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Kirche

Pfarrer Hierl geht in Ruhestand

Das Leben als Geistlicher hat er niemals bereut: Nach 19 Jahren in St. Anton hört Pfarrer Dr. Anton Hierl auf.
von Roland Ebner

Im September 2015 weihte Pfarrer Dr. Anton Hierl das neue Turmkreuz. Foto: Archiv / Roland Ebner
Im September 2015 weihte Pfarrer Dr. Anton Hierl das neue Turmkreuz. Foto: Archiv / Roland Ebner

Regensburg. 19 Jahre insgesamt war er in St. Anton: Sieben Jahre als Kaplan und zwölf Jahre als Pfarrer. Jetzt nimmt Dr. Anton Hierl, der „Anton aus St. Anton“, seinen Abschied in den Ruhestand. Auf eigenen Wunsch übrigens verlässt er seine Pfarrei Richtung „Austrag“ in Wenzenbach.

Nach Gymnasium und Studium der Philosophie und Theologie wurde der gebürtige Pettenreuther 1974 zum Priester geweiht, war danach Kaplan in Beratzhausen und Regensburg, St. Anton. Zwischendrin hat er 1977 auch noch promoviert: „Kritik des frühen Kant an der Leibnitz’schen Ontologie und Theologie“ war sein sperriges Thema. Über Sinzing und Herz Marien, Regensburg, ist er schließlich 2006 wieder im Kasernenviertel angelandet.

Diskussionsfreudige Gemeinde

„Auf eigenen Wunsch bin ich aus Herz Marien weggegangen, weil das zu meinem beruflichen Konzept gehört“, erklärt er im Gespräch mit unserer Zeitung: „Ich wollte nach zehn Jahren wechseln, um nicht in den Alltagstrott zu verfallen.“ Außerdem sei es gut für jede Gemeinde, immer wieder ein neues Gesicht zu sehen. Überdies hatte er seine Zeit als Kaplan in der „recht diskussionsfreudigen Gemeinde“ St. Anton in bester Erinnerung. Und eine „sehr gute Jugendarbeit“ habe er damals auch übernehmen dürfen.

Allerdings hat sich die „Vorstellung von weniger Arbeit als in der großen Pfarrei Herz Marien“ für den damals 58-jährigen Hierl „sehr schnell als Irrtum herausgestellt“: Bauliche Probleme und das „religiöse Leben in der Gemeinde“ machten dem Pfarrer dann schnell zu schaffen. Hierl: „Die Bindung an die Kirche ist in den vergangenen 30 Jahren insgesamt spürbar zurück gegangen. Und mit den besonderen sozialen Strukturen im Kasernenviertel ist diese Situation hier noch schärfer ausgeprägt als das in anderen Pfarreien der Fall ist.“

Hierl bilanziert: Danach zählte die Pfarrei 1981 noch gut 8000 Mitglieder; 5400 waren es dann im Jahr 2006 und jetzt etwa 5100. Auch die Kirchenbesuche haben seinen Worten zufolge stark nachgelassen: Mit 33 Prozent durfte er als Kaplan rechnen. Zwölf Prozent waren es nur noch bei seinem Amtsantritt 2006. „Und jetzt sind es halt zehn“, seufzt der Pfarrer. „Waren Sie zu streng?“ will die MZ wissen. Und jetzt lacht der Hierl: „Wahrscheinlich!“

Mitnichten, beton Stephan Roggenbuck, Leiter der renommierten Theatergruppe St. Anton, auf Nachfrage. Er lobt die „offene und ehrliche Zusammenarbeit“ mit dem Pfarrer, „der sich immer um alle gekümmert hat“. Und Kirchenpfleger Helmut Schreib stößt ins selbe Horn. Auch in Sachen Neu- und Umbauten sei die Zusammenarbeit „immer hervorragend und sehr vertrauensvoll gewesen.“

Das war wohl auch nötig: Schon im Herbst 2006 wurde der Pfarrer mit der Entscheidung konfrontiert, ein neues Pfarrhaus samt Sakristei und Pfarrheim zu bauen (wir berichteten mehrfach). Hierl: „Das Projekt war schon sehr mühsam, hat sich beinahe fünf Jahre hingezogen und insgesamt über zwei Millionen Euro gekostet.“

Das alles hat Hierl stark gefordert. Enttäuschungen in dem Zusammenhang will er auch nicht verheimlichen: „Manche haben mir beim Neubau unterstellt, dass ich mich damit nur wichtig machen wolle. Dabei hätten sie mich doch aus meiner Zeit als Kaplan besser kennen können. Ich will ja als Seelsorger in Erinnerung bleiben und nicht als Baulöwe.“

Einladung zum Glauben

Für seine Gemeinde habe er sich „immer verantwortlich gefühlt als menschlicher und geistlicher Begleiter aber nicht als Chef“. Diese liberale Ausrichtung „als Einladung zum Glauben“ hätten allerdings nicht alle seiner Schäfchen goutiert. Dennoch ist Hierl überzeugt: „Es gibt und darf hier keinen Zwang geben, weil Christentum und Freiheit eng zusammengehören. Und dass die Kirche dies über Jahrhunderte hinweg anders gesehen und praktiziert hat, fällt uns heute noch auf die Füße.“

Bis zum 72. Lebensjahr hätte er „schon noch gerne gearbeitet“, betont der Geistliche: „Aber ich habe jetzt keine Kraft mehr, weil ich mich nie geschont habe.“ Trotzdem hat Hierl sein Leben als Geistlicher „nie bereut, obwohl ich mich oft geärgert habe, manchmal wöchentlich“.

Nach monatelanger Suche hat er für seinen Ruhestand in Wenzenbach eine Wohnung gefunden. Dorthin zieht er nach seiner Verabschiedung am Sonntag. Und aushelfen will er dort auch, „wenn ich gebraucht werde“.

Zweimal in St. Anton

  • Geboren

    am 26. März 1948 in Pettenreuth/Lkrs. Regensburg.

  • Ausbildung:

    Von 1959 bis 1968 Albertus-Magnus-Gymnasium in Regensburg; 1968 bis 1974 Studium der Philosophie und Theologie in Regensburg und Salzburg.

  • Priesterweihe

    1974 durch Bischof Rudolf Graber in Regensburg; 1977 Promotion.

  • Einsatzorte:

    1974 bis 1983 Kaplan in Beratzhausen und Regensburg, St. Anton; 1983 bis 1996 Pfarrer in Sinzing; 1996 bis 2006 Pfarrer in Herz Marien, Regensburg; 1. September 2006 bis 1. September 2018 Pfarrer in St. Anton. (er)

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