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Behinderungen

So trifft der Streik Regensburg

Gestresste Eltern, verwaiste Büros und Müll auf der Straße – der Arbeitskampf legt die Stadt an mehreren Ecken lahm.
Von Heike Haala

In der Kindertagesstätte Hedwigstraße gab es eine Notbetreuung. Foto: Haala
In der Kindertagesstätte Hedwigstraße gab es eine Notbetreuung. Foto: Haala

Regensburg.Dimo kämpft mit den Tränen, schluckt sie aber schließlich hinunter und verabschiedet sich von seinen Eltern. Der Bub musste am Dienstag eine Kindertagesstätte (Kita) besuchen, die ihm vollkommen fremd war. Denn wegen des Streiks, zu dem die Gewerkschaft Verdi ihre Mitglieder im öffentlichen Dienst in Regensburg und Augsburg aufgerufen hatte, blieb seine Kita geschlossen. Und so brauchte das sonst so offene Kind ein wenig Zeit, bis es sich auf die neue Situation einlassen konnte.

Bei allem Mitgefühl für ihren Sohn – seine Mutter Kasimira Baldaranova war am Dienstag heilfroh, den Kleinen zumindest in die Notbetreuung in der Kita Hedwigstraße bringen zu können. Ihrem Mann wäre es nicht möglich gewesen, seinen Dienst abzusagen. Sie selbst hätte sich ohne diese Option einen Tag freinehmen müssen. Auch andere Mütter waren glücklich um den Platz in der Notbetreuung: Eine hatte eine Schulung gebucht, die sie nicht mehr absagen hätte können, eine weitere hätte den Geldbeutel für einen Babysitter aufmachen müssen.

Darum kam es zum Warnstreik

  • Das Vorgehen:

    Die nächsten Verhandlungen über höhere Einkommen für die rund 2,3 Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen werden im April geführt. Deswegen kommt es im Vorfeld zu Warnstreiks. So wollen die Gewerkschaften Druck aufbauen. Am Dienstag waren die Schwerpunkte für diese Aktionen Regensburg und Augsburg.

  • Weitere Aktionen:

    Auch in Nürnberg und Kempten gab es Aktionen der Gewerkschaft.

  • Die Forderungen:

    Die Gewerkschaft Verdi fordert für die bundesweit rund 2,3 Millionen Beschäftigten in den Kommunen und beim Bund sechs Prozent mehr Geld, mindestens aber 200 Euro im Monat. (Quelle: dpa)

Viele Eltern sorgten vor

Die Streikenden trafen sich am Dienstagmorgen beim Alex-Center und marschierten in einer Demonstration zum Gewerkschaftshaus. Fotos: Haala
Die Streikenden trafen sich am Dienstagmorgen beim Alex-Center und marschierten in einer Demonstration zum Gewerkschaftshaus. Fotos: Haala

Laut Dr. Eleonore Hartl-Grötsch, Leiterin des Amts für Tagesbetreuung von Kindern, brachten Eltern am Dienstag insgesamt 27 kleine Regensburger in eine der fünf Notbetreuungen. Abgewiesen werden musste dort niemand. Denn viele Eltern hätten es auch geschafft, die Betreuung anderweitig zu organisieren.

Eine große Leistung: Immerhin hatten 22 von 32 städtischen Kinderbetreuungsangeboten wegen des Streiks geschlossen, sagte Hartl-Grötsch während einer Pressekonferenz im Alten Rathaus zur Mittagszeit. Acht Institutionen hatten geöffnet, wovon fünf Notbetreuungsangebote wie das in der Hedwigstraße waren. Zwei weitere Einrichtungen hatten bis Mittag noch keine Rückmeldung gebeben. 81 von 289 Mitarbeiterinnen in der städtischen Kinderbetreuung folgten dem Streikaufruf von Verdi.

Sehen Sie hier ein Video über den Streik:

Die Mitarbeiter der Stadt gingen auf die Straße

Damit waren die städtischen Kinderbetreuungseinrichtungen zwar ein Schwerpunkt des Streiks, aber bei weitem nicht der einzige Bereich, der davon betroffen war. In der Stadtverwaltung arbeiten laut Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer 3400 Menschen, wovon 2300 zum Streik aufgerufen waren. Der Rest sind Beamte, die nicht streiken dürfen. 593 Mitarbeiter folgten dem Aufruf von Verdi.

Bestreikte Abteilungen waren auch die Müllabfuhr, die Straßenreinigung, der Fuhrpark, die Poststelle, das Gartenamt, die Büchereien sowie die Stellen, die für Straßen, Kanäle und Beleuchtung zuständig sind.

Vorkehrungen musste die Stadt also nicht lediglich in der Kinderbetreuung treffen, sondern auch für Bereiche, die die Sicherheit der Regensburger betreffen. Notdienste gab es für die Integrierte Leitstelle, für die Ampelanlagen, für das Klärwerk und das städtische Bestattungsunternehmen. So schoben vier Mitarbeiter Bereitschaftsdienst, um eventuell verstorbene Personen abholen zu können.

Müll muss ein paar Tage warten

Der Müll, der einigen Regensburgern am Dienstag länger als erhofft erhalten blieb, soll laut Maltz-Schwarzfischer nun sukzessive abgeholt werden. Entzerren sollen diese Situation Sonderschichten an diesem Wochenende, die wegen des Osterfests geplant sind.

Weiterhin rang der Streik Autofahrern Geduld ab, die am Vormittag im Stadtnorden unterwegs waren. Denn die Streikenden trafen sich ab 8.15 Uhr beim Alex-Center und marschierten in einer Demonstration über die Nibelungenbrücke zum Gewerkschaftshaus in der Richard-Wagner-Straße. Sie forderten auf diese Weise eine deutliche Einkommenserhöhung sowie die Übernahme der Auszubildenden. Polizeifahrzeuge begleiteten die Demonstration. Hinter ihr staute sich der Verkehr im Bereich des Donaueinkaufszentrums und in den Hauptverkehrsadern im Stadtnorden – in der Frankenstraße bis zur Autobahnauffahrt in Pfaffenstein.

Während dieser Demonstration hatten es die Streikenden auch mit einer aufgebrachten Frau zu tun, die nicht nachvollziehen konnte, dass sie die Arbeit niederlegten. Bei einer anderen Dame ernteten sie mehr Verständnis: Alexia Saint-Jean. Auch sie brachte ihre beiden Kinder am Dienstagmorgen in die Kita Hedwigstraße. Obwohl ihr der Streik Umstände bereitete, nahm sie Anteil an der Situation der Angestellten in den sozialen Berufen. Die Frau aus Frankreich sagte mit Blick auf ihre streikverliebte Heimat aber auch: „Das ist unser Lieblingsthema. Nur ein Tag bringt gar nichts.“

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