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Regensburg
Freitag, 23. Februar 2018 2

Schulen

Netz-Beichten: Polizei ermittelt

Nach mehreren Fällen von Lehrermobbing auf der Fotoplattform Instagram gab es eine Anzeige. Die Beiträge sind verschwunden.
Von Heike Haala

Mobbing per Smartphone: In Regensburg wurden mehrere Lehrer auf der Foto-Plattform Instagram gemobbt. Symbolfoto: Karl-Josef Hildenbrand /dpa

Regensburg.Eine Anzeige, Ermittlungen der Polizei und Unruhe unter Schülern – das sind die Folgen, die der fragwürdige Internettrend „Schülerbeichten“ nach sich zieht. Mehrere Regensburger Schulen sind davon betroffen. Bei einem Fall ging es besonders heftig zur Sache. Ein anonymer Kontoinhaber der Internet-Foto-Plattform „Instagram“ stellte für jeden Nutzer einsehbar Lehrer einer Regensburger Schule an den digitalen Pranger. Die sahen sich dadurch mitunter heftigen Vorwürfen ausgesetzt. Das Konto wurde inzwischen gelöscht. Zwei weitere anonyme Accounts, die sich auf andere Schulen beziehen, sind noch einsehbar. Die Polizei ermittelt inzwischen in einem der Fälle wegen des Tatbestands der Beleidigung.

Was ist passiert? Vergangene Woche berichtete die Mittelbayerische zum ersten Mal exklusiv über die „Schülerbeichten“ in Regensburg. Der Trend greift seit diesem Schuljahr um sich. Unbekannte Inhaber benannten ihre Benutzerkonten auf Instagram eindeutig nach Regensburger Schulen, die Zustimmung der jeweiligen Schulleitung dazu hatten sie nicht. Sie forderten Schüler dazu auf, ihnen per Nachrichtenfunktion sogenannte „Beichten“ zuzuschicken. Diese Texte veröffentlichten sie mit einem Hintergrundfoto versehen auf Instagram.

Die Online-Plattform Instagram ist bei vielen jungen Menschen beliebt. Jetzt sorgten so genannte „Schülerbeichten“ für Ärger. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Die Beiträge handeln von Peinlichkeiten und Begebenheiten aus dem Alltag der jeweiligen Schule, erotischen Erlebnissen, die Schüler auf dem Schulgelände gemacht haben wollen, aber auch von heftigen Vorwürfen gegen namentlich genannte Lehrer. In den Kommentarspalten zu diesen Fotos stapelten sich hämische Kommentare über die Betroffenen. Ein Schulleiter nahm seine Lehrer in Schutz und kündigte an, zusammen mit dem Kultusministerium und den Verbänden gegen die Instagram-Beiträge über seine Schule vorzugehen. Eine Sprecherin des Kultusministeriums bezeichnete die „Schülerbeichten“ als „bedenklich“ und empfahl, die juristischen Mittel bei Rechtsverstößen auszuschöpfen.

Lesen Sie hier ein Interview zum Thema Schülerbeichten

Mehrere Anfragen bei der Polizei

Gerade das sogenannte „Cybermobbing“ im Internet kann verheerende Auswirkungen auf das Opfer haben. Foto: Julian Strate

Jetzt haben wir noch einmal bei den Schulen nachgefragt. „Der Account ist gelöscht, wir haben die Sache in den Griff bekommen und aufgearbeitet“, sagt einer der Schulleiter. Seine Mitarbeiter sahen sich den heftigen Vorwürfen ausgesetzt. Nach Informationen der Mittelbayerischen aber herrscht unter den Schülern derzeit noch große Aufregung. Vergangene Woche soll die Polizei an der Schule gewesen sein und mit Schülern gesprochen haben.

In der Tat sind die „Schülerbeichten“ inzwischen ein Thema, mit dem sich die Polizei beschäftigt. „Im Zusammenhang mit den Schülerbeichten waren in dieser Woche zwei Kontaktbeamte an dieser Schule“, bestätigt Judith Kleinhanß vom Polizeipräsidium Oberpfalz. Weiterhin habe es in den vergangenen 14 Tagen vermehrt Anfragen von Regensburger Schulleitern bei der Polizei zu den „Schülerbeichten“ gegeben. Die Schulleiter hätten um Rat gebeten, wie sie mit der Sache umgehen sollen. Nach einem dieser Gespräche sei Anzeige wegen einer Schülerbeichte gestellt worden. Die Polizei ermittelt wegen Beleidigung.

