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Regensburg
Dienstag, 25. September 2018 15° 1

Prozess

Tankstellenräuber will in Therapie

Der Verteidiger kündigte ein Geständnis an. Der Angeklagte tauchte nach dem Überfall ein Jahr auf Mallorca unter.
Von Marion von Boeselager

Der Angeklagte (links) mit seinem Verteidiger Michael Haizmann. Foto: Boeselager
Der Angeklagte (links) mit seinem Verteidiger Michael Haizmann. Foto: Boeselager

Regensburg.Nach wenigen Minuten war der erste Verhandlungstag im Prozess um einen Tankstellenüberfall in Regensburg vor dem Landgericht schon wieder vorbei: Die zuständige Sachbearbeiterin der Staatsanwaltschaft war verhindert und hatte einen Vertreter zu ihrem Fall geschickt. Dennoch wurde gleich zum Auftakt des Prozesses deutlich: Der Angeklagte (31) will ein Geständnis ablegen und ist zu einem Täter-Opfer-Ausgleich bereit. Allerdings erst am Donnerstag, wenn die zuständige Staatsanwältin wieder anwesend ist. Dies ging aus den Ausführungen der Vorsitzenden Richterin Dr. Bettina Mielke hervor, die von Gesprächen zwischen den Prozessbeteiligten im Vorfeld des Verfahrens berichtete.

Dem angeklagten 31-jährigen Heizungsbauer aus Regensburg wird vorgeworfen, am Neujahrsabend vergangenen Jahres mit einem Komplizen einen Überfall auf eine Tankstelle in der Osterhofener Straße verübt zu haben. Der Vorwurf lautet auf schweren Raub.

Mit E-Schocker und Revolver

Maskiert und mit einem gezücktem Revolver in der einen, einem Elektroschocker in der anderen Hand soll der Regensburger mit seinem ebenfalls vermummten Mittäter gegen 22 Uhr den Verkaufsraum betreten haben. Der Komplize (35) hielt eine Machete in Händen, so die Vorwürfe.

Maskiert und mit einem gezücktem Revolver und einem Elektroschocker soll der Regensburger mit seinem Mittäter die Tankstelle überfallen haben. Foto: Archiv/Haala
Maskiert und mit einem gezücktem Revolver und einem Elektroschocker soll der Regensburger mit seinem Mittäter die Tankstelle überfallen haben. Foto: Archiv/Haala

Dort war ein Angestellter gerade dabei, Bier in einen Kühlschrank zu räumen. Die Räuber forderten Geld. Unter dem Eindruck der Bedrohung öffnete der Angestellte die Kasse und überließ den Räubern den Inhalt: 832,79 Euro. Der Komplize stopfte dann noch 22 Schachteln Zigaretten aus den Regalen in eine Tasche. Dann flüchteten die Täter, heißt es in der Anklageschrift.

Die Männer hinterließen keine verwertbaren Spuren. Zunächst versuchte die Polizei, durch Hinweise aus der Bevölkerung auf die Spur der Täter zu kommen. Doch ein Kumpel, der von dem Überfall wusste, verpfiff die Räuber. Nach diesem Durchbruch kam der Angeklagte für einen Monat in Untersuchungshaft. Dort stritt er jedoch ab, etwas mit dem Raub zu tun zu haben. Da die Beweislage damals noch dünn war, kam er wieder auf freien Fuß. Dies nutzte er, sich nach Mallorca abzusetzen.

Zehn Monate verbrachte er auf der Insel, wurde am Rande des Prozesses bekannt. Dann lieferte ihn Spanien aufgrund internationalen Haftbefehls an die deutschen Behörden aus. Der Mann wird auch noch einer weiteren Straftat, eines Überfalls auf eine Bäckerei, verdächtigt. Die Tat kann aber nicht weiter verfolgt werden, da die Auslieferung ausschließlich wegen des Tankstellenüberfalls erfolgte.

Opfer sollen entschädigt werden

Der Anwalt des mutmaßlichen Räubers, Michael Haizmann, sagte in den Vorgesprächen, Ziel der Verteidigung sei eine Freiheitsstrafe ohne „Vorwegvollzug“: Sein offensichtlich drogenabhängiger Mandant solle in den Maßregelvollzug eingewiesen werden, ohne zuvor einige Zeit im Gefängnis abzusitzen. Als Täter-Opfer-Ausgleich sei eine Zahlung von 1000 Euro an den geschädigten Tankstellen-Angestellten beabsichtigt. Auch der Schaden der Tankstellen-Inhaberin solle wieder gutgemacht werden.

Der psychiatrische Gutachter hatte im Vorfeld des Verfahrens seine Einschätzung kundgetan, dass für den Regensburger „Maßregelvollzug in Betracht“ komme und wohl eine Behandlungsdauer von zwölf bis 21 Monaten angemessen sei.

Der zweite Räuber, der damals mit einer Machete in der Hand den Kassenraum betrat, wurde bereits im März zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und vier Monaten verurteilt. Nach einem Jahr „Vorwegvollzug“ im Knast kommt er in eine Entziehungsanstalt. Der 35-jährige Regensburger hatte finanzielle Engpässe wegen Drogenkonsums und häufiger Spielhallenbesuche als Triebfeder für den Überfall angegeben. Auch er verpflichtete sich zu Schadensersatzzahlungen an den geschädigten Angestellten.

Der hatte den Revolver für eine echte Waffe gehalten und während des Überfalls Todesängste ausgestanden. Er versuchte zunächst, seine Arbeit an der Tankstelle weiter auszuüben. Doch ließen ihn seine Ängste nicht los. Schließlich musste er seinen Job kündigen.

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

Die Mittelbayerische Zeitung ist regelmäßig bei Prozessen am Regensburger Land- oder Amtsgericht vor Ort. Hier finden Sie alle Berichte über die Gerichtsverhandlungen und die Urteile.

Weitere Überfälle

  • Häufung:

    Zur Jahreswende 2016/2017 kam es in Regensburg zu einer Häufung von Raubüberfällen.

  • Tatorte:

    Die Polizei verzeichnete vor Neujahr sieben Überfälle in zwei Wochen: In der Goldenen-Bären-Straße, der Ostengasse, der Von-der-Tann-Straße und zuletzt in einer Lotto-Annahmestelle in der Agnes-Straße.

  • Erhöhung:

    Die Polizei erhöhte daraufhin ihre Präsenz im Stadtgebiet - sowohl mit uniformierten Beamten als auch mit Einsatzkräften in Zivil.

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