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Regensburg
Sonntag, 19. August 2018 31° 3

Feiern

Regensburgs Krux mit den Freiluftfeten

Laue Abende locken die Massen zum Feiern nach draußen. Einige Rücksichtslose aber sorgen mit Lärm und Müll für Katerstimmung.
Von Heike Haala

Samstagabend auf dem Bismarckplatz: Hier treffen sich jeden Abend viele Menschen. Das kann schon einmal laut werden. Fotos: Lex
Samstagabend auf dem Bismarckplatz: Hier treffen sich jeden Abend viele Menschen. Das kann schon einmal laut werden. Fotos: Lex

Regensburg.Seit Wochen wird Regensburg mit sonnigem Wetter verwöhnt. Das Wetter lockt Tausende ins Freie. Die Regensburger drängeln sich bis tief in die Nacht auf der Jahninsel, entlang des Donauufers oder auf dem Bismarckplatz, um den Frühling und den nahenden Sommer zu feiern. Damit kehren aber auch die bekannten Begleiterscheinungen dieser Freiluftpartys in die Stadt zurück: Einige rücksichtslose Feierbiester sorgen mit einem exorbitanten Geräuschpegel und ihren Hinterlassenschaften für Ärger – und das schon Ende April.

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Feiern auf der Jahninsel und am Donauufer

Am Samstagmittag war die Jahninsel übersät mit Pizzakartons, Einweggrills, Bratwürsten, Steaks, Grillsoßen und Tetrapacks sowie teils zerbrochene, teils ganzen Glasflaschen. Für die Enten war das ein gigantisches Restefest: Eine kroch in eine Chipstüte, eine andere schlang eine Nürnberger Bratwurst hinunter. Zwei Elternpaare und ihre Kinder aber begannen schließlich, einige der Partyreste einzusammeln, um sich ein schattiges Plätzchen an der Donau freizuräumen. „Wir haben jetzt eine Viertelstunde nach einem Platz gesucht, aber der Müll liegt überall“, sagt ein Vater. Auf seine Kinder werde er jetzt besonders aufpassen – der Scherben wegen.

Scherbenwiese Jahninsel

Wer am Samstag auf die Jahninsel wollte, musste nach lauschigen Plätzen suchen. Die Enten schlangen alte Chips und Bratwürste hinunter. Foto: Haala
Wer am Samstag auf die Jahninsel wollte, musste nach lauschigen Plätzen suchen. Die Enten schlangen alte Chips und Bratwürste hinunter. Foto: Haala

Damit ist er nicht der Einzige: Auch Bernhard Wiesbeck, der Wirt in der Alten Linde, sagt: „Mit dem Hund gehe ich da nicht mehr spazieren. Das ist eine einzige Scherbenwiese.“ Er wundert sich: Denn immer wieder sieht er auch Verpackungen von Bio-Drinks oder Bio-Snacks dort liegen. „Das widerspricht sich doch“, sagt er – immerhin würden diese Verpackungen auch zeigen, dass die Einkäufer grundsätzlich über die Umweltverschmutzung nachdenken. Was den Wirt richtig ärgert, sind die Stippvisiten vieler Jahninselgäste auf seinen Toiletten. Regelmäßig sind sie verstopft oder verdreckt, weil sie eben lediglich für Biergartenbesucher gedacht sind und nicht für Menschenmassen.

Eine Bildergalerie von dem Wochenende sehen Sie hier:

So feiern die Regensburger unter freiem Himmel

Was Wiesbeck und den Picknickern vom Samstag der Müll, ist Regens Martin Priller vom Priesterseminar am Bismarckplatz der Lärm. Die Mittelbayerische hat nachgefragt, wie er die Feten auf der anderen Straßenseite empfindet. Ihn stören vor allem diejenigen Feierbiester, die auf dem Heimweg, weit in der zweiten Nachthälfte, noch einmal richtig aufdrehen: „Sie brüllen, streiten und zerschlagen Flaschen. Das ist so sinnlos“, sagt er. Was Priller wundert: Er selbst muss seinen Biergartenbesuch wegen der Lärmschutzverordnung um 23 Uhr beenden. Der Lärmpegel bei ihm zu Hause am Bismarckplatz störe den Gesetzgeber aber nicht. „Das ist nicht stimmig“, sagt er.

Sowohl Regens Priller als auch Wiesbeck von der Alten Linde betonen, generell nichts gegen die Feiernden zu haben. Wiesbeck: „Es ist schön, dass es so ein Freizeitgelände wie die Jahninsel gibt.“ Priller: „Die erste Nachthälfte ist in Ordnung.“ Lediglich ein paar Zimmer von Studenten haben ein Fenster zum Bismarckplatz und die kämen mit dem „Hintergrundgeräusch“ zurecht. „Manchmal sitzen sie auch selbst dort“, sagt Priller.

Jedoch haben beide auch Wünsche: Wiesbeck glaubt, dass mehr Mülleimer auf der Jahninsel und beleuchtete Toilettenhäuschen Abhilfe schaffen könnten. Der Regens hätte es gerne, dass Regensburg seine Kneipendichte nicht so stark propagiert. Das könne ein entsprechendes Publikum auch erst anlocken. Zudem hat er den Eindruck, dass ein paar Wirte auch weiterhin ohnehin schon stark alkoholisierte Menschen zusätzlich abfüllen.

Leere Eimer und der Müll anbei

Donauufer: Der Müll türmt sich.
Donauufer: Der Müll türmt sich.

Die Stadt aber wird bei ihrer Strategie bleiben: „Es gibt nicht mehr Beschwerden wegen Lärmbelästigung als sonst“, sagt Eva Faltermeier von der Pressestelle. Die Polizei bestätigt: Im Jahr 2017 gab es 240 Fälle von Ruhestörung in der Altstadt, im Jahr zuvor waren es 238. „Es ist zu schaffen“, sagt Faltermeier über das Müllaufkommen. Mit der Straßenreinigung sind am Wochenende 15 Mitarbeiter im Innenstadtbereich beschäftigt. Grünflächen wie die Jahninsel reinigen Mitarbeiter des Gartenamts montags und freitags und bei Bedarf. Je mehr Müll aber auf den Grünflächen liegt, desto weniger Zeit hätten die Mitarbeiter für die Pflege der Pflanzen. „Und das ist ja eigentlich ihre Aufgabe“, sagt Faltermeier. Deswegen bleibt die Stadt bei zwei Kampagnen: Mit „Fair Feiern“ sollen Partygänger zu mehr Rücksicht angehalten werden, mit „Sauber beinand“ Bürger zur Müllvermeidung im öffentlichen Raum.

Allerdings: Vor zwei Wochen musste die Polizei eine Freiluft-Party beenden, indem sie Lautsprecher beschlagnahmte. Auch an diesem Wochenende zogen Menschen mit bis zum Anschlag aufgedrehten Handyboxen bis in den frühen Morgen durch die Stadt. In der Altstadt quollen die Mülleimer über. Auf der Jahninsel dagegen breitete sich ein Müllteppich aus, obwohl die Abfalleimer nur mäßig gefüllt waren. Am wenigsten Müll befand sich ausgerechnet in dem mit der Kampagnen-Aufschrift von „Sauber beinand“.

Hier sehen Sie Grillplätze in Regensburg.

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