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Regensburg
Donnerstag, 19. April 2018 26° 1

Geschichte

Paul Öttinger führte Schandmarsch an

Schüler des AAG Regensburg erarbeiteten in einem Projektseminar eine Gedenkstätte für jüdische Schüler in der NS-Zeit.
Von Curd Wunderlich

Die Teilnehmer des Projektseminars mit ihren Gästen und Lehrern vor dem neuen „Denk-mal“ am AAGFoto: mcw

Regensburg.Es sind dankbare Worte, die Ilse Danziger findet. Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Regensburg freute sich, bei der Einweihung der Gedenkstätte für die verfolgten jüdischen Schüler am Albrecht-Altdorfer-Gymnasium (AAG) am Donnerstagnachmittag ein Grußwort sprechen zu können. „Eigene Geschichtserarbeitung ist prägend“, ist Danziger überzeugt. Sie sei nötig, um die „Welt ein Stück besser machen zu können“. Die Auseinandersetzung mit ehemaligen jüdischen Schülern am AAG sei dafür ein gelungenes Beispiel.

15 Schüler eines Projekt-Seminars Geschichte in der Oberstufe hatten an dem Gymnasium in der östlichen Altstadt Regensburgs Idee und Konzept für das „Denk-mal“ erarbeitet, das bewusst mit Bindestrich geschrieben wird und an einer Wand vor dem Direktorat seinen festen Platz finden soll. „Mit unserem Denkmal wollen wir daran erinnern und aufmerksam machen, dass es auch am Albrecht-Altdorfer-Gymnasium Schüler jüdischen Glaubens gab, die in der Zeit des Nationalsozialismus ausgegrenzt und verfolgt wurden“, beschrieb Projektteilnehmer Vinzenz Michalik in der Mensa des AAG am Donnerstag den zahlreichen Zuhörern.

Gezwungen, die Schule zu verlassen

In der Gestaltung des Denkmals werde der ehemalige Schüler Paul Öttinger hervorgehoben, der als Bannerträger beim Schandmarsch in Regensburg eine besonders grausame Rolle spielen habe müssen. „Paul Öttinger wurde als letzter Schüler jüdischen Glaubens gezwungen, im Jahr 1938 das Albrecht-Altdorfer-Gymnasium zu verlassen. Kurz darauf wanderte er nach Palästina aus“, erklärte Michalik. All diese Stationen – vom AAG über den Schandmarsch bis zur Auswanderung nach Palästina – tauchen auf dem Kunstwerk, das gleichzeitig Gedenkstätte sein soll, auf. Wichtig war es Michalik zu betonen, dass neben Öttinger mit dem Kunstwerk auch der anderen ehemaligen jüdischen Schüler gedacht werden solle, nämlich: Eugenie Sohn, Leonore Weiner, Michael Frank, Georg Heller, Richard Lederer, Hanns Mandelbaum, Alfred Roblenz, Walter Salomon und Friedrich Winter.

Paul Öttinger und das „Denk-Mal“

  • Im Hintergrund

    auf dem neuen „Denk-mal“ sieht man die brennende Regensburger Synagoge, erklärte Vinzenz Michalik im Gespräch mit der MZ. Diese wurde während der Reichspogromnacht 1938 in Brand gesteckt

  • Paul Oettinger

    steht im Vordergrund des Plakats. Nach der Reichskristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden die Juden von den Nazis in einem sogenannten „Schandmarsch“ durch die Stadt getrieben.

  • Oettinger

    trug dabei ein Schild: „Auszug der Juden“ stand darauf. Auch das ist auf der Zeichnung zu sehen. Nach seiner Auswanderung lebte er 20 Jahre in einem Kibbuz und war aktiv am Aufbau des modernen Israel beteiligt.

Professor Gerhard Waldherr sprach für die Freunde des AAG ein Grußwort. Der Verein hatte die Realisierung der Gedenkstätte finanziell unterstützt. Er sei „sehr berührt und angetan davon, dass dieses Thema aufgegriffen wurde“, betonte er. Gleichzeitig kritisierte Waldherr aber auch, dass es „schon befremdlich, wenn nicht sogar beschämend“ sei, dass es bislang noch keinen Ort an der Schule gegeben habe, „an dem diese Erinnerungs-Auseinandersetzung verortet war“. Auch in den Festschriften zum 100. und 125. Jubiläum des Gymnasiums in den Jahren 1980 und 2005 hätten die „schrecklichen Auswirkungen eines barbarischen Regimes, die Schüler dieser Schule erleiden mussten“, keine Erwähnung gefunden, führte er weiter kritisch aus.

Beeindruckt von der Initiative der Schüler

Von der Initiative der Schüler des Projektseminars von Geschichtslehrerin Heidi Stadlbauer zeigte sich Waldherr umso mehr beeindruckt. Besonders hervorzuheben sei neben der intellektuellen Auseinandersetzung mit der Thematik das Engagement der Schüler, „eine adäquate Umsetzungsform für die Erinnerung zu finden und sie auch zu realisieren“.

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