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Rauschgifthandel

Profi-Fußballer in Drogendeal verwickelt

Ein albanischer Profi-Fußballer träumte von einem besseren Leben in Regensburg und soll bei Drogendeals mitgeholfen haben.
Von Marion von Boeselager

Die Polizei lockte die Drogendealer in eine Falle. Foto: Frank Leonhardt/dpa
Die Polizei lockte die Drogendealer in eine Falle. Foto: Frank Leonhardt/dpa

Regensburg.Ein renommierter Profi-Fußballer (36) aus Albanien kam wegen eines Jobangebots als Trainer nach Regensburg und wurde unversehens zum Mittäter in Drogengeschäften. Am Dienstag musste sich der Familienvater wegen Beihilfe zum Rauschgifthandel in nicht geringer Menge vor dem Schöffengericht verantworten. Laut Anklage war er an einem geplatzten Deal von drei Kilo Kokain für 45 000 Euro beteiligt und half beim Verkauf von zehn Kilo Marihuana und 500 Gramm Heroin für 33 500 Euro mit. Unter Tränen gestand er die Taten. Die Aussicht auf ein besseres Leben in Deutschland, sagte er, habe ihn dazu gebracht, mitzumachen. „Das war mein Traum.“

Polizei hatte die Geschäfte angebahnt

Die beiden Drogengeschäfte in einem Lokal im Stadtosten, in dem vorwiegend Albaner verkehren, waren auf Initiative der Polizei angebahnt worden. Die Fahnder hatten kriminelle Machenschaften dort schon lange im Visier. Im November 2017 kam es unter Beobachtung der Kripo zu einem Scheingeschäft über drei Kilo Kokain. Auf Weisung eines Mannes, der inzwischen ebenfalls in U-Haft sitzt, soll der Angeklagte danach mit einem Mittäter in die Niederlande gefahren sein, um den Stoff zu begutachten und Details der Lieferung zu vereinbaren. Doch wegen einer Erkrankung des Kuriers kam das Geschäft nicht zustande.

Als Ersatz, so die Staatsanwaltschaft, wurden zwei Vertrauensleuten der Kripo Marihuana und Heroin für 35 500 Euro angeboten. Sie akzeptierten.

Nach der Rauschgiftübergabe klickten die Handschellen

Auch hier soll der ehemalige Profi-Fußballer involviert gewesen sein: Während zwei Mittäter das Rauschgift auf dem Parkplatz eines Industriebetriebs im Stadtosten an einen dritten V-Mann übergaben, soll er bei der Geldübergabe in einem Container bei dem Lokal dabei gewesen, er soll die Scheine gezählt und für seinen Chef und Mentor verwahrt haben. Danach klickten für ihn, den Strippenzieher und mehrere weitere Mittäter die Handschellen.

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Nach eineinhalbstündigem Rechtsgespräch hinter verschlossenen Türen und Diskussionen mit der verzweifelten Familie des Angeklagten kam auch im Gerichtssaal ein Deal zwischen den Prozessbeteiligten zustande: Das Gericht unter Vorsitz von Richter Dr. Wolfhard Meindl bot dem Angeklagten bei einem qualifizierten Geständnis eine Haftstrafe zwischen zweieinhalb und drei Jahren an. Der 36-Jährige akzeptierte, machte reinen Tisch und nannte auch die Namen seiner Mittäter.

„Handlangerdienste“ für den Mentor

Davor gab seine Verteidigerin eine Erklärung in seinem Namen ab. Der Angeklagte sei erst kurz vor dem Geschehen, im November 2017, mit einem Touristenvisum in die Bundesrepublik eingereist. Hintergrund war ein Jobangebot als Fußballtrainer. Auch eine Aufenthaltsgenehmigung wurde ihm in Aussicht gestellt. „Der Angeklagte wollte seine Familie nachholen, den Kindern eine bessere Ausbildung und eine bessere Zukunft ermöglichen.“ Aus Dankbarkeit leistete er deshalb für seinen Mentor „Handlangerdienste“. Der Familienvater habe bei seinem Chef gewohnt und für ihn kostenlos in seinen Lokalen gearbeitet. Auch als Mittäter in den Drogengeschäften sei er missbraucht worden. „Er wusste, dass es dabei um Drogen ging“. Und der Angeklagte ergänzte: „Ich habe aber nicht gewagt, nachzufragen.“ Er habe seine Aufenthaltsgenehmigung nicht gefährden wollen.

Der Prozess dauert an.

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