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Prozesse

Schafe verendet: Strafe für Halter

Vor zwei Jahren waren vier Tiere bei Pentling qualvoll gestorben, weil sich der Angeklagte nicht um sie gekümmert hatte.

Das Amtsgericht Regensburg verhängte eine Geldstrafe in Höhe von 9000 Euro. Foto: Bastian Winter
Das Amtsgericht Regensburg verhängte eine Geldstrafe in Höhe von 9000 Euro. Foto: Bastian Winter

Regensburg.Wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz in vier Fällen ist der 48-jährige Mitbetreiber eines renommierten Schafhaltungsbetriebes aus dem Landkreis vor dem Regensburger Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 100 Euro verurteilt worden. Richterin Dr. Cornelia Blankenhorn sah die Vorwürfe der Anklage als erwiesen an: Danach hatte der Angeklagte einige seiner vierbeinigen Schützlinge, die in einem eingezäunten Gehege im Pentlinger Gemeindegebiet oberhalb der Donau den Winter verbrachten, nur mangelhaft versorgt, sodass vier von ihnen über längere Zeit hinweg Schmerzen litten und schließlich an Krankheiten elend zugrunde gingen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Wie berichtet, hatten Fußgänger im Dezember vor zwei Jahren das Landratsamt informiert, dass in dem eingezäunten Gehege oberhalb der Donau zwei tote Schafe lägen und eines offenbar schwer krank sei. Die zuständige Veterinärmedizinerin nahm sofort Kontakt mit einem der zwei Betreiber der Schafhaltung auf – dem Angeklagten. Dieser sagte zu, sich um die Sache zu kümmern. Ein Assistent der Tierärztin fuhr noch am selben Tag zum Gehege und dokumentierte die Nachschau, die die Angaben des Anrufers bestätigte.

Vier Tiere starben qualvoll

Am nächsten Tag war aber offenbar noch nichts geschehen, teilte der Anrufer dem Amt erneut mit. Die Veterinärmedizinerin stellte vor Ort inzwischen drei tote Tiere fest. Ein viertes Schaf verendete während des Transports zur Nottötung. Die Sektion der toten Schafe ergab diverse Krankheiten bei den untersuchten Tieren: Magen- und Leberparasiten und Mangelernährung. Eines litt an Lungenentzündung, ein anderes an Meningitis. Auch lagen die toten Tiere offenbar nicht erst seit Kurzem da, sondern „mindestens zwei bis drei Tage“, wie die Ärztin anhand des Zustands der Kadaver schätzte. Dies bestätigte am zweiten Prozesstag auch ein Polizeibeamter, der die Auffindesituation fotografierte: Die Tiere seien schon tiefgefroren gewesen. In einer Tränke war das Wasser nach seinen Worten zu Eis erstarrt.

Der Angeklagte, der auf der Homepage des Unternehmens zusammen mit seinem Kompagnon für die artgerechte Haltung der Tiere wirbt, hatte vor Gericht erklärt, er sei vorwiegend „für die Vermarktung“ der Schafprodukte zuständig und viel unterwegs. Er habe aber an besagtem Tag mit seinem Kompagnon telefoniert. Dieser habe ihm versichert, alle Tiere seien „pumperlgsund“. Daher habe er die Information für eine Falschmeldung gehalten und nicht sofort etwas unternommen. Der 48-jährige Mitbetreiber wies die Schuld für den Tod der Tiere Spaziergängern oder Anwohnern zu: Diese hätten die Schafe durch falsches Füttern vergiftet. Dafür ergab die Sektion der Tiere aber keinen Hinweis.

Angeklagter trug Verantwortung

Richterin Dr. Cornelia Blankenhorn sagte in ihrer Urteilsbegründung, sie sei überzeugt, dass sowohl der Angeklagte als auch dessen Lebensgefährte als Halter und Betreuer für die Versorgung der Tiere verantwortlich waren. Allein der hochgradige Mangelzustand habe zu dem Leiden der Tiere geführt. Der 45-jährige Mitbetreiber sollte ursprünglich neben seinem Kompagnon auf der Anklagebank sitzen. Da er sich aber krank meldete, wurde sein Verfahren abgetrennt und soll nun per Strafbefehl erledigt werden. Die Staatsanwältin hatte in der Verhandlung 120 Tagessätze gefordert. Verteidiger Maximilian Strohmayer hatte auf Freispruch plädiert. Er sah seinen Mandanten nicht in der Verantwortung.

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