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Regensburg
Montag, 25. Juni 2018 20° 5

Einsatz

Schwere Aufgaben für Rettungskräfte

Die Bergung übergewichtiger Menschen ist oft aufwendig. BRK und Feuerwehren im Kreis Regensburg sind speziell ausgerüstet.
Von Wolfgang Ziegler

So wie dieser Demonstration musste die übergewichtige Frau in Kumpfmühl von der Feuerwehr geborgen werden. Foto: Felix Kästle/dpa
So wie dieser Demonstration musste die übergewichtige Frau in Kumpfmühl von der Feuerwehr geborgen werden. Foto: Felix Kästle/dpa

Regensburg.Die Männer der Regensburger Berufsfeuerwehr, allesamt Top-Spezialisten mit jahrelanger Erfahrung, haben schon vieles erlebt. Die Aufgabe, die sie in der Nacht zum Dienstag bewältigen mussten, war für die meisten von ihnen dennoch eine Herausforderung. In Kumpfmühl sollten sie gegen 2 Uhr morgens eine übergewichtige Frau von ihrer in der zweiten Etage gelegenen Wohnung zu einem bereitstehenden Sanka transportieren, der die Patientin in ein Krankenhaus bringen sollte. Doch die Frau passte nicht in den Rettungskorb der Drehleiter.

Personen mit der Drehleiter aus deren Wohnung zu holen, komme öfter vor – etwa dann, wenn das Treppenhaus zu eng sei, sagte Kreisbrandrat Wolfgang Scheuerer, oberster Chef aller Feuerwehren im Landkreis Regensburg, im Gespräch mit unserem Medienhaus. Schwergewichtige zu bergen, sei dagegen eher selten. Auch für die Berufsfeuerwehr war die Situation nicht alltäglich. Vor allem deshalb, weil sich der Transport schwieriger erwies als zunächst gedacht. Da die – vorsichtig geschätzt – 200 Kilogramm schwere Frau nicht ebenerdig wohnt, war das Wissen der Höhenretter gefragt. Doch sie waren mit ihrem Latein schnell am Ende.

BRK ist auf alles vorbereitet

Denn, wie bei Bewegungsunfähigen üblich, wollten sie die Patientin mit dem an der Drehleiter befestigten Rettungskorb auf die Erde bringen. Die Frau passte allerdings nicht hinein. Nach mehr als einer Stunde gelang die Bergung schließlich mittels einer Seilvorrichtung, an der eine Trage angebracht worden war, wie Augenzeugen der Mittelbayerischen berichteten.

Da durchaus ein Bedarf besteht, werden nach den Worten von Kreisbrandrat Scheuerer die drei neuen Drehleitern, die noch heuer an die Feuerwehren Hemau, Regenstauf und Lappersdorf ausgeliefert werden, gleich mit einem entsprechenden Aufsatz für den Rettungskorb ausgeliefert. So könnten schwergewichtige Personen künftig liegend aus höher gelegenen Wohnungen abtransportiert werden.

Bestens auf den Transport von schweren Menschen ist auch der Kreisverband Regensburg Stadt und Landkreis des Roten Kreuzes vorbereitet. Wie der stellvertretende Rettungsdienstleiter, Sebastian Gerosch, sagte, gebe es in Bayern insgesamt 26 Schwerlast-Rettungswagen (abgekürzt: S-RTW) für Patienten mit einem Körpergewicht von 150 Kilogramm und mehr. Einer davon stehe auch in Regensburg, ein weiterer der ganz neuen Generation mit Allrad-Antrieb in Schwandorf. Die Tragen dieser Fahrzeuge seien auf bis zu 318 Kilogramm ausgelegt, die Tragetücher, die beim Abtransport über das Treppenhaus eingesetzt würden, seien 1,50 Meter statt normal 1,00 Meter breit. Diese Rettungswagen seien zudem mit einem besonderen Beladesystem ausgestattet, das Fahrtrage oder Tragesessel mit dem Patienten automatisch ins Wageninnere befördere, ohne dass Muskelkraft benötigt werde.

Alle schwerst kranken Patienten, sowie Personen, bei denen der S-RTW an seine Grenzen stoße, würden nach Geroschs Worten mit einem Intensivtransportwagen (im BRK-Jargon: ITW) abgeholt, von denen einer ebenfalls in Regensburg stationiert sei. Das mit Notfallsanitäter, Intensivschwester und Intensivmediziner besetzte Fahrzeug könne neben seiner eigentlichen Funktion Menschen jenseits von 200 Kilogramm befördern.

Die BRK-Spezialfahrzeuge

  • Intensivtransportwagen (ITW):

    Alle schwerst kranken Patienten sowie Personen, bei denen der S-RTW hinsichtlich Gewicht oder Volumen an seine Grenzen stößt, werden mit einem ITW gefahren. Über einen davon verfügt auch der BRK-Kreisverband Regensburg. Das mit Notfallsanitäter, Intensivschwester und Intensivmediziner besetzte Fahrzeug kann neben seiner eigentlichen Funktion Menschen jenseits von 200 Kilogramm befördern.

  • Schwerlast-Rettungswagen (S-RTW):

    Die 26 S-RTW des BRK – einer davon steht in Regensburg – werden beim Transport von Personen von 150 Kilogramm Körpergewicht und mehr eingesetzt. Die Tragen dieser Fahrzeuge sind auf bis zu 318 Kilogramm ausgelegt, die Tragetücher sind 1,50 Meter statt normal 1,00 Meter breit. Diese Rettungswagen sind zudem mit einem Beladesystem ausgestattet, das die Trage automatisch ins Wageninnere befördert.

Barmherzige mit Sonderstellung

ITW seien für Rettungseinsätze umgebaute Lastwagen des Typs Mercedes-Benz Atego 822 L. Für alles, was darüber hinausgehe, müsse eine sogenannte Rettungszelle angefordert werden. Davon gebe es in Bayern nur eine einzige, die in München stehe. Dabei handle es sich um eine Art Container, der mit Schwenkarmen ab- und nach Aufnahme des Patienten wieder aufgeladen werde.

Das Hauptproblem für die Retter sei nach Aussage des Rettungsdienstleiters neben dem Gewicht schwerer Patienten auch deren Volumen. „Wir sind von der Tragenbreite her nach wie vor limitiert“, so Gerosch.

Das ist auch für Krankenhäuser eine der Herausforderungen im Umgang mit stark übergewichtigen Patienten. Die Barmherzigen Brüder etwa, wo adipositöse Patienten operiert werden können, mussten sich in allen Bereichen – von der Notaufnahme bis zu den Stationen – auf schwergewichtige Personen einrichten, wie uns Prof. Dr. Dr. h. c. Pompiliu Piso, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, sagte. Für die OP-Säle wurden entsprechende Tisch besorgt, die eine Tragkraft von bis zu 360 Kilogramm hätten. Auch die Computertomographie sei auf Menschen mit einem Körpergewicht von bis zu 250 Kilogramm ausgelegt. Insgesamt nähme das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder eine Sonderstellung ein. Bei vielen Kliniken werde es ab 300 Kilogramm schwierig, so Prof. Piso.

Von der Berufsfeuerwehr war weder zu dem außergewöhnlichen Einsatz noch zu der Problematik allgemein eine Stellungnahme zu bekommen.

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