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Regensburg
Donnerstag, 16. August 2018 30° 1

Statistik

Regensburg hat ein Drogenproblem

Zwölf Tote und sechs Prozent mehr Delikte – die Polizei ist unzufrieden mit der Betäubungsmittelkriminalität in der Stadt.
Von Heike Haala

Cannabis ist eine der Drogensorten, die in Regensburg besonders oft im Umlauf sind. Foto: David Ebener/dpa
Cannabis ist eine der Drogensorten, die in Regensburg besonders oft im Umlauf sind. Foto: David Ebener/dpa

Regensburg.Regensburg bleibt eine Drogendrehscheibe. Auch das ist ein Ergebnis des Sicherheitsberichts der Polizei für das Stadtgebiet. Demnach gab es im vergangenen Jahr 866 Fälle von Betäubungsmittelkriminalität, was einem Anstieg um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Weiterhin starben im vergangenen Jahr zwölf Menschen an ihrer Sucht. 2016 lag diese Zahl bei 14. „Regensburg hat nach wie vor ein Drogenproblem“, sagte Thomas Schöniger, Polizeivizepräsident in der Oberpfalz, deswegen am Donnerstag im Neuen Rathaus.

„Regensburg hat nach wie vor ein Drogenproblem.“

Thomas Schöniger, Polizeivizepräsident in der Oberpfalz

Er war zusammen mit Gerhard Roider, Leiter der Polizeiinspektion (PI) Süd, und Ludwig Stegerer, Leiter der PI Nord, zur Sitzung des Verwaltungsausschusses gekommen, um den Mitgliedern den Verkehrslagebericht und den Sicherheitsbericht für die Stadt zum vergangenen Jahr vorzustellen. In einer Woche wird die Polizei den Sicherheitsbericht offiziell und im Detail veröffentlichen. Der Verkehrslagebericht wurde bereits veröffentlicht.

Hier sehen Sie die Grafik zu den Gesamtstraftaten

Insgesamt ein leichter Rückgang

Die 866 Fälle von Betäubungsmittelkriminalität in Regensburg sind für Schöniger Erfolg und Grund zur Unzufriedenheit zugleich. Die Polizei hat die Drogenkontrollen erhöht, weil diese Art von Kriminalität nur so ans Tageslicht kommt, sagte der Polizeivize. Das heißt: Weil die Polizei mehr kontrolliert, gehen ihr auch mehr Fische ins Netz. Nichts desto trotz ist diese Zahl eben auch ein Höchststand und Schöniger deswegen unzufrieden. „Die Polizei wird der Sache weiter entgegentreten“, kündigte er an.

Hier sehen Sie eine Grafik zur Deliktsverteilung

Insgesamt reduzierte sich die Zahl der Straftaten ohne die gegen das Aufenthaltsrecht im vergangenen Jahr leicht auf 12 808 Fälle, was einem Rückgang um 0,8 Prozent im Vergleich zu 2016 entspricht. Im Innenstadtbereich, zu dem laut Schöniger die östliche und die westliche Altstadt sowie das Zentrum und der Bahnhofsbereich gehören, gingen sie um 2,7 Prozent von 2719 Fällen in 2016 auf 2644 Fälle in 2017 zurück. Dennoch werden weiterhin ein Fünftel aller Straftaten im Innenstadtbereich begangen.

Das ist die Statistik für den Landkreis

Ein weiteres großes Thema des Sicherheitsberichts sind für Schöniger die Diebstähle. Sie machen weiterhin einen großen Anteil der Delikte aus, wegen derer die Polizei in Regensburg ermittelt: 41,7 Prozent. Regensburg liegt damit über dem Normalwert, den Schöniger mit 33,3 Prozent bezifferte. Insgesamt ging die Zahl der Diebstähle aber um 0,9 Prozent zurück. Sie lag im Jahr 2017 bei 5334 (2016: 5385). 475 Fälle davon waren Autoaufbrüche, weswegen Schöniger während seines Vortrags auch zu einem dringenden Appell an alle Regensburger ansetzte. Er bittet inständig darum, keine Tatanreize zu schaffen. Oft komme es zu den Aufbrüchen, weil die Fahrer oder andere Insassen ihre Wertsachen offen einsehbar im Fahrzeug liegenlassen.

Der Sicherheitsbericht für Regensburg

  • 12 808 Straftaten:

    In Regensburg gab es 2017 im Vergleich zum Vorjahr 0,8 Prozent weniger Straftaten.

  • Aufklärungsquote:

    Sie ist im Vergleich zum Vorjahr von 59,5 Prozent auf 61,4 Prozent gestiegen. (Fotos: dpa)

  • Häufigkeitszahl:

    In 4040 Fällen hatte die Polizei pro 100 000 Einwohner zu ermitteln. Der Wert sank.

Schöniger hatte aber auch gute Nachrichten zu verkünden: So ging die Zahl der Wohnungseinbruchsdiebstähle im Jahr 2017 um 36,1 Prozent von 166 auf 106 zurück. Zudem blieb es oft beim Versuch: in 55,7 Prozent der Fälle. Das heißt, die Täter machten sich zwar an einem Fenster oder einer Tür zu schaffen, gelangten aber nicht in die Wohnung und flohen. Auch an diesem Punkt bat Schöniger die Regensburger darum, Einbrechern keine Gelegenheiten zu bieten und in Sicherheitsanlagen in den eigenen vier Wänden zu investieren. Wertvolle Dinge sollen sie in einem Tresor bei der Bank aufbewahren.

Weniger Fahrraddiebstähle

Ein Minus von 20,9 Prozent gab es im Jahr 2017 bei den Fahrraddiebstählen. Mit 907 Fällen liegt diese Zahl erstmals wieder unter 1000. Zum Vergleich: Den letzten Höchststand gab es im Jahr 2015 mit 1458 Fällen.

Lesen Sie hier einen Bericht über den Sicherheitsbericht der Polizei für die gesamte Oberpfalz

Im Anschluss an Schönigers Vortrag entspann sich die Debatte der Ausschussmitglieder auch an dem Thema Videoüberwachung. Schöniger stellte klar, dass er zwar die Technik der Kameras im Bereich des Bahnhofs auf den neusten Stand bringen möchte. Eine flächendeckende Videoüberwachung für den gesamten Altstadtbereich aber will die Polizei nicht. „Die gesamte Bevölkerung in so ein Licht zu rücken, dafür gibt es keinen Grund“, sagte er. Auf Nachfrage von Dagmar Schmidl (CSU) bezog auch Stegerer von der PI Nord deutlich Stellung. Videoüberwachung auf der Dult sei schon wegen der gesetzlichen Hürden nicht möglich. „Die Dult ist kein Brennpunkt, die Entwicklung der Deliktszahlen auf ihr ist positiv“, sagte Stegerer. Ob Gewalt oder Diebstahl – die Zahlen auf den Volksfesten im Jahr 2017 waren niedriger als früher.

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