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Polizei

Radunfall: Kritik kocht hoch

Schon wieder wurde im Norden Regensburgs ein Zweiradfahrer verletzt. Fahrrad-Aktivisten klagen über gefährliche Kreuzungen.
Von Julia Ried

Die Polizei musste die Vilsstraße mehrere Stunden komplett absperren. Foto: Tino Lex
Die Polizei musste die Vilsstraße mehrere Stunden komplett absperren. Foto: Tino Lex

Regensburg.Im Stadtnorden ist es erneut zu einem schweren Fahrradunfall gekommen. Gegen 11.30 Uhr am Mittwoch erfasste ein Lkw in der Nähe des Gewerbeparks, beim Rechtsabbiegen von der Donaustaufer Straße in die Vilsstraße, einen 77 Jahre alten Radfahrer. Bei dem Zusammenstoß wurde der Mann schwer verletzt, er musste in ein Regensburger Krankenhaus eingeliefert werden. In den vergangenen Monaten hatten im Stadtnorden drei schwere Unfälle mit Fahrradfahrern Schlagzeilen gemacht. Zwei davon passierten, als Lastwagen nach rechts abbogen. Fahrrad-Aktivisten sagen: Kreuzungen wie diese sind riskant für Fahrradfahrer und fordern eine Entschärfung von Gefahrenstellen.

Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei fuhr der Radfahrer auf dem Radweg der Donaustaufer Straße in Richtung Schwabelweis. Während er an der Kreuzung Donaustaufer Straße/Vilsstraße/Lechstraße die Vilsstraße geradeaus überqueren wollte, bog ein in gleicher Richtung fahrender Lastwagen nach rechts in diese Straße ein und es kam zum Zusammenstoß. Näheres über die Art der Verletzungen und zum Zustand des Radfahrers war am Mittwoch bis Redaktionsschluss noch nicht bekannt.

„Gleiches Kreuzungsdesign“

Der Radfahrer wurde von einem Lkw erfasst. Foto: Tino Lex
Der Radfahrer wurde von einem Lkw erfasst. Foto: Tino Lex

Dr. Klaus Wörle, Vorsitzender des Kreisverbands des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs, wundert es nicht, dass es dort zu einem solchen Unfall kam. „Das ist das gleiche Kreuzungsdesign wie an der Dez-Kreuzung.“ Im November hatte dort, an der Kreuzung Nordgaustraße/Walhallastraße, ein rechtsabbiegender Sattelzug einen Radler erfasst. Der 37-jährige Mann starb. Sechs Wochen vorher war ein Betonmischer beim Rechtsabbiegen in die Frankenstraße mit einem Radanhänger zusammengestoßen, in dem sich ein einjähriges Kind befand. Es wurde schwer verletzt. Sowohl Wörle als auch der Landesverband Bayerischer Transport- und Logistikunternehmen hatten nach diesen Unfällen die flächendeckende Einführung von Lkw-Abbiegeassistenten gefordert.

Parallel-Grün ist gefährlich

Schon damals setzte sich Wörle auch für ein anderes „Kreuzungsdesign“ ein. Der Krümmungsradius sei an Kreuzungen wie am aktuellen Unfallort extrem groß. Engere Radien würden Auto- und Lkw-Fahrer dazu zwingen, langsamer abzubiegen. Das Problem werde dadurch verschärft, dass die allermeisten Lkw-Kabinen durch ihre Höhe keine Sicht auf Radfahrer oder Fußgänger im Umfeld erlaubten. „Ein Lkw-Fahrer hat da keine Chance, etwas zu sehen.“ Riskant sind Wörle zufolge auch parallele Grünphasen. In manch anderem Land sei es nicht zulässig, dass zwei Verkehrsströme, die sich in die Quere kommen könnten, gleichzeitig grünes Licht haben. Er sagt deshalb: „Eine Sofortmaßnahme wäre die Überprüfung der Signalphasen.“ Auch nach den deutschen Richtlinien für Ampelanlagen sei es möglich, an Gefahrenstellen auf das Parallel-Grün für Geradeausfahrer und Rechtsabbieger zu verzichten.

Der Verkehr rund um die Unfallstelle war stark beeinträchtigt, die Vilsstraße musste komplett gesperrt werden. Foto: Tino Lex
Der Verkehr rund um die Unfallstelle war stark beeinträchtigt, die Vilsstraße musste komplett gesperrt werden. Foto: Tino Lex

Unabhängig von dem Unfall setzt sich derzeit auch Greenpeace Regensburg für mehr Sicherheit für Fahrradfahrer in der Stadt ein. In der Ankündigung einer „Fahrraddemo“ am 16. Juni am Bismarckplatz fordert die Gruppe unter anderem den „Ausbau des Radwegenetzes, so dass die Sicherheit des Radfahrers im Straßenverkehr gewährleistet ist“ sowie „übersichtlich und klar geregelte Kreuzungen mit fahrradfreundlich angepassten Ampelschaltungen“.

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Fahrradunfälle in Regensburg gestiegen. So verzeichnete die Polizei 2017 341 Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern, 23,6 Prozent mehr als zehn Jahre vorher. Insgesamt registrierte sie 5927 Unfälle, 30,5 Prozent mehr als 2007. Grund dafür ist der Polizei zufolge das steigende Verkehrsaufkommen. Ihr Appell in ihrem aktuellen Lagebild lautet: „Radfahrer sollten sich nicht auf ihre Vorfahrt verlassen, sondern an Kreuzungen und Einmündungen den Blickkontakt zu abbiegenden Fahrzeugführern suchen.“ Besondere Vorsicht sei bei abbiegenden Lkw geboten. „Der Radfahrer im toten Winkel ist für den Lkw-Fahrer nicht erkennbar“, warnt auch die Polizei.

Die Polizei musste die Vilsstraße mehrere Stunden komplett absperren. Foto: Tino Lex
Die Polizei musste die Vilsstraße mehrere Stunden komplett absperren. Foto: Tino Lex

Zur Klärung des genauen Hergangs des Zusammenstoßes an der Kreuzung Donaustaufer Straße/Vilsstraße/Lechstraße hat die Polizei einen Gutachter hinzugezogen. Der Unfall zog große Verkehrsbehinderungen nach sich. Die Vilsstraße mussten komplett gesperrt werden. Erst um 15.10 Uhr war die Kreuzung wieder frei befahrbar. Die Polizeiinspektion Regensburg-Nord bittet Zeugen des Unfalls, sich unter der Telefonnummer (09 41) 5 06 22 21 zu melden oder bei jeder anderen Polizeidienststelle.

Erst am 22. Mai war in der Nähe ein schwerer Fahrradunfall passiert. Auch damals erlitt ein Radfahrer schwere Verletzungen. Der 49-Jährige war auf der Vilsstraße unterwegs gewesen und wollte die Walhalla-Allee überqueren. Dabei wurde er nach Mitteilung der Polizei vom Auto einer 63-jährigen Frau erfasst.

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