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Regensburg
Montag, 21. Mai 2018 25° 2

Aktion

Radfahrer fordern Sicherheit

Bei der Demonstration am Samstag pochen sie auf den Bau neuer Radwege. Die Innenstadt soll zur Tempo-30-Zone werden.
Von Leonie Düngefeld

Die Radfahrer machten ihrem Ärger bei einer Demonstration Luft. Foto: Düngefeld

Regensburg.„Ja, wir san mit’m Radl da“, singt ein Vater mit seinen Kindern. Das ist weder zu übersehen, noch zu überhören: Eine mehrere hundert Meter lange Kolonne aus Radfahrern bahnt sich am Samstag klingelnd ihren Weg durch die Altstadt. Unter dem Motto „I want to ride my bicycle“ sind junge und ältere Regensburger zur Fahrraddemo zusammengekommen. Das Bild, das sie zeichnen, ist fatal: Zwei schwere Unfälle in nur sechs Wochen, lückenhafte Radwege, die im Nirvana enden, Autofahrer, die die Vorfahrt nehmen, eine Landrätin, die sich nicht kümmert. „Mehr Platz und Sicherheit für Radfahrer“ fordert deshalb die Aktionsplattform Verkehrswende.

Vom Hauptbahnhof fahren die Demonstranten über den Dachauplatz, den Arnulfsplatz und am MZ-Gebäude vorbei einmal um die Altstadt und sorgen für viel Aufmerksamkeit: Fußgänger werden daran gehindert, die Straße zu überqueren und werden so zum Publikum, Autofahrer stehen im Stau und hören das laute Geklingel durch ihr Fenster, Kellner schmunzeln auf den Terrassen der Cafés. „Muss das jetzt so laut sein?“, beschwert sich einer lachend. Ja, es muss: „Wir sind viele Radfahrer in Regensburg und wir wollen, dass etwas für uns gemacht wird“, schallt es bei der Abschlusskundgebung über den Domplatz.

„Radfahren ist nicht gefährlich. Nur die Infrastruktur kann gefährlich sein, und das muss sich dringend verbessern“, erklärt Wolfgang Bogie vom Verkehrsclub Deutschland (VCD), einer der Organisatoren der Demonstration. Als Beispiel nennt er die Bajuwarenstraße im Süden der Stadt, die man neuerdings mit dem Rad befahren dürfe. Die Strecke sei viel zu unsicher, meint er: „Da fährt niemand!“ Die Radfahrer fühlen sich nicht für voll genommen: In den vergangenen 25 Jahren habe sich trotz vieler Versprechungen kaum etwas geändert, so Bogie. Lediglich als Anhängsel von Bauprojekten nähmen die Stadt und der Landkreis Geld für Radfahrer in die Hand. Aber Mittel allein für den Radverkehr – die gebe es nicht.

Permanente Angst vor den Autos

Über die touristischen Routen in Stadt und Landkreis könne man sich nicht beschweren, die seien sehr gut ausgebaut und würden gepflegt, meint Bogie. „Aber die Alltagsfahrer werden nicht beachtet.“ Zu ihnen gehört Milena, 23, Studentin an der OTH. „Es ist anstrengend, mit dem Rad durch die Stadt zu fahren“, erzählt sie, „Ich habe das Gefühl, dass ich schauen muss, die Autofahrer nicht zu behindern.“

Von gefährlichen Situationen an Ampelübergängen und Ausfahrten berichten die jungen Eltern Sandra und Niels Alter. „Gerade mit kleinen Kindern ist das sehr schwierig. Wenn man nicht ganz genau schaut, wird man von den Autofahrern nicht gesehen.“ Auch gebe es viele Bereiche in der Stadt, die für Radfahrer noch gar nicht erschlossen seien. Deshalb scheitere es oft einfach nur an den Möglichkeiten: „Die Stadt ist klein genug, dass die Entfernungen gut mit dem Rad zu fahren wären, selbst für Kinder.“

Bayran Güzel, 34, sitzt am Steuer seines Autos und freut sich über die Gruppe der Radfahrer, die an ihm vorbei an der Donau entlangfährt. Auch er würde lieber mit dem Rad durch die Innenstadt fahren, findet es mit kleinen Kindern jedoch zu gefährlich. „Ich hoffe, jetzt passiert mal etwas!“ Bogie und die anderen Demonstranten setzen sich dafür ein, dass genau solche Menschen sicher durch die Stadt an ihr Ziel kommen: „Radfahrer, die sich im Moment nicht trauen, weil ihnen die Wege zu unsicher sind“, so Bogie.

Eigene Grünphasen

Die Forderungen der Aktivisten sind zahlreich: Die Idee, kreuzungsfreie Schnellradwege entlang der Bahnlinien zu schaffen, die bereits seit 30 Jahren existiert, solle endlich umgesetzt werden. Mehr Platz auf den Radwegen wollen sie, genau wie Tempo 30 für Autofahrer in der Innenstadt. Der Vorschlag für gefährliche Kreuzungen: Eigene, unabhängige Grünphasen für Fußgänger und Radfahrer.

Theresa Eberlein von der Grünen Jugend fordert ein Bike-Sharing-Angebot für Regensburg. So könne man sich an bestimmten Stationen ein Rad leihen, das für die erste halbe Stunde kostenlos sei. Ein Winterdienst solle dafür sorgen, dass auch Radwege bei Schnee und Frost sicher sind. „Wir sind nicht weniger wert als Autofahrer“, so die junge Aktivistin. Kurz: Der Radverkehr soll endlich ernst genommen werden. Die Aktivisten der Aktionsplattform wollen ihre Forderungen nun bis zu den Kommunalwahlen 2020 bis in den Landkreis tragen.

Aktionsplattform

  • Anfang des Jahres

    entstand das Bündnis, die aus Verbänden, Parteien und Einzelpersonen besteht.

  • Mitglieder

    sind u.a. der Verkehrsclub Deutschland (VCD), der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC), Greenpeace, der Bund Naturschutz in Bayern sowie die Parteien ÖDP, Die Linke und Bündnis 90/ Die Grünen.

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