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Gesundheit

Neues Gesicht: Neues Leben

Medizinische Versorgung verbessern: Holger Gassner aus Regensburg hilft beim Bau eines Ausbildungskrankenhauses in Ghana.
Von Laura Lindner

Petra Mona Seier betreut gemeinsam mit einer Ärztin aus den USA eine ghanaische Familie deren Sohn an der Gaumenplatte operiert wird. Foto: Seier
Petra Mona Seier betreut gemeinsam mit einer Ärztin aus den USA eine ghanaische Familie deren Sohn an der Gaumenplatte operiert wird. Foto: Seier

Regensburg.Louis ist 16 Jahre alt und wartet seit drei Tagen. Er wartet darauf, den Riesentumor entfernt zu bekommen, der seine linke Gesichtshälfte entstellt. Louis hat Angst, er schläft schlecht, steht jeden Tag von früh bis spät vor seinem Zimmer und beobachtet jede Bewegung der Ärzte. Er lässt sie nicht aus den Augen, weil er befürchtet sie könnten ihn vergessen. Ihn und seinen schrecklichen Tumor. Den Tumor, der ihn aus seiner Dorfgemeinschaft ausschließt, weil diese Entstellung mit dem Teufel in Verbindung gebracht wird.

Klinikprojekt in Accra

Gestern fiel die Entscheidung: Louis wird rausgekickt – es sind einfach zu viele und jede der Operationen dauert bis zu zehn Stunden. Das Team ist erschöpft. Zu diesem Team gehören Prof. Dr. Holger G. Gassner und Dr. Petra Mona Seier aus Regensburg. Gassner reist, organisiert von der gemeinnützigen Stiftung face the future mit seinem langjährigen Freund und Kollegen Prof. Dr. Kofi Boahene jährlich nach Kigali in Ruanda, um dort einheimische Chirurgen in Operationstechniken der wiederherstellenden Gesichtschirurgie auszubilden.

Boahene (2. v. l.) und Gassner (2. v. r.) operieren gemeinsam. Foto: Seier
Boahene (2. v. l.) und Gassner (2. v. r.) operieren gemeinsam. Foto: Seier

Der neueste Plan: In Ghana soll ein Ausbildungskrankenhaus entstehen. Die beiden Ärzte gründeten die Stiftungen „Foundation for Special Surgery“ und „Foundation for Special Surgery EU“ mit der Absicht eine nachhaltige medizinische Struktur in den unterversorgten Gebieten Süd-West Afrikas aufzubauen. Das Kernprojekt ist das Errichten und Betreiben einer hoch spezialisierten Klinik in Accra, der Hauptstadt von Ghana.

„Unser Hauptaugenmerk liegt auf der Ausbildung der ortsansässigen Ärzte“, erklärte Gassner, der bis 2016 am Uniklinikum Regensburg den Bereich plastisch-wiederherstellende Gesichtschirurgie leitete. Ein passendes Grundstück ist bereits gekauft: „Es liegt in einer stabilen und attraktiven Umgebung“, sagte Gassner. Als nächstes müsse ausreichend Geld gesammelt werden, um den Bau, dessen Kosten bei rund 800000 Euro liegen, finanzieren zu können. Dafür veranstaltete die Stiftung im Februar ein Spendendinner im Leeren Beutel, bei dem rund 9000 Euro gesammelt werden konnten.

„Wir geben den gesichtsversehrten Menschen ihre Perspektive und ihre Zukunft zurück“

Petra Mona Seier, Notfallärztin

Sobald der Bau des Ausbildungskrankenhauses abgeschlossen ist, sollen dort, wie jetzt in Ruanda, sogenannte Gesichtsversehrte operiert werden. Dazu zählen vor allem Menschen mit großen Tumoren, angeborenen Lähmungen und Verbrennungen im Gesicht sowie durch einen Unfall entstellte Patienten. Dafür sind zwei OP-Säle und 30 Betten geplant.
Seier reist ebenfalls nach Ruanda und ist für die prä- und postoperative Phase sowie die Intensivstation zuständig. Außerdem schult die Ärztin das Krankenhauspersonal vor Ort was die Nachbetreuung der Patienten betrifft. Denn laut Gassner hat das Team vor allem ein Ziel: „Wir wollen Substanz aufbauen.“ In Ruanda sei ihnen das gelungen: „Als wir das erste Mal dort waren, existierte keine Intensivstation“, so der Gesichtschirurg. Mittlerweile gebe es acht Beatmungsstationen und die Ärzte könnten bereits einige Operationen eigenständig leiten. „Wir geben Hilfe zur Selbsthilfe.“

Den Menschen helfen, das will auch Boahene. Ein traumatisches Erlebnis brachte den geborenen Ghanaer dazu, Medizin im Ausland zu studieren. „Er musste mit ansehen, wie ein Freund nach einem Unfall in der Notaufnahme verblutete“, sagte Gassner. Boahene habe damals erkannt, dass dieser hätte gerettet werden können, wenn das Krankenhaus dem Standard europäischer Kliniken entsprochen hätte. An der amerikanischen Mayo Clinic lernten sich die beiden Professoren kennen und sind seitdem durch gemeinsame Ziele verbunden.

Perspektive für die Patienten

Diese Ziele teilt auch Seier: „Ohne unsere Arbeit hätten die Menschen kein medizinisches Zentrum“, erklärte die Notfallärztin. Sie betonte besonders den emotionalen Aspekt der Arbeit: „Wir geben den Patienten ihre Perspektive zurück“. Was Seier besonders bewegt ist die Dankbarkeit der Menschen. „Die Arbeit ist sehr erfüllend.“ Und weil das ganze Team mit Herz und Seele dabei ist, schaffen es die Ärzte am Ende der anstrengenden OP-Woche Anfang März auch noch den jungen Louis zu operieren und ihm damit sein Gesicht und seine Zukunft zurück zu geben.

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Die Klinik

  • Kosten: Insgesamt belaufen sich die Baukosten auf rund 800 000 Euro. Um die Klinik bauen zu können, ist die Stiftung auf Spenden angewiesen.

  • Grundstück: Das Grundstück in Accra kostete 150 000 Euro und wurde nach dem ersten Spendendinner in Regensburg 2017 gekauft.

  • Konto: Spenden können an das folgende Bankkonto der Stiftung FFSSE gerichtet werden: IBAN: DE80760100850092150851; BIC: PBNKDEFF

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