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Regensburg
Dienstag, 19. Juni 2018 26° 3

Reise

Schülerin segelte vor Mittelamerika

Im Herbst 2017 stach die Regensburgerin Paula Höfel in See. Nun ist die Zehntklässlerin von ihrem Abenteuer zurück.
Von Tim Guggenberger

Während der kalten Wintermonaten hierzulande lag die Thor Heyerdahl in der Karibik vor Anker.  Foto: Paula Höfel
Während der kalten Wintermonaten hierzulande lag die Thor Heyerdahl in der Karibik vor Anker. Foto: Paula Höfel

Regensburg.Blaues Wasser, Palmen und sonnige Strände - wovon die meisten Jugendlichen in stickigen Klassenzimmern nur träumen dürfen, wurde für die Regensburger Schülerin Paula Höfel in den vergangenen Monaten Realität. Als eine von 34 Jugendlichen erhielt sie ein halbes Jahr lang die Gelegenheit, Schulbank und Klassenzimmer gegen Schiffsdeck und Seeluft zu tauschen.

An Bord des Seglers Thor Heyerdahl brach die Zehntklässlerin im vergangenen Oktober auf eine Unterrichtsreise in die Inselwelt Mittelamerikas auf. Nun ist sie von ihrem Abenteuer zurück, mit unzähligen Geschichten und Erfahrungen im Gepäck. „Man wird schon ein bisschen ein anderer Mensch“, erzählt Paula der MZ.

Das Klassenzimmer unter Segeln

Paula Höfel am Steuer.  Foto: Paula Höfel
Paula Höfel am Steuer. Foto: Paula Höfel

Für die Pindl-Schülerin fiel der Startschuss im Herbst 2017 im Kieler Hafen, dem Ausgangspunkt der Fahrt. Jedoch ging es nicht direkt in wärmere Gewässer – für die Jugendlichen war zunächst Segeltraining in der Nordsee angesagt. „Die Thor Heyerdahl ist ein Traditionssegler, das heißt die Segel müssen noch per Hand bedient werden“, erklärt Paula. Während der gesamten Reise war es Aufgabe der Schüler, die Winkel der Segel je nach Kurs und Windrichtung anzupassen. „Das ist auch körperlich anspruchsvoll, zum Teil ziehen fünf Personen an einem Seil“, verdeutlicht die Regensburgerin. Auch unter Deck hatten die Jugendlichen viele Aufgaben. Das Zubereiten der Mahlzeiten oder Kontrollgänge durch das Schiff gehörten ein halbes Jahr lang zum Alltag. „Das natürlich auch nachts und bei jeder Witterung“, erzählt die Sechzehnjährige. „Wir hatten zum Teil auch ordentlich Sturm. Wenn das Adrenalin strömt und die ganze Mannschaft zusammenhilft, macht das aber wirklich Spaß.“

„Das ist auch körperlich anspruchsvoll, zum Teil ziehen fünf Personen an einem Seil.“

Paula Höfel

Nach der Einführungsetappe durch den Englischen Kanal und die Biskaya entlang Richtung Teneriffa startete von dort aus die erste Atlantiküberquerung. Die drei Wochen fernab jeglichen Festlands waren überwiegend mit klassischem, aber intensivem Schulunterricht gefüllt. Ungetrübt davon zählten für Paula diese Tage zu den schönsten. „Nachts sieht man die Sterne auf dem Meer viel deutlicher als auf dem Land“, schwärmt die Regensburgerin. „Das habe ich wirklich genossen.“

Auf der anderen Seite des Atlantik angekommen machte das Segelschiff an verschiedenen Stationen rund um Mittelamerika halt. Besonders blieb Paula die kleine karibische Inselgruppe Tobago Cays in Erinnerung. Dort hatten die Schüler die Gelegenheit, zwischen den Palmen die Insel zu erkunden oder über Korallenriffen Schnorcheln zu gehen. „Das Wasser im karibischen Raum hat eine unglaubliche schöne Farbe“, erzählt Paula. „Das war für mich ganz neu und ungewohnt.“

Eine ganz andere Seite Mittelamerikas erlebten die jungen Segler im Regenwald Panamas. Weit abseits von jeglicher Zivilisation lernten sie dort einige Tage lang ein Leben der anderen Art kennen. Ein Einheimischer nahm die Schüler mit ins dichte Gestrüpp des Waldes, um ihnen dort traditionelle Techniken zur Nahrungssuche oder zum Häuserbau zu zeigen. „Auf unserem Weg sind wir auch durch den Matsch gestampft oder durch Flüsse geschwommen. Das gibt einem plötzlich ganz neue Blickwinkel“, erzählt Paula lachend.

Eine ganz andere Mentalität

Entlang der Reise machte die Thor Heyerdahl an vielen weiteren Stationen halt, unter anderem auch Kuba, den Bahamas, Bermudas und Azoren. Auch wenn dort die vielen Unternehmungen, etwa Städtetouren, Aufenthalte in Gastfamilien, traumhafte Strandtage oder das Erklimmen von Bergen für unvergessliche Erinnerungen sorgten - für Paula waren weder die Sonnenuntergänge über den Wolken noch der Kaffee im kubanischen Restaurant das Highlight der Reise: „Am schönsten war es, die Einheimischen kennenzulernen. Die Mentalität im karibischen Raum ist ganz anders, wir wurden immer freundlich behandelt und nie schief angeschaut. Die Menschen dort strahlen einfach unglaublich viel Lebensfreude aus.“

Ihre Abenteuerlust und die Freude am Segeln hat Paula in den sechs Monaten auf See nicht verloren. „Die nächste Segelreise ist schon geplant!“

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Das Schiff

  • Thor Heyerdahl: 

    Der norwegische Forscher und Archäologe ist der Namenspatron des Schiffs. Seine Expeditionen in die Inselgruppen rund um den amerikanischen Kontinent machten ihn zu einem der bekanntesten Experimentalforscher seiner Zeit.

  • Klassenzimmer unter Segeln:

     80 Jahre später folgt das gleichnamige Segelschiff seinem Beispiel. Jedes Winterhalbjahr nimmt das Projekt 34 ausgewählte Schüler der 10. Jahrgangsstufe auf Reise über den Atlantik mit. Sie arbeiten verantwortlich im Schiffsbetrieb, erforschen in mehrwöchigen Landaufenthalten fremde Länder und Kulturen und erhalten Unterricht sowohl an Bord als auch an Land.

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