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Teamsport

Sie paddeln im Zeichen des Drachen

Bis zu 20 Paddler, eine Trommlerin und ein Steuermann – das ist die Besatzung von Frau Mahlzahn. Wir haben sie begleitet.
Von Heike Haala

Die Donaudrachen stechen in fremdes Gewässer. Und zwar in die Naab bei Penk. Nach einer Stunde flussaufwärts geht es in den Biergarten. Gestartet ist das Team beim Westbadweiher. Foto: Haala
Die Donaudrachen stechen in fremdes Gewässer. Und zwar in die Naab bei Penk. Nach einer Stunde flussaufwärts geht es in den Biergarten. Gestartet ist das Team beim Westbadweiher. Foto: Haala

Regensburg.Donk, Donk, Donk – Trommelschläge durchdringen die Naabtalidylle bei Penk. Vorbei ist die Beschaulichkeit am Bootssteg. Mit Tosen im Gefieder steigen zwei erschrockene Enten nahezu senkrecht auf. Ein paar Prachtlibellen schlagen ihre Flügel mit den schwarzen Schatten darauf so schnell es nur geht und suchen das Weite. Donk, Donk, Donk – sie sind nicht zu sehen und sie kommen immer näher.

Gestatten: Frau Mahlzahn Foto: Haala
Gestatten: Frau Mahlzahn Foto: Haala

Die Rede ist von den Donaudrachen und Frau Mahlzahn, ihrem Boot. Insgesamt gibt es 48 Donaudrachen. Sie sind eine Abteilung der Betriebs-Sport-Gruppe Siemens. Tagsüber arbeiten die Donaudrachen bei Infineon, Continental und Osram. Regelmäßige Gäste auf Frau Mahlzahn sind auch Mitarbeiter aus dem Finanzamt. Seit 2006 haben sie sich in ihrer Freizeit dem Drachenboot verschrieben. Diese Boote stammen aus China und haben dort eine über 2000 Jahre alte Tradition. Der Legende nach sollen Drachenbootrennen zu Ehren eines chinesischen Dichterkaisers nach dessen Tod eingeführt worden sein, berichtet Donaudrachendame Gisela Wurdack.

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Am Bug des Regensburger Bootes reißt ein gelber Drachenkopf mit Hörnern und Stachelkragen sein Maul weit auf. Die blutroten Pupillen stieren auf die Wellen der Naab. Am Heck züngelt ein gezackter Schwanz durch die Luft. Zwischen diesen Zierelementen drängelt sich die an diesem Tag 17 Mann starke Besatzung auf dem Boot. Sie besteht aus 15 Paddlern, bis auf einen in Zweierreihen, einem Steuermann mit dem Ruder am Heck und einer Trommlerin am Bug.

Ein Video von dem Ausflug sehen Sie hier.

Unterwegs mit den Donaudrachen

Angela Dirmeiers Höllenritt

Die heißt Angela Dirmeier und ist eine erfahrene Reiterin. Das ist gut so, denn die Frau absolviert gerade einen wahren Höllenritt. Sie sitzt auf einem puristischen Stuhl, im Vergleich zu dem ein Melkschemel allerhöchsten Komfort verspricht. Denn das Ende der Lehne von Dirmeiers Sitzgelegenheit steckt im gerade noch einmal hüftbreiten Bug des Drachenboots. Die Sitzfläche schaukelt etwa einen Meter über der Wasseroberfläche hin und her. Wenn andere Boote gerade für Wellengang sorgen, mehr, wenn die Paddler aber sehr einträchtig ins Wasser stechen, weniger.

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Wie einträchtig die Besatzung vorwärts kommt, hat Dirmeier selbst in der Hand: Sie gibt den Takt vor, mit dem die Paddler ins Wasser stechen. Wenn sie es richtig macht, sorgt sie also auch dafür, dass sie selbst ein wenig ruhiger sitzt. Das mit dem Paddeltaktvorgeben ist der zweite Teil der Mutprobe, die Dirmeier gerade absolviert. Sie sitzt in ihren aalglatten Sportleggins rückwärts zur Fahrtrichtung auf dem Stuhl des Drachenboots. Mit einer Hand krallt sie sich an der Lehne fest, mit der anderen schlägt sie einen Holzklöppel auf das Fell einer riesigen Trommel, die das Team vor ihr auf dem Bug festgespannt hat. So gleiten die Donaudrachen vom Westbadweiher aus gut eine Stunde lang flussaufwärts durch die Fluten der Donau und der Naab, schön in Richtung Biergarten.

