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Regensburg
Montag, 25. Juni 2018 20° 3

Protest

Regensburgs „grüne Lunge“ soll bleiben

Die Freunde der Altstadt stellen sich gegen ein RKK auf dem Kepler-Gelände. Eine Studie der Stadt zerlegen sie gekonnt.
Von Leonie Düngefeld

Regensburg.Der Teelöffel, mit dem zur Ruhe geklingelt wird, ist zu leise. Zu viele Menschen sind gekommen, zu empört sind sie. 240 Gäste haben im Kleinen Saal des Kolpinghauses Platz, heute sind wahrscheinlich mehr da. Dicht an dicht sitzen sie an den Tischen, einige auf den Fensterbänken. Ein Gast bestellt sich noch schnell eine Traubenschorle, dann wird es allmählich doch ruhig. Prof. Dr. Peter Morsbach muss nicht lang erklären, worum es geht: Ein neues Regensburger Kultur- und Kongresszentrum (RKK) sowie ein Zentraler Omnibusbahnhof (ZOB) sollen auf dem Kepler-Areal entstehen. Dafür sollen 150 Bäume gefällt und eine hohe Summe an Steuergeldern verbraucht werden. „Ein Kahlschlag soll hier vorgenommen werden, und das lässt bei uns natürlich die Alarmglocken schrillen.“

„Es gibt keine Stadt in Deutschland von der Größe Regensburgs, die zwei Kongresszentren hat.“

Prof. Dr. Achim Hubel

Eine lange Historie

Morsbach ist Vorsitzender des Vereins Freunde der Altstadt Regensburg, der die Bürgerinitiative „Kein RKK“ mit dieser Veranstaltung unterstützt. Heute leitet er den Abend mit der Geschichte des Kepler-Areals ein. Als dieses wird die Fläche zwischen Ernst-Reuter-Platz und Bahnhof und zwischen der D. Martin-Luther-Straße und der Maximilianstraße bezeichnet. Seine Geschichte reicht weit in die römische Zeit zurück, erklärt Morsbach, und war bis in die 1930er Jahre von seiner Friedhofsfunktion geprägt. 1969 wurden dann durch den Architekten Wirsing auf dem nördlichen Teil das Lutherhaus und das Keplerhaus als Studentenwohnheime erbaut.

„Dass es hier zusätzlichen Bedarf gibt, sehe ich beim besten Willen nicht.“ Dr. Johannes Ludsteck

Kein Bedarf erkennbar

Eine Kellnerin serviert die Traubenschorle. Neben dem Bierdeckel liegt eine Broschüre der Bürgerinitiative, welche die Empörung der Gäste erklärt: Ein RKK auf dem Kepler-Areal würde Verkehrschaos in der Innenstadt, den Verlust der „grünen Lunge“ Regensburgs, des Alleengürtels und fehlendes Geld für andere wichtige Vorhaben bedeuten. Dass es in Regensburg bereits genügend Raum für Kultur und Kongresse gibt, möchte Prof. Dr. Achim Hubel beweisen und präsentiert die diversen Veranstaltungsräumlichkeiten in der Stadt: Die Donau-Arena mit Platz für bis zu 9000 Personen, das Audimax der Universität mit 1500 Sitzplätzen, das Museum für Bayerische Geschichte, das bald eröffnet wird, das Velodrom. Ein „kleines RKK“ habe die Stadt bereits, zeigt Hubel: das moderne Marinaforum mit Platz bis zu 750 Personen. 90 Prozent aller geplanten Veranstaltungen von Regensburger Unternehmen, die in einer Machbarkeitsstudie ermittelt wurden, hätten hier Platz.

Eine Woche lang hat sich die Lokalredaktion Regensburg mit allen Aspekten des RKK beschäftigt. Alle Teile unserer Serie finden Sie in unserem MZ-Spezial!

Die Studie hatte die Stadt von der Unternehmensberatung ghh consult durchführen lassen. Ihr Ergebnis: Regensburg brauche ein RKK. Volkswirtschaftler Dr. Johannes Ludsteck entlarvt die Studie als „moderne Promotion im wissenschaftlichen Mäntelchen“: Für die Bedarfsanalyse seien 200 Unternehmen befragt worden, lediglich 25 hätten verwertbare Angaben gemacht. Auch bei den Kosten habe die ghh consult sich sehr verschätzt: Abrisskosten, die geplante Parkgarage und die für öffentliche Bauvorhaben normale Kostensteigerung wurden nicht einberechnet. „Es wurden einfach sehr fleißig Argumente für ein RKK gesammelt, bei den Problemen und Risiken wurde systematisch weggeschaut.“

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