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Verkehr

Sanierungsstau auf Regensburger Straßen

Vielerorts in der Stadt holpert es gewaltig – der Neubau hatte oft Vorrang. Das Tiefbauamt fordert ein Erneuerungsprogramm.
Von Julia Ried

Ein „Flickenteppich“: die Karlsbader Straße in der Konradsiedlung Foto: Tino Lex
Ein „Flickenteppich“: die Karlsbader Straße in der Konradsiedlung Foto: Tino Lex

Regensburg.Wer sein Auto schonen will, sollte die Karlsbader Straße in der Konradsiedlung lieber meiden. Durchzogen von Rissen ist sie, stellenweise ein einziges Flickwerk. „Das ist die übelste Straße, die wir haben“, sagt Herbert Schmid, der in der unmittelbaren Nachbarschaft wohnt. Aber eine absolute Ausnahme sei sie nicht, sagt der 53-Jährige, der der gut 950 Mitglieder starken Siedler- und Eigenheimervereinigung vorsteht. „Wir haben in der Siedlung genügend Straßen, die saniert werden müssten.“ Peter Bächer, der Leiter des Tiefbauamts, bestätigt: Dort im Stadtnorden wird besonders deutlich, dass auf Regensburger Straßen ein Sanierungsstau herrscht.

Bächer legt jedes Jahr nach dem Winter ein Straßenerhaltungsprogramm vor; zuständig ist die Stadt für ein Straßennetz von circa 445 Kilometern Länge. „Tendenziell ist es so, dass leider die Schäden von Jahr zu Jahr stärker werden“, sagt er. Das liege daran, „dass die Substanz unserer Straßen immer schlechter wird“. In 1400 Abschnitte hat die Stadt die Straßen aufgeteilt. Etwa zehn Prozent ordne das Tiefbauamt der höchsten Schadenskategorie fünf zu.

Mehr und schwerere Lkw

Einerseits nehme der Verkehr laufend zu, insbesondere der Lkw-Verkehr, und Lkw seien schwerer beladen als früher. Auch verschlechterten Aufgrabungen von Ver- und Entsorgungsunternehmen und in zunehmendem Maß von Telekommunikationsfirmen die Substanz der Straßen. Zum anderen haben viele ihre übliche Nutzungsdauer erreicht oder sogar überschritten – zum Beispiel alle, die zwischen 1960 und 1985 gebaut wurden –, während ihre Sanierung auf sich warten lässt.

Hier in der Erzbischof-Buchberger-Allee holperten die Autos bis vor Kurzem über Schlaglöcher. Die gefährlichsten Winterschäden hat die Stadt schon provisorisch ausgebessert. Foto: Lex
Hier in der Erzbischof-Buchberger-Allee holperten die Autos bis vor Kurzem über Schlaglöcher. Die gefährlichsten Winterschäden hat die Stadt schon provisorisch ausgebessert. Foto: Lex

Bereits jetzt sei erkennbar, dass der Winter 2017/2018 „eine Vielzahl an Straßenschäden“ auf Fahrbahnen, Geh- und Radwegen verursacht habe. „Hauptursache für die Schäden ist das in den Oberbau oder Pflaster- und Plattenbelag über Risse und Fugen eindringende Niederschlagswasser, das im häufigen Wechsel von Durchfrieren und Auftauen bei Nacht und Tag unter dem Einfluss des Verkehrs den Straßenbelag nachhaltig schädigt“, heißt es im Straßenerhaltungsprogramm. Beim Auftauen komme es zu Brüchen im Asphalt, Pflaster- und Plattenbeläge heben sich und beginnen so zu wackeln. Gefahrenstellen habe das Tiefbauamt in den vergangenen Wochen bereits abgesperrt und provisorisch repariert. Nach Ostern werde es seinen Plan abarbeiten. 19 Straßen sollen eine neue Asphaltdeckschicht bekommen, acht Rad- und acht Gehwege instand gesetzt werden.

Was der ADAC Südbayern zum Thema Straßensanierungen rät, lesen Sie im Interview mit verkehrspolitischem Sprecher Alexander Kreipl.

1,38 Millionen Euro sind insgesamt für die Erhaltung der Straßen vorgesehen und damit 60 000 Euro weniger als im Vorjahr.„Wir sind tatsächlich in diesem Jahr ein bisschen eingekürzt worden“, sagt Bächer. Dabei lindern die Reparaturen die Straßenprobleme ohnehin nur. Notwendig wären Erneuerungen. Doch Bächer kündigt an: „Bei der Sanierung werden wir in diesem Jahr nicht recht vorankommen.“ Für das Tiefbauamt ist diese Lage nicht neu: „Der Neubau hatte in den vergangenen Jahren eigentlich immer Vorrang“, sagt Bächer. Die Stadt wuchs, neue Wohn- und Gewerbegebiete mussten erschlossen werden.

Plan: Fünf Sanierungen pro Jahr

Nun sagt Bächer: „Es wäre gut, wenn wir in den nächsten Jahren verstärkt in das Sanierungsprogramm einsteigen könnten.“ 2018 sind 1,55 Millionen Euro dafür eingeplant. „Wir würden gern im Jahr drei bis vier Millionen Euro für die Sanierung von Straßen ausgeben“, lautet allerdings der Wunsch des Tiefbauamtschefs. Mindestens fünf im Jahr würde er seine Leute gern erneuern lassen. Eine Handvoll kaputter Fahrbahnen allein in der Konradsiedlung fällt ihm auf Anhieb ein.

Oben auf der Wunschliste von Herbert Schmid steht nicht nur die Karlsbader Straße, sondern dass Straßen ganz ohne Gehwege endlich welche bekommen. Doch er sagt auch: In der Vergangenheit waren manche Anwohner auch gegen Straßensanierungen, weil sie mehr Verkehr fürchteten oder die Straßenausbaubeiträge. Diese will der Bayerische Landtag nun abschaffen. Wie die Kommunen die Erneuerung von Straßen dann finanzieren, ist noch unklar, erläuterte Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer am Dienstag im Planungsausschuss. Derzeit würden keine Bescheide verschickt.

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