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Regensburg
Mittwoch, 25. April 2018 22° 3

Wirtschaft

Regensburg: Dem Verkehrsinfarkt nahe

Der A3-Ausbau hat kaum begonnen, da häufen sich katastrophale Staus. Die Kritik aus der Wirtschaft wird immer lauter.
Von Julia Ried

Auf der Frankenstraße geht es im Berufsverkehr oft nur langsam voran.Foto: Lex

Regensburg.Eigentlich wollte der Regensburger nur mal eben einen Freund besuchen. Doch die geplante 15-minütige Autofahrt vom Galgenberg in die Konradsiedlung am Donnerstagnachmittag wurde zur „Tour de Stau“. Der 42-Jährige kam eine Stunde zu spät zu seinem Kumpel, nachdem er zweimal mit seinem Auto mehr stand, als dass er es bewegte: auf der Landshuter Straße, vor der Auffahrt auf den Odessa-Ring, der gerade eine breitere Linksabbiegespur bekommt. Und auf dem Odessa-Ring selbst.

Sein Erlebnis ist kein Einzelfall. Die Verkehrsteilnehmer stehen in Regensburg immer häufiger und länger im Stau, heißt es aus der Wirtschaft. Lothar Ammelounx, Geschäftsführer des Flughafentransfer- Unternehmens Airportliner, dessen Fahrer 400-mal am Tag durch Regensburg fahren, sagt: „Früher waren die Stauzeiten immer sehr kurz. Mittlerweile haben die sich ausgedehnt.“ Sei es früher morgens um 7.45 Uhr kritisch geworden, könne man heute um sieben Uhr schon Pech haben. „Und um acht Uhr ist es noch lange nicht vorüber.“

Dr. Martin Kammerer, Geschäftsführer des IHK-Gremiums der Industrie- und Handelskammer Regensburg, hat festgestellt: Seit Beginn des A3-Ausbaus und der flankierenden Baumaßnahmen werde es häufiger kritisch – besonders vor Feiertagen wie zu Beginn des Osterwochenendes, wo zusätzliche Urlaubskolonnen auf den Autobahnen A3 und A93 unterwegs sind. Was in Regensburg schon seit Jahren gilt, macht sich nun verstärkt bemerkbar: „Wenn eine Autobahn voll ist, staut sich das auf ganz Regensburg zurück“, so beschreibt Peter Graf aus dem Vorstand der Taxi-Genossenschaft, was seine Fahrer erleben. „Die Fahrzeuge brauchen natürlich länger von A nach B. Der Kunde ist nicht befriedigt.“ Er gelange nicht nur langsamer zum Ziel, sondern müsse auch noch mehr zahlen für die Zeit im Taxi.

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Als „angespannt“ bezeichnet Hermann Hirsch, Verkehrssachbearbeiter in der Polizeiinspektion Regensburg-Süd, die aktuelle Lage. Zwei Gründe nennt er: Der Verkehr habe in den letzten Jahren spürbar zugenommen. Dazu machten sich die Baustellen an Hauptverkehrsachsen bemerkbar.

Auf unserer Spezial-Seite zum A3 Ausbau halten wir Sie auf dem Laufenden. Außerdem finden Sie dort einen Stauticker für Regensburg und Umgebung!

Klage über Parallel-Baustellen

Lothar Ammelounx ist Geschäftsführer des Airportliners. Foto: Ammelounx/Airportliner

Einige machen eine unzureichende Verkehrsplanung für die Situation verantwortlich. Der 42-Jährige, der auf seiner privaten Fahrt im Stau stand, sagt in Bezug auf die Baustelle am Odessa-Ring: „Dass das nicht vorab gemacht wurde, verstehe ich nicht.“ IHK-Sprecher Dr. Christian Götz ist bezüglich der Arbeiten an Hauptverkehrsadern in der Stadt der Meinung: „Klar hätte man das früher machen können und früher machen sollen.“ Gleichzeitig betont er, die IHK sei froh, „dass es jetzt losgeht und dass es den Versuch gibt, das Ganze koordiniert abzuwickeln“.

Airportliner-Chef Ammelounx kritisiert Politik und Behörden scharf: „Zu viele Baustellen gleichzeitig und kaum fühlbarer Fortgang“ sind für ihn die Ursache für die derzeitige Situation. Er fragt sich: „Muss man denn wirklich an allen Ecken große Baustellen eröffnen und dann Baufirmen beschäftigten, die sagen, ,wir haben keine Leute‘?“ Sein Eindruck ist: Teilweise werde bei bester Witterung nicht gearbeitet, beginne das Wochenende für die Arbeiter schon freitags um elf Uhr. So dehnten sich die Bauzeiten aus. Er fordert: Die für die Verkehrsplanung Verantwortlichen müssten massive Anreize für eine schnelle Erledigung schaffen.

Stadt: A3-Ausbau beginnt erst

Stadtsprecherin Dagmar Obermeier-Kundel kontert die Vorwürfe mit dem Argument, der Autobahnausbau beginne erst Mitte April. Dann kommt es zwar zur ersten Vollsperrung, allerdings laufen schon Arbeiten auf der Bahnbrücke Burgweinting und drei Brücken über die A3. Obermeier-Kundel allerdings sagt zum Thema Odessa-Ring: Diese Baustelle sei am 8. April abgeschlossen. „Von einer Parallelität mit dem Autobahnausbau kann also keine Rede sein.“ Auch was die Bohrungen auf der Frankenbrücke vor den Osterferien angehe, sei die „Parallelität bewusst vermieden“ worden.

Von der IHK heißt es: Unternehmer empfänden die Lage auf den Straßen als immer bedrohlicher. „In den Gesprächen mit Unternehmen erleben wir die Sorge, dass die Verkehrssituation im Großraum Regensburg ein zunehmendes Risiko für die Produktion und eine erhebliche Erschwernis für Mitarbeiter und Kunden darstellt“, sagt Kammerer. In der aktuellen Konjunkturumfrage hätten Unternehmer auch außerhalb der Region den Ausbau der A3 als wirtschaftliches Risiko eingestuft.

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Das rät die Polizei

  • Ausweichen:

    Verkehrssachbearbeiter Hermann Hirsch sagt: Zu „Verkehrsstörungen“ kommt es vor allem im Berufsverkehr zwischen 6.30 Uhr und 9.30 Uhr und 15.30 Uhr und 18.30 Uhr. Wem es möglich ist, der sollte diesen meiden.

  • Umsteigen:

    Hirsch rät auch dazu, soweit möglich öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. „Bei besserer Witterung und nicht zu weiten Zielen ist auch das Fahrrad eine gute Alternative.“ Eine weitere Möglichkeit sei die Bildung von Fahrgemeinschaften.

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