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Integration

Neu-Regensburger: Briten auf Platz vier

275 Neubürger erhielten 2017 den deutschen Pass. Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer wünscht sich mehr Toleranz.
Von Laura Lindner

Bei der Einbürgerungsfeier im Alten Rathaus lobte die Bürgermeisterin die Integrationsleistungen der Neu-Regensburger. Fotos: Lindner/Peer Grimm, dpa
Bei der Einbürgerungsfeier im Alten Rathaus lobte die Bürgermeisterin die Integrationsleistungen der Neu-Regensburger. Fotos: Lindner/Peer Grimm, dpa

Regensburg.Die politischen Geschehnisse rund um den Brexit spielten bei den gestiegenen Einbürgerungszahlen von Briten in Regensburg eine Rolle, da ist sich die Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer sicher: „Die Zahl hat sich mit 18 Briten mehr als verdreifacht.“ Einige davon sowie zahlreiche Neu-Regensburger aus weiteren 59 Nationen hatten die Einladung der Stadt angenommen und fanden sich im Kurfürstenzimmer des Alten Rathauses ein, um ihre Einbürgerungen zu feiern.

Die Gründe sind verschieden

Laut Maltz-Schwarzfischer leben die meisten der neuen Staatsbürger mehr als acht Jahre in Deutschland. So auch der in Budapest geborene Sandor Horvath. Der junge Mann, der seit seinem zweiten Lebensjahr in Bayern lebt, fühlte sich von den Regensburgern von Anfang an offen empfangen. „Ich habe nicht vor hier wegzugehen“, erklärte Horvath.

Bei einer einjährigen Fahrradtour durch die Schweiz, Frankreich, Österreich, Ungarn und Deutschland lernte der Architekt Europa noch mehr lieben. Mit seiner Anstellung bei einem Regensburger Immobilienunternehmen stand die Domstadt als seine neue Wahlheimat dann endgültig fest.

Damit gehört der 32-Jährige zu der Gruppe Menschen, die aufgrund der beruflichen Perspektive und dem langjährigen Aufenthalt in Deutschland – fast seit Geburt an – deutsche Staatsangehörige geworden sind. Außerdem nannte die Bürgermeisterin weitere Gründe, die die Menschen vor vielen Jahren nach Deutschland gebracht haben. Dazu gehören Familienzusammenführungen oder die Flucht vor Krieg.

An der Demokratie aktiv teilnehmen

Zu den 275, die im vergangenen Jahr in Regensburg eingebürgert wurden, gehört auch Isabel Moreira de Sa aus Portugal. Die Frau, die an Regensburg vor allem das südländische Flair schätzt, möchte an der deutschen Demokratie aktiv teilnehmen. „Letztes Jahr durfte ich zum ersten Mal an der Bundestagswahl teilnehmen“, freute sich diese.

Sie wollte ihre Stimme gegen Rassismus abgeben. „Die Stimmung in der Gesellschaft hat sich seit der Flüchtlingskrise gewandelt“, erklärte die Neu-Bürgerin. Diese Veränderung bemerkte auch Mrasoraj Arlind aus dem Kosovo. Der junge Mann, hat aufgrund einer Härtefallregelung seine Einbürgerungsurkunde bekommen: „Meine Mutter ist im Krieg gestorben.“ Für ihn sei es schlimm, dass viele ihm gegenüber abweisend sind, so Arlind.

Die Chance der Einbürgerung

Auch Maltz-Schwarzfischer sprach sich bei der Feier für mehr Toleranz aus. „Die Wahrung der kulturellen und religiösen Identität der neuen Bürger ist wichtig.“ Sie bezeichnete die Zuwanderung von Menschen aus anderen Kulturen als Bereicherung und freute sich, dass die 275 Menschen, denen dieser Abend gewidmet war, sich für Regensburg entschieden haben.

„Religionsfreiheit bedeutet uns hier in Regensburg sehr viel“, sagte Maltz-Schwarzfischer weiter. Mit dieser Versicherung kritisierte sie außerdem die Aktion der Identitären Bewegung Bayern, die sich zu dem Aufstellen von Holzkreuzen auf dem künftigen Moschee-Gelände in Regensburg bekannten.

Auch deshalb sprach sich die Bürgermeisterin bei ihrer Rede dafür ein, dass sich die neu eingebürgerten Regensburger am Gemeinwesen beteiligen und dieses mit gestalten: „Bringen sie sich ein“, appelliert sie an die Gäste. Die Neu-Regensburger sollten sich außerdem intensiv an unserem Gesellschaftsleben beteiligen.

Einbürgerung als Chance

Trotz der bürokratischen Hürden, wie der Nachweis der deutschen Sprache, sollten die Menschen immer an die Chancen denken, die die Einbürgerung mit sich bringe. „Mit dieser Urkunde werden ihre Integrationsleistungen gewürdigt“, erklärte die Bürgermeisterin. „Sie können nun ihren Wohnsitz und Arbeitsplatz in der gesamten EU frei wählen.“

Diese Chance nahmen 2017 besonders viele Menschen aus Bulgarien (38), aus Rumänien (33) und aus der Türkei (28) wahr. Direkt darauf folgen die Briten. Dazu gehört auch Prof. Dr. David Hiley, der nun die doppelte Staatsbürgerschaft besitzt. Durch seine Arbeit an der Universität und das Musizieren im privaten Umfeld habe der Neu-Regensburger nie Probleme bei der Integration gehabt, erklärte der emeritierte Musikprofessor.

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