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Regensburg
Mittwoch, 23. Mai 2018 26° 8

Bildung

Regensburg braucht neue Schulen

Die Schülerzahlen steigen. Eltern wollen Ganztagsbetreuung und das G9 kehrt zurück. Container sind als Notlösung im Einsatz.
Von Julia Ried

Auf dem Gelände des alten Jahnstadions entsteht die neue Kreuzschule. Foto: Lex

Regensburg.Mit ihren Klassenzimmern kommt Cäcilia Mischko, Rektorin der Grundschule Burgweinting, nur aus, weil ihr die Stadt ein Provisorium auf das Schulgelände stellte. „Wir haben ja seit diesem Schuljahr zwei Container-Klassenzimmer.“ Was die Ganztagsbetreuung angeht, so herrscht allerdings akute Platznot. Für die Mittagsbetreuung, die in Burgweinting in ihrer verlängerten Form den Nachmittag bis 17 Uhr abdeckt, gelte: „Kinder aus der dritten und vierten Jahrgangsstufe können wir eigentlich schon gar nicht mehr nehmen. Wir hätten eine dritte, vierte Gruppe bilden können, aber wir haben keinen Platz.“

Viele Lehrer und Schüler und damit auch Eltern leiden unter dem Platzmangel an Regensburger Schulen. Wie sehr, davon zeichnet der neue und erste Schulentwicklungsplan der Stadt ein deutliches Bild. In Anbetracht der deutlich steigenden Geburtenzahlen, einem weiter sehr hohem Zuzug, dem ausgedehnten Wohnungsbauprogramm und starkem wirtschaftlichem Wachstum in der Region müssten die Schülerprognosen überarbeitet werden, steht darin. Die jüngsten Daten stammen aus dem Jahr 2014. „Zu diesem Zeitpunkt war der sprunghafte Anstieg der Schülerzahlen, insbesondere durch die Flüchtlingsbewegung, noch nicht absehbar“, heißt es aus dem Bildungsreferat.

11,4 Prozent mehr Grundschüler

Jetzt sei klar: Dem Bayerischen Landesamt für Statistik zufolge wird die Zahl der Sechs- bis unter Zehnjährigen bis 2035 um 11,4 Prozent zunehmen, die der Zehn- bis unter 16-Jährigen um 17 Prozent. „Flächen zur Erweiterung der jeweiligen Grund- und Mittelschulen und für zusätzliche neue Standorte müssen zwingend bereitgestellt werden“, steht im Schulentwicklungsplan, für den das Bildungsreferat den Stadtrat diese Woche um seine Zustimmung bittet. Das gelte insbesondere dort, wo neue Wohnungen entstehen, aber auch andernorts, da der Bedarf nach Ganztagsbetreuung wächst – in fast allen Schulsprengeln sei die Nachfrage höher als das Angebot, bestätigt Bildungsreferent Dr. Hermann Hage. Kürzlich war die Einschreibung für die Horte – sie sind besonders gefragt. „Ganz große Panik“ von Eltern erlebten Hage und seine Mitarbeiter, wenn Mütter feststellten, dass nach dem Kindergarten die Ganztagsbetreuung ihres Kindes nicht mehr gesichert ist. Das Bildungsreferat schlägt deshalb vor: „Im Grund-, Mittel- und Förderschulbereich sind Ganztagsformen und Horte intensiv auszubauen.“

Das Gymnasium wurde bis 2010 neu gebaut – zu G8-Zeiten. Die Stadt will es nun erweitern. Foto: Lex

Das aber wird dauern. „Die Stadt Regensburg strebt an, dass bis in spätestens zehn Jahren für 70 bis 75 Prozent der Schülerinnen und Schüler in den Klassen eins bis vier ein Ganztagsschulplatz oder ein Ganztagsbetreuungsangebot zur Verfügung steht“, heißt es im Schulentwicklungsplan. Dass das nicht schneller gehe, sei nicht nur eine Platz-, sondern auch eine Personalfrage.

Die Pestalozzi-Grundschule zog 2016 in das alte Fos-Gebäude um. Trotzdem sind Container nötig. Foto: Lex

Die Stadt will in den Jahren 2017 bis 2021 117,7 Millionen Euro in die Schulen investieren. Der Neubau der Kreuzschule, die in der Altstadt wegen Platzmangels keine Ganztagsbeschulung anbietet, auf dem Gelände des ehemaligen Jahnstadions läuft. „Oberste Priorität“ hätten unter anderem der Neubau einer weiteren Grund- und einer weiteren Mittelschule im Stadtsüden sowie der Neubau des Schulzentrums am Sallerner Berg. Die Konrad-Grundschule im Stadtnorden soll einen Erweiterungsbau bekommen oder, falls die Flächen dafür fehlen, an einem anderen Standort neu errichtet werden. Außerdem müsse ein Ausweichschulgebäude zur Auslagerung bei Sanierungen gebaut werden.

Container an mehreren Schulen

Die Realschule am Judenstein braucht diesen Erweiterungsbau. Sie soll in Zukunft auch die alte Grundschule nutzen. Foto: Ried

Aber auch an anderen Schularten gibt es Engpässe. Klassenzimmer-Module stehen nicht nur auf dem Gelände der Grundschulen Burgweinting, Schwabelweis, Prüfening und Pestalozzi, sondern auch in der Nachbarschaft der Realschule am Judenstein – im Garten des ehemaligen Seniorenstifts St. Michael. „Das Erweiterungsgebäude war auch dringend notwendig, weil wir vorher aus allen Nähten geplatzt sind“, erklärt Konrektor Erich Bauer.

Eine neue Baustelle gibt es an den Gymnasien. Das G9, das ab kommendem Schuljahr wieder eingeführt wird, bringt zusätzlichen Raumbedarf mit sich – schließlich soll der Unterricht hauptsächlich am Vormittag stattfinden, wodurch parallel mehr Klassenzimmer und Fachräume benötigt werden. Bildungsreferent Hage klagt allerdings: „Das Ministerium hat zur Ausgestaltung des G9 immer noch keine detaillierten Angaben gemacht.“

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