Auch zwei weitere Schulleiter meldeten sich auf unsere Anfrage. Die Instagram-Konten, die sich auf ihre Schulen beziehen, existieren noch. Sie sind für jeden Instagram-Nutzer einsehbar. Beide Schulleiter sagen, dass sie die Angelegenheit im Blick hätten und sofort einschreiten würden, sobald die Sache drohe, aus dem Ruder zu laufen. Auf den Konten über diese Schulen kam es nicht zu Anschuldigungen gegen Lehrer.

Hilfe für Lehrer

  • Anzeige:

    Franz Huber, Ministerialbeauftragter für Gymnasien in der Oberpfalz, rät betroffenen Lehrern, gegen strafrechtlich relevante Beiträge vorzugehen und Anzeige zu erstatten. „Lehrer müssen sich das nicht gefallen lassen“, sagt Huber.

  • Rechtsschutz:

    Dr. Christoph Vatter, Vorsitzender des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) in Stadt und Landkreis Regensburg, sagt, dass Verbandsmitglieder Rechtsschutz in Anspruch nehmen können. Diese Versicherung steht den Lehrern bei, sollte so ein Beitrag straf- oder zivilrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

  • Prävention:

    Beratungsmöglichkeiten beim BLLV gebe es auf Landesebene. Hier können sich Lehrer über das Thema Cybermobbing informieren, sagt Vatter. Ein weiterer Ansprechpartner in Sachen Prävention ist die „Stiftung Medienpädagogik Bayern“. Die Referenten informieren in Schulen über soziale Netzwerke, ihren Nutzen und ihre Gefahren.

  • Ansprechpartner:

    Rat gibt es auch bei den Schulpsychologen oder während einer Supervision.

Instagram bezieht Stellung

Schülerbeichten können die gleichen Auswirkungen wie Cybermobbing haben. Foto: dpa

Einer dieser Kontobetreiber kündigte vergangene Woche zwar auf Instagram an, die Beiträge löschen zu wollen. Wenig später meldete er sich er aber auf der Zusatzfunktion „Instagram Stories“ zu Wort. Die Einträge auf „Stories“ sind im Gegensatz zu anderen Beiträgen für die Instagram-Gemeinde lediglich kurze Zeit einzusehen. Auf diesem Weg vermeldete der Betreiber, dass er sich in der Sache informiert habe. Weder „die Schulleitung noch das Ministerium“ könnten ihm etwas anhaben, deswegen werden diese Beiträge „online“ bleiben. Seither wurden auf dem Konto neue Posts über die Schule veröffentlicht.

Eltern wollen ein Lockerungsverbot für Handys an Schulen

Franz Huber, Ministerialbeauftragter für die Gymnasien in der Oberpfalz, nimmt die Angelegenheit ernst. Er hat schon mit mehreren Schulleitern über die Schülerbeichten gesprochen. Keine Vorfälle gab es laut Auskunft der Ministerialbeauftragten Maria Kinzinger an Realschulen. Schulamtsleiter Heribert Stautner, er ist für Grund- und Mittelschulen in Regensburg zuständig, spricht von einem Account, der sich auf eine Mittelschule bezogen hat. Er sei aber gelöscht worden.

Ein Regensburger Schülertheater beschäftigte sich mit dem Thema Cybermobbing

Auch Instagram selbst hat ein Auge auf derlei Beiträge und Konten. Alisa Höhle von Segmenta Communications, das Unternehmen ist mit der Öffentlichkeitsarbeit der Plattform im deutschsprachigen Raum betraut, bezieht Stellung: „Es ist unsere oberste Priorität, dass Instagram ein sicheres und unterstützendes Umfeld bietet. Daher haben wir für Mobbing oder Belästigungen keinerlei Toleranz.“ Sie rät dazu, problematische Beiträge auf der Plattform zu melden.

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