MyMz
Anzeige

Finanzen

Stadion macht deutlich weniger Miese

Auch finanziell in der Spur: Für die Conti-Arena muss die Stadt Regensburg 800 000 Euro weniger draufzahlen.
Von Norbert Lösch

Derzeit ist Sommerpause im Regensburger Stadion. 2017 lief der Betrieb nicht nur sportlich so gut, dass die Continental Arena weit weniger rote Zahlen schreibt als erwartet.Foto: BAM Deutschland AG
Derzeit ist Sommerpause im Regensburger Stadion. 2017 lief der Betrieb nicht nur sportlich so gut, dass die Continental Arena weit weniger rote Zahlen schreibt als erwartet.Foto: BAM Deutschland AG

Regensburg.Diese Nachricht dürfte den Fundamentalkritikern am neuen Regensburger Fußballstadion zumindest ein bisschen Wind aus den Segeln nehmen: Die Continental Arena schreibt deutlich geringere rote Zahlen als erwartet. Wie aus dem vorläufigen Jahresbericht 2017 des städtischen Tochterunternehmens „Regiebetrieb Arena Regensburg“ hervorgeht, beträgt das Defizit nach dem jüngsten Betriebsjahr 3,162 Millionen Euro. Die wirtschaftliche Bilanz ist damit um fast 800000 Euro besser ausgefallen als geplant.

Noch zahlt die Stadt als Bauherr des 52,7-Millionen-Projekts kräftig ab an ihrem neuen „Fußballhäuschen“. Der Kapitaldienst – Abschreibungen und Zinsen – bildet in der Bilanz denn auch 2017 den Löwenanteil am Defizit. Rein aus dem laufenden Betrieb beträgt der Verlust „nur“ rund 800000 Euro – immerhin ein Fünftel weniger als noch im Jahr davor.

Einnahmen fielen höher aus

Das liegt zum einen an gestiegenen Mieteinnahmen. Pro Spieltag im heimischen Stadion muss der SSV Jahn laut bestehendem Mietvertrag 15000 Euro überweisen. Zumindest seit der zweiten Jahreshälfte 2017, denn diese Konditionen gelten seit dem Aufstieg in die Zweite Liga. Vom sportlichen Höhenflug profitiert auch die Stadt, die vorsichtig kalkulierte und den Aufstieg in ihrem Finanzplan ja nicht vorhersehen konnte.

„Grundsätzlich ist ein Defizit von über drei Millionen Euro kein Grund für Jubelstürme. Es ist aber deutlich geringer als kalkuliert – und damit kann hier durchaus von einer erfreulichen Entwicklung gesprochen werden.“

Olaf Hermes, kaufmännischer Geschäftsführer der Stadtwerke

So kommt es, dass die erwartete eine Million an Umsatzerlösen um ein Drittel übertroffen wurde. Mehreinnahmen gab es nicht nur bei der Stadionmiete von rund einer Viertelmillion Euro (plus 66000 Euro gegenüber dem Ansatz), sondern auch bei der Parkplatzbewirtschaftung (122000 Euro, ein Plus von 32000 Euro) und aus dem Vertrag mit dem Caterer (287000 Euro/plus 87000 Euro).

Im Vergleich zum Betriebsjahr 2016 waren die Einnahmen insgesamt etwa um 270000 Euro höher, wobei allein die Stadionmiete 142000 Euro mehr in die Kasse brachte. Einzige Konstante auf der Haben-Seite war der Betrag, den Continental für die Namensrechte überweist: 200000 Euro sind aufgrund eines bestehenden Fünf-Jahres-Vertrags festgelegt.

Wohl im Sog des sportlichen Aufschwungs hat sich der Bereich Veranstaltungen im Funktionsgebäude des Stadions ebenfalls besser entwickelt als erwartet. Daraus resultieren Mehreinnahmen von 27000 Euro. Der Businessclub mit einer Kapazität von bis zu 700 Personen ist gut gebucht – für Events von der Firmenpräsentation über Tagungen, Pressekonferenzen und Meetings bis hin zur privaten Feier. Insgesamt wurden Räume und Technik in 2017 mehr als 300 Mal vermietet. Damit ist nach einer Prognose der Stadionbetreiber aber wohl eine Spitze erreicht – für heuer rechnet man mit rückläufigen Buchungszahlen.

