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Peter, der Lurchi-Kümmerer

Werbetechniker Peter Kuchler züchtet in seinem Studio in Regensburg Feuersalamander. Jedes Frühjahr wildert er sie aus.
Von Helmut Wanner

Der Werbetechniker versteht sich als Mitarbeiter der Schöpfung. Im Hintergrund schmückt Michelangelos Adam die Fassade seines Studios. Foto: Wanner

Regensburg.Lang ertönt’s im Tale noch, Salamander lebe hoch!“ Bei diesem Zweizeiler klingt bei manchen Leser sofort eine bestimmte Saite an: „Aus der Jugendzeit“. Denn als Opa noch mit Murmeln spielte, war Lurchi eine Werbefigur der Schuh-Firma Salamander. Lurchi hat den Feuersalamander beliebt gemacht.

Leicht, feucht und kühl: Kleine Feuersalamander auf der Hand Foto: Wanner

Auch der Regensburger Peter Kuchler gehört zu Lurchis Fan-Gemeinde. Doch der 53-jährige geht noch ein Stück weiter. Er hat sich dem Überleben des echten Feuersalamanders verschrieben. Doch davon wissen nur gute Freunde und Geschäftspartner. Denen erzählt er gelegentlich davon an der Bar im Orphée. Dort gab er dieser Tage bekannt, dass in seinen Terrarien am Auweg 11 b wieder 25 kleine Lurchis auf ihren großen Tag warten.

Klassische Farben der Werbung

Lurchis Schwarz und Gelb signalisieren Gefahr. Vor allem aber garantieren sie Aufmerksamkeit. Insofern sind Schwarz und Gelb klassische Farben der Werbung. Dem Feuersalamander nutzt sein Schutzmantel genauso wenig wie dem Igel sein Stachelkleid. Lurchi ist in seinem Bestand bedroht. Peter Kuchler hat für sein Engagement für Feuersalamander keine profanen Beweggründe. „Ich will Leben retten. Ganz einfach.“

Sein privates Rettungsprojekt basiert auf Zufall: Irgendwann um 2010 herum hat sich Kuchler im Spätherbst einmal zwei geschützte Salamander mit nach Hause genommen, um sie am Auweg im Terrarium überwintern zu lassen. Überraschung: „Im Dezember hatte ich plötzlich Nachwuchs.“ 25 kleine Salamander-Larven fütterte er mit Wasserflöhen aus der Zoohandlung durch, bis sie „an Land“ gingen. „90 Prozent kommen bei mir durch“, im Freien sind es vielleicht vier, fünf von einer Salamandermama. Im Frühjahr tat er sie in eine Box und fuhr sie ins Regental. Über die Jahre dürfte er schon über 200 ausgesetzt haben.

„Lang ertönt’s im Tale noch, Salamander lebe hoch!“

Salamander

Er hat Lurchi schon beim Laichen zugeschaut. Es sind kleine Erbsengroße Eier, die beim Laichen sofort platzen und eine Larve mit Kiemen freigeben. Nach einer gewissen Zeit im Wasser geht das Amphibium an Land und vollzieht somit Jahr für Jahr die große Entwicklungsgeschichte nach.

Feuersalamander

  • Lebensraum:

    Feuersalamander leben in Laub- und Mischwaldgebieten mit naturnahen Bachläufen und sind vor allem bei Regenwetter und nachts aktiv.

  • Dasein:

    Es werden weit entwickelte, kiementragende Larven ins Wasser abgesetzt. Feuersalamander führen ein verborgenes Dasein in Nischen von Höhlen, unter Totholz, flachen Steinen, zwischen Felsblöcken und unter Baumwurzeln, oder im Lückensystem des Bodens, zum Beispiel in Kleinsäugergängen.