Die Donaudrachen Foto: Haala
Die Donaudrachen Foto: Haala

Bis die Donaudrachen in Frau Mahlzahn lospaddeln konnten, dauerte es eine Weile. Denn wer zu siebzehnt in ein schmales, langes Boot steigt, braucht einen Plan. Der Steuermann sorgt dafür, dass die Leichtgewichte und die etwas kompakter gebauten Mitglieder der Besatzung so auf den Sitzbänken verteilt sind, dass Frau Mahlzahn weder Schlagseite bekommt, noch mit dem Schwanz oder dem Kopf übermäßig aus dem Wasser ragt.

Diesen Sitzplan fest im Kopf rollen die Donaudrachen Frau Mahlzahn einträchtig durch den Park um den Westbadweiher, hinunter zur Donau. Die Damen einer Yogagruppe staunen nicht schlecht bei diesem Anblick. Jetzt machen sich ihre Atemübungen bezahlt. Alle halten die Balance in der Übung des Baums, wenn manche ihre Äste angesichts der Donaudrachen auch ganz schön wackeln lassen.

Die Donaudrachen Foto: Haala
Die Donaudrachen Foto: Haala

Das aber ist nichts im Vergleich zu dem Geschaukel, dem sich die Besatzung des Paddelboots gleich aussetzen wird. Streng nach Plan steigt Paddler um Paddler in das Boot, das teilweise von drei Männern stabilisiert werden muss. Erst recht, als zwei Donaufrachter vorbeituckern und auf diese Weise für ordentlich Wellengang auf dem Fluss sorgen.

Paddeln und Rudern

  • Paddeln:

    Paddel sind frei beweglich und nicht fest mit dem Boot verbunden. Der Paddler schaut im Boot nach vorne. Gepaddelt wird zum Beispiel im Kajak, im Kanadier, im Falt- oder Schlauch- und eben auch im Drachenboot.

  • Rudern:

    Ruder sind fest mit dem Boot verbunden. Der Ruderer sitzt mit dem Rücken zur Fahrtrichtung. Ruderboote sind beispielsweise Rennruderboote oder Gigs für den Breitensport.

Ein Team für alle Fälle

Das lange schmale Boot reagiert auf jede Bewegung. Auch dann schon, wenn sich einer der Donaudrachen nach seinem Hintermann umdrehen will. Aktionen wie diese müssen angekündigt werden, sonst werden alle nass. Verlässt eines der Besatzungsmitglieder der Mut, beruhigen ihn die Donaudrachen. Denn Panik ist hier fehl am Platz. Gönnt sich einer von ihnen eine kleine Paddelpause bei voller Fahrt, kann er sich sicher sein, dabei ertappt zu werden – sofort ändert das Boot seine Richtung. Dennoch tauschen die Donaudrachen nach halber Wegstrecke die Seiten. So bleibt die sportliche Belastung für die Paddler ausgeglichen – ein Balanceakt sondersgleichen und das mitten auf dem Fluss.

Bis zu 22 Personen finden in diesem Boot Platz. Foto: Haala
Bis zu 22 Personen finden in diesem Boot Platz. Foto: Haala

Auch diese sensible Art von Frau Mahlzahn hat die Donaudrachen also zusammengeschweißt. Sie sitzen nun einmal in einem Boot und müssen zusammenhalten. Trotzdem würden sie ihr Hobby niemals gegen ein anderes eintauschen. „Die Gemeinschaft, die Natur, die Landschaft in Regensburgs Wassersportgebiet“, schwärmt Donaudrachendame Wurdack. „Und bei welchem Sport kann man schon zu zweit nebeneinandersitzen?“, fragt Dirmeier, obwohl sie an diesem Tag alleine vor der Trommel saß.

Ihr nächstes Ziel, abgesehen von den regelmäßigen Ausfahrten, haben die Donaudrachen schon fest im Blick. Sie wollen wieder wettkampffähig werden. Wenn alles gut geht, nehmen sie im kommenden Jahr an der Vogalonga teil – einem Marathon zu Drachenboot, quer durch die Lagune von Venedig.

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