Noch Ende 2017, als dem Stadtrat die Wirtschaftsplanung für heuer vorgelegt wurde, ging die Stadt offenbar nicht von einer derart guten Entwicklung aus. Damals hieß es, man stelle sich für 2017 auf ein Defizit von 3,7 Millionen Euro ein – nur 200000 Euro weniger als vorgesehen. Und auch für das laufende Jahr wird vorsichtig kalkuliert: Die Stadt rechnet mit knapp einer Million an Erlösen und – bereits gegengerechnet – einem Fehlbetrag von rund vier Millionen Euro.

Kein Jubel, aber durchaus Freude

Zur aktuellen wirtschaftlichen Situation der Continental Arena sagt Olaf Hermes, kaufmännischer Geschäftsführer der Stadtwerke und damit der Bäder und Arenen GmbH: „Grundsätzlich ist ein Defizit von über drei Millionen Euro kein Grund für Jubelstürme. Dennoch, und diese nähere Betrachtung ist wichtig, geht dieses Defizit zu großen Teilen auf die hohe Investition beim Bau der Arena zurück und ist somit der Abschreibung zuzuordnen.“ Was den laufenden Betrieb angeht, sei das Defizit „deutlich geringer als kalkuliert – und damit kann hier durchaus von einer erfreulichen Entwicklung gesprochen werden.“

Auch Hermes sieht den Hauptgrund dafür „in der guten Erlössituation durch den sportlichen Erfolg des Hauptmieters SSV Jahn“. Hier ist laut dem Arenen-Geschäftsführer sogar noch Luft nach oben – oder in diesem Fall besser Luft nach unten: „Aufgrund anteiliger Erlöse, zum Beispiel beim Ticketing oder Sponsoring, ist zudem davon auszugehen, dass das tatsächliche Defizit noch weiter nach unten korrigiert werden kann. Diese Effekte fließen aber erst noch zu einem späteren Zeitpunkt in die Rechnung ein.

Eine Event-Halle und drei Bäder: Die Bilanz 2017

Donau-Arena: Stars wie Francis Rossi machen Station in Regensburgs größter Eventhalle. 2017 wurden 67 000 Besucher gezählt, weitere 47 000 beim öffentlichen Eislauf. Foto: Jens Niering
Donau-Arena: Stars wie Francis Rossi machen Station in Regensburgs größter Eventhalle. 2017 wurden 67 000 Besucher gezählt, weitere 47 000 beim öffentlichen Eislauf. Foto: Jens Niering

Donau-Arena: Stars wie Francis Rossi machen Station in Regensburgs größter Eventhalle. 2017 wurden 67 000 Besucher gezählt, weitere 47 000 beim öffentlichen Eislauf. Defizit einschließlich der Bäder: 6,9 Millionen Euro, 600 000 Euro weniger als noch 2016.

Das Wöhrdbad soll 2019 zum Ganzjahresbad werden. Foto: Stadtwerke/Hanno Meier
Das Wöhrdbad soll 2019 zum Ganzjahresbad werden. Foto: Stadtwerke/Hanno Meier

Wöhrdbad: In Regensburgs zweites Freibad, aus dem 2019 ein Ganzjahresbad werden soll, kamen im vergangenen Jahr 83 000 Besucher – eine leichte Steigerung gegenüber 2016 (80 000). Und das, obwohl die Becken nur an 125 Tagen geöffnet waren (2016: 137).

445 000 Besucher wurden 2017 im Westbad gezählt. Foto: Gross
445 000 Besucher wurden 2017 im Westbad gezählt. Foto: Gross

Westbad: Der größte Badetempel der Domstadt war 2017 an 351 Tagen geöffnet, also fast das ganze Jahr über. Das Westbad bleibt ein Besuchermagnet: 445 000 Besucher passierten die Drehkreuze. 67 000 Gäste schwitzten im „Sauna-Paradies“.

Im Hallenbad wurden konstant über 100 000 Badegäste gezählt. Foto: Hanno Meier
Im Hallenbad wurden konstant über 100 000 Badegäste gezählt. Foto: Hanno Meier

Hallenbad: Die innenstadtnahe Schwimmhalle nutzten im Vorjahr 101 000 Besucher – exakt so viele wie 2016. Der Bau aus dem Jahr 1955 bleibt während der Sommerferien geschlossen, was die 2017 gezählten 316 Betriebstage erklärt.“

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über WhatsApp direkt auf das Smartphone: www.mittelbayerische.de/whatsapp

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht