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Protest

Parolen-Schlacht am Regensburger Dom

Die AfD bringt etwa 200 Menschen gegen den Moschee-Bau auf die Straße. Circa 350 halten lautstark dagegen.
Von Julia Ried

Etwa 350 Gegendemonstranten standen der AfD gegenüber. Foto: Tino Lex
Etwa 350 Gegendemonstranten standen der AfD gegenüber. Foto: Tino Lex

Regensburg.Zwischen den Fronten stand die Polizei: auf dem Teil des Domplatzes, der als Pufferzone abgesperrt war. Die Demo-Arena der AfD am östlichen Ende des Platzes war von Gittern umgeben. In einem umgebauten Kastenwagen, dekoriert mit einem Banner in Weiß-Blau und den Nationalfarben Schwarz, Rot, Gold, taten dort die Politiker der Rechtspartei vor ihren Anhängern unter dem Motto „Keine Erdogan-Moschee in Regensburg“ kund, dass sie den Bau eines türkisch-islamischen Ditib-Kulturzentrums im Stadtosten ablehnen. Auf der anderen Seite, vor und neben dem Optikgeschäft, drängten sich hinter einer Absperrung die AfD-Gegner und schrien, pfiffen und rasselten an gegen das Geschehen gegenüber.

Es waren sie, die lauter waren in dem Demo-Wettstreit, den sich AfD-Anhänger und -Gegner am Samstagmittag lieferten. Doch die „Initiative gegen Rechts“ konnte mit – nach Einschätzung der Polizei – etwa 350 Menschen nicht so viele Demonstranten für ihre Kundgebung unter dem Motto „Gegen rechte Hetze für eine offene Gesellschaft“ mobilisieren, wie sie es sich erhofft hatte. Die AfD dagegen brachte so viele Anhänger auf die Straße wie noch nie in Regensburg: Nach Polizeiangaben demonstrierten etwa 200 Menschen für ihr Anliegen.

2017 nur 30 Leute bei AfD-Demo

Als im vergangenen September das rechtspopulistische Bündnis Pegida (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) mit etwa 30 Teilnehmern auf dem Domplatz demonstriert hatte, hatten sich ihm etwa 2000 Menschen entgegengestellt. Im Juli 2017 hatten circa 300 Demonstranten am Emmeramsplatz lautstark die AfD übertönt, die ihre Forderungen zur Geldpolitik verkünden wollte. Etwa 30 Menschen waren damals zu ihrer Kundgebung gekommen.

„Der Islam gehört nicht zu Deutschland“, lautete eine zentrale Botschaft der AfD, die die Religion als Bedrohung darstellte. Foto: Lex
„Der Islam gehört nicht zu Deutschland“, lautete eine zentrale Botschaft der AfD, die die Religion als Bedrohung darstellte. Foto: Lex

Diesmal lautete die Botschaft der AfD: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“, so stand es auf dem Banner in der Parteifarbe Cyanblau, das eine Gruppe von Demonstranten gegen die Absperrung drückte. Warum das die AfD so sieht, erklärte im Kastenwagen ein Quartett aus zwei Regensburger Politikern der Partei sowie dem AfD-Bundestagsabgeordneten Stephan Protschka aus Dingolfing und der AfD-Frau Katrin Ebner-Steiner aus Deggendorf. Ebner-Steiner, stellvertretende Vorsitzende der Partei in Bayern, schrie der Gegenseite entgegen: „Jede neue Moschee ist ein Risikofaktor, dass dort nicht nur gebetet wird, sondern auch Hass gesät wird gegenüber uns, den schon länger hier Lebenden.“ Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, dessen Religionsbehörde der Verband Ditib (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) unterstehe, sei ein „Faschist“, so der Tenor der Politiker der rechten Partei. Die Häme über die gegenüberliegende Seite, die die AfD an Erdogans Seite verortete, war am Rednerpult groß. „Dahinten stehen die Leute, die unser Land vernichten“, rief Protschka.

In den gegnerischen Reihen wurde währenddessen lautstark skandiert: „Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda.“ „Vielfalt“, auf kleinen Plakaten bunt geschrieben, forderten einige Demonstranten – „statt Ausgrenzung“.

AfD-Protest trifft am Domplatz auf AfD-Gegner

„Aktion gegen den Rechtsstaat“

Der Regensburger Juso-Vorsitzende Heinrich Kielhorn hatte als Redner auf der Gegenkundgebung am Westportal des Doms, die ab elf Uhr begonnen hatte, deutlich gemacht, dass er nicht die Ditib verteidige, sondern die Religionsfreiheit. „Wir sind für das Recht, eine Moschee zu bauen“, sagte er und schickte hinterher: „Wir müssen nicht Freunde der Ditib sein.“ Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Stefan Schmidt hatte am Mikrofon betont: „Der Islam gehört zu Deutschland.“ Er erklärte: „Wenn wir uns Sorgen machen müssen, dann nicht wegen der Muslime, sondern wegen des Populismus und der Hetze der AfD.“ SPD-Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer sagte im Gespräch mit der Mittelbayerischen mit Verweis auf die vom Grundgesetz garantierte Religionsfreiheit, sie empfinde die Kundgebung der AfD als „Aktion gegen unseren demokratischen Rechtsstaat“.

In der übrigen Innenstadt abseits des Domplatzes demonstrierten vereinzelt kleine Gruppen gegen die AfD. „Die angemeldeten Veranstaltungen haben nicht stattgefunden oder waren sehr mäßig besucht“, sagte Polizeisprecher Dietmar Winterberg. Insgesamt seien die Proteste beider Lager weitestgehend friedlich verlaufen, meldete die Polizei, nachdem der Demo-Wettkampf gegen 14.20 Uhr zu Ende war. Die Polizei hielt vier Gegendemonstranten kurzzeitig fest, weil sie sich nach Angaben der Behörde verbotenerweise vermummten. Sie war mit etwa 250 Beamten im Einsatz.

Eine Bildergalerie von der AfD-Demo und der Gegenveranstaltung sehen Sie hier:

Demo und Gegendemos am Regensburger Domplatz

Die MZ berichtete live von den Demonstrationen. Der NewsBlog zur Nachlese:

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