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Regensburg
Mittwoch, 19. September 2018 31° 1

Premiere

Tage der Schülertheater eröffnet

Ein vielfältiges Programm: Die Regensburger Schüler bringen Klassiker und moderne Stücke auf die Bühne.
Von Angelika Lukesch

Gleich muss Schneewittchen in den Wald. Der König ist traurig. Der Kinderhort Barbing brachte das Märchen auf die Bühne. Foto: Lukesch
Gleich muss Schneewittchen in den Wald. Der König ist traurig. Der Kinderhort Barbing brachte das Märchen auf die Bühne. Foto: Lukesch

Regensburg. Es war Anfang der 90er-Jahre, als der damalige Kulturdezernent Dr. Bernd Meyer und Erwin Hadwiger, Kulturpreisträger der Stadt Regensburg und Lehrer am Goethe-Gymnasium, die Idee entwickelten, die „Regensburger Tage der Schülertheater“ zu etablieren. Diese Idee entwickelte sich schnell zu einer Erfolgsgeschichte. Als Veranstaltungsort war schnell der Innenhof des Thon-Dittmer-Palais gefunden, der Freiheit und Schutz zugleich bietet und für die theaterbegeisterten Schülern ein Forum darstellt, auf dem sie ihre ersten Gehversuche im Theater tun können.

Heuer finden die Regensburger Tage der Schülertheater bereits zum 37. Mal statt und es gibt mittlerweile viele Menschen, für die der Besuch der Vorstellungen in diesen Tagen Teil eines schönen Abendspaziergangs durch die Stadt ist. Die Vielfalt der gezeigten Stücke ist grandios, vor allem wenn man die Auswahl über die 37 Jahre hinweg betrachtet.

Alle Schultypen sind vertreten

Klassiker stehen neben Eigenproduktionen und modernen Stücken. Auch der Tanz kommt zu seinem Recht. Während zu Beginn des Projekts sechs bis acht Schulen teilnahmen und dies vornehmlich Gymnasien und Realschulen aus der Stadt waren, gibt es jetzt zehn bis 16 Aufführungsabende. Alle Schultypen sind vertreten, in wachsendem Maße auch Förderschulen und Schulen aus dem Landkreis.

Die diesjährigen Tage der Schülertheater wurden mit dem Stück „Schneewittchen“ des Kinderhorts Barbing eröffnet. Die jungen Schauspieler brachten das Märchen ungekünstelt und frisch auf die Bühne. Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer erklärte, dass „die ´Regensburger Tage der Schülertheater mittlerweile zu Regensburg wie der Dom oder unsere wunderschöne Steinerne Brücke gehören“. Schülertheater, das ist für sie Kreativität und Engagement, Spiellust und auch mal Textlernfrust, Ernst und Spaß, bunte Bilder und schrille Töne. „Schülertheater in Regensburg – das ist Leben pur“, betonte die Bürgermeisterin.

Warum ist Schülertheater wichtig?

  • Hermann Schmucker:

    Theaterspielen verlangt Präsenz und soziales Handeln! Das sind Qualitäten, die auch sonst im Leben gefragt und hilfreich sind. Im Idealfall erleben die Kinder einen künstlerischen Prozess. Diese Erfahrung kann positiv zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen.

  • Birgit Bolland:

    Beim Schülertheater können sich die Kindern selbst einbringen, verändern, sie können Fehler machen, das ist sogar ausdrücklich erwünscht, denn nur dadurch werden neue Sichtweisen auf Dinge eröffnet. Die Kinder trainieren sich selbst, ihren Körper, Mimik und Gestik.

  • Sebastian Thammer:

    Beim Theaterspielen haben die Schüler die Möglichkeit, einen Konflikt modellhaft auf der Bühne auszufechten. Das ist eine Erfahrung, die jungen Heranwachsenden entgegenkommt, wenn es darum geht, im Leben Verantwortung zu übernehmen.

  • Dr. Albrecht Muscholl-Silberhorn:

    Alle Mitglieder eines Theater-Teams sind auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen. Schert auch nur einer aus, gerät das gesamte Projekt ins Wanken. Eine bessere Schulung in Verlässlichkeit und Sozialkompetenz ist kaum vorstellbar.

Von Experten erfährt Schultheater große Wertschätzung. Professor Dr. Hans-Wolfgang Nickel (Berlin) ist einer der Begründer der Theaterpädagogik. Er sagt: „Theaterspielen ist ein ständiges Auseinandersetzen mit einer fremden Biografie, einer Rolle, einer Figur.“ Durch neue Theaterrollen könnten die Spielenden ein neues Handlungsrepertoire aufbauen, würden mit neuen, möglichen Reaktionen und Verhaltensweisen in Berührung kommen. Ähnlich argumentiert der Direktor des Albertus Magnus Gymnasiums (AMG), Sebastian Thammer: „Die Auseinandersetzung mit einer Figur oder Rolle fordert vom heranwachsenden Schauspieler nicht selten die Übernahme eines Standpunktes oder einen Perspektivwechsel, was im Hinblick darauf, in einer pluralistischen Gesellschaft seinem Platz zu finden, eine wertvolle Erfahrung sein kann.“

Mehr Bilder der Tage der Schülertheater sehen Sie hier:

Auch die Theaterpädagogin Professor Dr. Romi Domkowsky (Evangelische Hochschule Berlin) beschreibt die positive Wirkung des Theaterspielens: „Regelmäßiges Theaterspielen fördert bei jungen Menschen Kompetenzen im personalen, sozialen, kulturellen, Handlungs-, Lern- und Leistungsbereich.“ Durch diese ganzheitliche Tätigkeit werde eine Vielzahl von Lebensbereichen beeinflusst.

Selbstvertrauen wird gefördert

Nicht zuletzt werde der junge Mensch als Person gestärkt, meint Thammer: „Für die Entwicklung junger Menschen kann das Theaterspielen gar nicht hoch genug eingeschätzt werden“, sagt er. Wer sich auf die Bühne stelle, setze sich nicht nur den Blicken seiner Zuschauer aus, sondern auch deren Kritik. Dies erfordere Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein, das zu entwickeln eine zentrale Aufgabe des heranwachsenden Jugendlichen in der Ausbildung einer eigenen Identität sei.

Der Intendant des Regensburger Stadttheaters, Jens Neundorff von Enzberg, schätzt den Wert der Schultheater sehr hoch ein. „Theater wirkt im besten Fall unmittelbar“, sagt er. Dennoch wolle das „Sehen“, das „Theater schauen“ gelernt sein. Dieses Sehen entwickle sich nicht nur aus der Position als Publikum, sondern auch, indem junge Menschen selbst auf der Bühne stehen.

Die vielfältigen Schultheater-Gruppen bieten nach Ansicht des Intendanten Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, „sich auf der Bühne auszuprobieren“. Aus dieser Überzeugung heraus sei die mittlerweile sechsjährige Schulkooperation „Dein: Theater!“ entstanden, die das Theater Regensburg mit fast 30 Schulen aus Regensburg und Umgebung unterhält. Ziel hierbei ist, dass die Schüler mindestens einmal im Jahr das Theater besuchen.

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