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Phänomen

Salz knabbert an Steinerner Brücke

Regensburger wundern sich: An dem frisch sanierten Bauwerk zeigen sich kurz vor der Wiedereröffnung weiße Ablagerungen.
Von Julia Ried

Weiß blüht hier nicht der Schimmel, sondern das Salz: An einigen Stellen sieht die Steinerne Brücke derzeit nicht gerade frisch saniert aus. Foto: Tino Lex
Weiß blüht hier nicht der Schimmel, sondern das Salz: An einigen Stellen sieht die Steinerne Brücke derzeit nicht gerade frisch saniert aus. Foto: Tino Lex

Regensburg.Frisch saniert sieht die Steinerne Brücke von unten derzeit nicht gerade aus, dabei steht sie nach acht Jahren Instandsetzung doch kurz vor der Wiedereröffnung in diesem Juni. Weiße Ablagerungen sind an diversen Stellen zu sehen. Ist das Schimmel?, fragen sich Stadtamhofer verwundert und beunruhigt. Anna Schnabl, die in Stadtamhof wohnt und dort im Café Schierstadt arbeitet, rätselt: Könnte es Kalk sein oder Farbe? Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra klärt auf: „Es handelt sich um Salz.“

Es sind die Sünden früherer Jahre, die sich an den weißen Stellen zeigen. Anders als heute üblich wurde im 20. Jahrhundert im Winter jahrzehntelang kräftig gesalzen. „Es ist in den Steinen jede Menge Salz drin“, sagt Peter Bächer, der Leiter des Tiefbauamts. Das kommt immer wieder zum Vorschein. Bächer erläutert: Das Mauerwerk nimmt bei hoher Luftfeuchtigkeit Nässe auf. „Wenn das Wetter wieder trockener wird, geht die Feuchtigkeit raus und nimmt das Salz mit.“ So entstehen Beläge, wie sie derzeit zu sehen sind.

Dieses Foto zeigt die weißen Ablagerungen im Detail. Foto: Wagner
Dieses Foto zeigt die weißen Ablagerungen im Detail. Foto: Wagner

Das Salz hat mit dazu beigetragen, dass die Sanierung der Brücke aus dem zwölften Jahrhundert überhaupt notwendig wurde. Durch offene Pflasterfugen, unzureichende Entwässerung und fehlende Abdichtung konnte Wasser in das Mauerwerk eindringen. Das zerstörte zusammen mit den Salzeintragungen und dem Frostdruck das Naturstein- und Fugengefüge. Beim Bau der Brücke seien auch Steine von schlechter Qualität verwendet worden, sagt Bächer, und für die gelte: „Das Salz kann gerade an der Oberfläche dazu beitragen, dass solche Grünsandsteine schneller verwittern.“ Den Steinen die Kristalle systematisch zu entziehen, sei nicht praktikabel. Sie müssten dafür jahrelang gewässert werden.

Mit Salz wird heute gespart

Das Tiefbauamt habe deshalb nun die Absicht, die weißen Ablagerungen immer wieder auszubürsten beziehungsweise wegzukehren, auf dass das Salz auf natürlichem Weg die Steine verlässt. „Allerdings wird das Jahrzehnte dauern.“

Heute verwendet der städtische Winterdienst so wenig Salz wie möglich, gerade an sensiblen Stellen und der Umwelt zuliebe. Wenn die Stadt es für unbedingt notwendig hält, wird auf der Steinernen im Winter aber immer noch gesalzen – bei Blitzeis etwa. Schließlich gilt für den Fuß- und Radweg die Verkehrssicherungspflicht. „Aber jetzt geht das Salz nicht mehr in die Brücke“, erläutert von Roenne-Styra. Ein mehrschichtiger Aufbau schützt sie nun, konkretisiert Bächer. Unten liegt eine Folie in zwei Schichten Gussasphalt, darüber liegen eine Schicht wasserdurchlässiger Dränasphalt, eine fliesartige Filter-Schicht und darüber Split, in dem die Natursteinplatten verlegt sind. „Auf dem Gussasphalt wird das Wasser zur Seite und zu den Einläufen der Wasserspeier geführt.“ Diese historischen Röhren, die nun auch das wenige neu eingetragene Salz aus der Brücke befördern sollen, hat das Tiefbauamt im Zuge der Sanierung reaktiviert.

Unser Video zeigt Zahlen und Fakten zur Steinernen Brücke:

Die Steinerne Brücke in Zahlen

Sanierung bis in den Herbst

Die Instandsetzungsarbeiten werden noch bis in den Herbst andauern. Trotzdem soll die Brücke wie vorgesehen am 10. Juni anlässlich des Welterbetages und zusammen mit dem Kennenlernfest für das Bayernmuseum wiedereröffnet werden. Die Oberfläche werde dann vollständig saniert und weitgehend begehbar sein, versichert Bächer. Nach der Eröffnung wird der Behelfssteg komplett abgebaut. Dann sind noch Restarbeiten an den Eisbrechern, den keilförmigen Vorbauten unten an den Bögen, beziehungsweise an ihrem Unterbau, den Beschlächten, zu erledigen.

Anna Schnabl jedenfalls vertraut auch in der Salzfrage auf die Expertise der städtischen Fachleute. „Ich gehe davon aus, dass das alles in Ordnung geht. Sie haben ja so lange an der Brücke gearbeitet.“

Die Sanierung

  • Anlass:

    Die meisten Schäden an der Steinernen Brücke sind durch Verkehrsbelastung und Feuchtigkeit entstanden. Die Mauerwerksflächen waren teilweise brüchig und stark verwittert. Zwischen äußerem Mauerwerk und Gewölbe gab es „Stirnringrisse“, durch seitliche Stoß- und Bremskräfte und durch unterschiedliche Steifigkeiten des Mauerwerks.

  • Kosten:

    Die Sanierung kostet rund 20 Millionen Euro. Ein Drittel davon trägt die Stadt, der Rest wird über Zuschüsse finanziert.

Wie gut kennen Sie sich mit der Steinernen Brücke aus? Rätseln Sie mit bei unserem Quiz!

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