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Regensburg
Sonntag, 22. April 2018 27° 2

Premiere

Schattenseiten des Dorflebens

„Zwei Herren im Anzug“ erzählt vom Schicksaal eines bayerischen Wirts. MZ-Clubmitglieder sahen den Film kostenlos.
Von Tim Guggenberger

Die Geschichte erzählt das dramatische Schicksal eines bayerischen Wirts. Foto: /X Verleih/dpa

Regensburg.Schneefall und eisiger Wind waren am Dienstagabend beste Voraussetzungen für einen Kinobesuch. Im Regensburger Regina-Filmtheater fand passend dazu eine besondere Vorstellung statt: Bereits zwei Tage vor dem offiziellen Kinostart durften die Besucher Josef Bierbichlers neuen Film „Zwei Herren im Anzug“ sehen. Für Fans der Romanvorlage „Mittelreich“ war die Vorstellung der Verfilmung ein Muss – besonders, weil Hauptdarsteller Simon Donatz und der Regisseur persönlich anwesend waren. Im Anschluss des Films standen sie den Zuschauern für Fragen zum Drama rund um einen Wirt, seinen Sohn und den Ereignissen ihrer Vergangenheit zur Verfügung.

Die Besitzer der Mittelbayerischen Club-Karte kamen dabei in einen doppelten Genuss: Bei Vorzeigen erhielten sie am Vorabend die Karten kostenlos.

Bierbichlers neues Drama spielt im Sommer 1984, an einem bayerischen Gasthaus am See. Der Wirt und Bauer Pankraz (Josef Bierbichler) hat soeben seine Frau Theres (Martina Gedeck) zu Grabe getragen. Der Leichenschmaus ist vorbei, die Gäste sind gegangen. Nur noch sein Sohn Semi (Simon Donatz) ist anwesend, um ihm, von den Umständen gezwungen, Gesellschaft zu leisten. In den Augen seines Sohns entdeckt Pankratz plötzlich einen Blick, der ihm seltsam bekannt vorkommt. Auf der Suche danach lässt er seine Vergangenheit Revue passieren.

Reale Grundlagen in fiktiver Geschichte

Die Erinnerungen werden als Rückblenden lebendig, teils in Schwarzweiß: Er erinnert sich an seinen einstigen Wunsch, Opernsänger zu werden, der zerstört wird, als sein älterer Bruder mit einer schweren Kopfwunde aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehrt. An seine eigene Zeit an der russischen Front im Zweiten Weltkrieg, an seine Jugendliebe Theres, die er heiratet und einen Sohn bekommt, zu dem er bis heute nie ein Verhältnis aufgebaut hat.

Die Erzählungen reichen weiter von Dorfdeppen, unverbesserlichen Nazis und Kriegsschrecken, über hochnäsigen Sommergästen aus der Stadt, Hippies und Kommunisten bis hin zur touristischen Industrialisierung eines Seeortes. Sie ergeben ein präzises, zynisches und giftiges Bild bayerischer Dorf(un)kultur, das Pankraz und seinen Sohn Semi auf ewig prägt.

Dabei schreckt Bierbichler nicht zurück, die Geschehnisse unverfälscht mit schonungslosen Bildern zu zeigen. „Der Film hat reale Grundlagen, eingebunden in eine fiktive Geschichte“, erklärt der Regisseur beim Interview im Anschluss. Bierbichler beantwortete viele Fragen zu Hintergründen, komplexen Schlüsselszenen und erzählte eigner Erfahrung als Filmemacher. Das kam bei den Zuschauern gut an und war auch ganz im Sinne des Gezeigten: „Der Film soll Fragen aufwerfen“, verdeutlicht der Regisseur.

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