geht um eine Unterlassungsklage. Foto: Weidner

Regensburg.Die dunkle Sonnenbrille und das Basecap nahm Xavier Naidoo vor dem Landgericht Regensburg ab. Flankiert von zwei Anwälten erschien der deutsche Soul- und R & B-Sänger am Dienstag höchstpersönlich zu dem von ihm angestrengten Zivilprozess. Es ging ums Eingemachte: Die Referentin eines Vortrags zum Thema „Reichsbürger: Verschwörungsideologie mit deutscher Spezifik“ in Straubing hatte den Musiker auf Publikumsnachfrage als „Antisemit“ bezeichnet. Naidoo reagierte mit einer Klage auf Unterlassung der „ehrverletzenden und diskreditierenden Behauptung.“

Umstrittene Songtexte

Er sei kein Antisemit, versicherte Naidoo vor Gericht: „Mein Konzertveranstalter ist Jude. Mein Sohn trägt einen hebräischen Namen. Ich habe jüdische Freunde. Mir ist egal, wo ein Mensch herkommt und was für eine Religion er hat.“ Die Referentin der Berliner Amadeu-Antonio-Stiftung, hatte am 5. Juli vergangenen Jahres in Straubing vor Behördenvertretern über die sogenannte Reichsbürgerbewegung gesprochen. Auf Nachfrage, wie sie Naidoo einstufe, hatte sie geantwortet: „Er ist Antisemit. Das darf ich, glaube ich, aber gar nicht so offen sagen, weil er gerne verklagt. Aber das ist strukturell nachweisbar.“

Naidoo: „Bin kein Antisemit“

  • Erfolg:

    Naidoo ist Gründungsmitglied der Gruppe „Söhne Mannheims.“Mit mehreren Soloalben erreichte er Platz 1 in deutschen Charts. Sein Debütalbum verzeichnete über eine Million verkaufte Exemplare.

  • Proteste:

    Doch sorgen seine umstrittenen Texte und Interviewäußerungen immer wieder für Proteste. Die Stadt Mannheim distanzierte sich nach dem Song „Marionetten“ von der Gruppe.

Der Sänger erwirkte daraufhin eine einstweilige Verfügung auf Unterlassung der Äußerung. Die erkannte die Referentin aber nicht an. Ihre Anwältin: „Wir sehen es prozessökonomisch als klüger an, direkt eine Klärung im Hauptverfahren herbei zu führen.“ Die Beklagte vertritt den Standpunkt, ihre Aussage sei „eine Meinungsäußerung und vom Recht auf Meinungsfreiheit gedeckt.“ In zwei von Naidoos Liedern gebe es Anknüpfungspunkte für Antisemitismus, erläuterte sie ihre Haltung. So sei in dem Song „Raus aus dem Reichstag“ von „Baron Totschild“ die Rede, gemeint sei Rothschild, von „Kein-Herz-Bank“ (Commerzbank). Weiter komme das jüdische Schimpfwort „Schmock“ (Tölpel) vor. Im Lied „Marionetten“ gehe es um Puppenspieler, die im Hintergrund Fäden ziehen. Der Sänger verwende in seinen Songs „Codes“: Stellvertreterbegriffe, die in die Welt der Verschwörungstheorien passen, und die antisemitisch gelesen werden könnten.

„Mir ging es um Bankenkritik und Korruption. Ich sah es als Affront, dass der frühere Kanzler Schröder als Berater zur Rothschild-Bank ging. Ob die Familie jüdisch ist oder nicht, interessiert mich nicht.“

Xavier Naidoo

Xavier Naidoo hielt dagegen: Der Song „Raus aus dem Reichstag“ handle von der sich anbahnenden Finanzkrise. „Mir ging es um Bankenkritik und Korruption. Ich sah es als Affront, dass der frühere Kanzler Schröder als Berater zur Rothschild-Bank ging. Ob die Familie jüdisch ist oder nicht, interessiert mich nicht.“ In „Marionetten“ gehe es „um den überbordenden Lobbyismus“, sagte Naidoo. „Um Politiker, die sich weniger dem Volk verpflichtet fühlen, als Leuten, die ihnen Dinge einflüstern.

Sehen Sie hier ein Video zu Naidoos Erscheinen vor Gericht:

Video MZ

Er stehe für Liebe und Frieden zwischen den Völkern, betonte der Sänger. Er engagiere sich etwa für ein Mehrgenerationen-Haus in Mannheim für Migrantenfamilien und plane ein Musikprojekt gegen Rassismus.

Keine gütliche Einigung

„Für uns ist deutlich geworden, dass beide Parteien von total unterschiedlichen Begriffen von Antisemitismus ausgehen“, zog der Vorsitzende Richter Gerhard Stockert Bilanz. Zwar habe die Referentin das Recht auf freie Meinungsäußerung, doch sei der genannte Begriff sehr negativ besetzt. Auch seien die Persönlichkeitsrechte und Kunstfreiheit des Klägers zu achten.

„Für uns ist deutlich geworden, dass beide Parteien von total unterschiedlichen Begriffen von Antisemitismus ausgehen.“

Gerhard Stockert, Richter

Dieser habe „nachvollziehbare Erklärungen“ für die Verwendung der angegriffenen „Codewörter“ abgegeben. Ob die Beklagte nicht auf die Bezeichnung verzichten, aber sich weiterhin kritisch mit der Thematik auseinandersetzen könne? Eine gütliche Einigung kam jedoch nicht zustande. So wird das Gericht ein Urteil fällen. Verkündungstermin ist der 17. Juli.

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