Amphibienretter ist er von Kindesbeinen an. Mit 13 Jahren rettete er mit Freunden Kammmolche und Grasfrösche aus einem Tümpel am nördlichen Ausgang des Pfaffensteiner Tunnels, der damals im Bau war. Die Aktion war spontan. „Eigentlich wollte ich mit meinem Vater Wasserflöhe sammeln für die Fische. Dabei haben Bauarbeiter erzählt, dass sie den Tümpel in den nächsten Tagen zuschütten werden.“ Von der Wohnung seiner Eltern in Reinhausen, Illerstraße, aus radelte Peter Kuchler in die Stadtverwaltung, um die Beamten zur Rettung der Amphibien zu veranlassen. „Nichts. Es geschah nichts. Da habe ich meine Freunde zusammengetrommelt. Mit Eimern haben wir Tausende Frösche und Molche gesammelt und in anderen Teiche ausgesetzt.“ Die Enttäuschung wirkt noch heute nach. Seitdem hat sich Peter Kuchler geschworen: „Warte nicht auf andere. Mache es selbst.“

An der Fassade seines Werbestudios am Auweg 11 b prangt farbkräftig Michelangelos Schöpfung des Adam. Kuchler hat das Deckengemälde der sixtinischen Kapelle aus Rom an den Auweg verpflanzt, in diese kreative Mischung aus Handwerk, Hafen-Betrieb, Edel-Gastronomie, Wohnen und gewerbsmäßiger Unzucht. Lurchifreund ist Kuchler seit seiner Jugend und zufällig ist er auch Werbetechniker. Die Welt der Werbung ist bunt. So passt der Gecko gut zum Klingelschild. Und die Schöpfung von Michelangelo gut zum Anliegen Kuchlers, an der Schöpfung ein bisschen mitzuwirken.. Neben der Tür zum Studio parkt sein Mountainbike von Rotwild. Damit radelt er aus der Albansgasse täglich in die Arbeit, nicht ohne zuvor im Orphee einen Espresso zu trinken. Kaum ein edles Wirtshaus in Regensburg, dessen Namen auf der Außenfassade nicht aus seiner Werkstatt stammt. Er hängt das nicht an die große Glocke. Eine Homepage hat er nicht. Und sein Handy bleibt oft Stunden ausgeschaltet. Er haut nicht aufs Blech. „Mir reicht die Empfehlung.“

Der 53-Jährige liebt die Abgeschiedenheit, den Halbschatten, das Dunkle – wie der Feuersalamander. Kuchler hat sich seinem amphibischen Freund über die Jahre angeglichen. Dem Feuersalamander zuliebe verzichtet Kuchler auf grelles Licht im Studio. Der Feuersalamander ist ein sanfter Einzelgänger, liebt die Feuchtigkeit, die Einsamkeit und die Nacht.

Pate für ein Bachtal

Auch Peter Kuchler ist Einzelgänger. In seiner abgedunkelten Werkstatt züchtet der Amphibienfreund in fünf Terrarien Feuersalamander in ihren verschiedenen Entwicklungsstadien und setzt sie wieder aus. Das alles nebenbei. „Für mich ist das Lebensqualität.“ Er bringt die Lurchis dahin, wo er sie ursprünglich hergeholt hat, in ein kleines schattiges Bachtal am Fluss Regen hinter Ramspau.

Sein Vater Werner (80), mit dem er seine Liebe zu Wassertieren teilt, unterstützt ihn im Geschäft und in seinem Hobby. Kuchler sen. nimmt einen kleinen Feuersalamander heraus und reicht ihn behutsam weiter. Einen Lurchi auf der Hand zu halten ist ein Erlebnis, das man nie vergisst: Feucht, kühl und leicht. Heiliges Staunen!

Peter Kuchler radelt gerne ins Regental. Dabei entdeckt er an der Maserung manche Feuersalamander wieder, die er ausgesetzt hat. „Das ist für mich ein Hochgenuss. Das zeigt mir, dass sich die Mühe lohnt.“ Im Bachgebiet, das er betreut, hat sich die Population wieder erholt. „Lang ertönt’s im Tale noch, Salamander lebe hoch!“

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