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Natur

Tauben: Anwohner schlägt Alarm

In der Konradsiedlung wird die Kolonie scheinbar immer größer. Von einer Plage möchte die Stadt allerdings nichts wissen.
Von Maximiliane Gross

Tauben haben einen schlechten Ruf, weil sie unter anderem Krankheiten verbreiten und so zu einer Gefahr für Menschen werden können. Foto: Matthes

Regensburg.Die Taube spaltet die Gemüter. Für die einen ist sie ein gern gesehener Gast im Garten, für andere sind die Taubenschwärme ein Graus. So auch für Karl Wild. Der Pensionist wohnt mit seiner Frau in der Konradsiedlung im Regensburger Norden. Und zu seinem Leidwesen tummeln sich dort auch immer mehr Stadttauben. Auf dem Dach seiner Nachbarn sitzt das Federvieh in Reih’ und Glied. 40 bis 50 Tauben verweilen dort täglich.

Warum es die unliebsamen Vögel ausgerechnet in seine Wohngegend verschlägt, glaubt Wild zu wissen. „Die Nachbarn füttern Vögel und füttern die Tauben damit regelrecht an“, sagt der 61-Jährige. Denn das Vogelfutter stehe weit weg von den Häusern, die Tiere würden sich ungestört fühlen und nicht verscheucht werden.

Ferry Wittke im Taubenschlag an der Universität Regensburg. Foto: Lex

Dieses Problem ist auch der Stadt bekannt. In der Taubenverordnung, die erst im Dezember 2016 erneuert wurde, ist das Füttern von Stadttauben verboten. „Ein Verstoß dagegen stellt eine Ordnungswidrigkeit dar und wird mit einem Bußgeld bestraft“, so Dr. Patrick Veit vom Amt für öffentliche Ordnung. An die Behörde wandte sich Wild auch schon. Sie bestätigte ihm schließlich, dass die Taubenschwärme auf ein Fehlverhalten der Bevölkerung zurückzuführen sind.

Nistplätze als Lockmittel

Auch wenn in der Konradsiedlung vermehrt Tauben gesichtet werden, könne man laut Ferry Wittke, Entwickler des sogenannten Regensburger Taubenmodells und Taubenfachmann, nicht von einer Plage sprechen: „Eine Taubenplage beginnt für mich bei einer Größenordnung von 400 bis 600 Tieren pro Schwarm.“ Der 72-Jährige ist sich allerdings sicher, dass die Kolonie immer größer wird. Als Grund dafür nennt der Experte das vorhandene Futter und die Brutmöglichkeiten. Denn einer Tauben genügt schon ein kleines Plätzchen unter Vorbauten oder Querverstrebungen, um ihre Eier abzulegen.

„Nachbarn füttern Vögel und füttern die Tauben damit an.“

Karl Wild, Pensionist

Die Stadt könne keine eindeutigen Zahlen nennen, ab wann von einer Plage gesprochen wird, weil das von mehreren Faktoren abhinge. Einer davon sei die Schädlingseigenschaft der Taube. Ob ein Tier einen Schädlingscharakter entwickelt, würde demnach stark davon abhängen, wo sich die Vögel aufhielten und wo sie potenziell Schaden anrichten könnten. Beispiele hierfür wäre, die Kontamination von Lebensmittel- oder Futtermittelbetrieben, die seuchenhygienische Problematik in Krankenhäusern oder die Zerstörung denkmalgeschützter Gebäude. Der Kot der Tauben trägt zur Verwitterung von Häusern und Statuen bei. Vor allem Sand- und Kalksteingebäude seien besonders gefährdet, so Fachleute.

Beim Regensburger Modell gibt es auch ein Taubenbad für die Tiere:

Aus diesem Grund versucht die Stadt, die Tauben aus dem Zentrum zu bekommen. Abhilfe soll dabei das „Regensburger Modell“ leisten, das Tauben eine neue Heimat bietet. Lockvögel sollen die Stadttauben in den Taubenschlag ziehen. Legen die Tiere Eier, so werden diese durch Gipseier ausgetauscht. Eines dieser Modelle steht auf dem Gelände der Universität.

Gefahr für Menschen

In Bezug auf Tauben haben viele Menschen auch Angst vor ansteckenden Krankheiten. Laut Infektionsschutzgesetz übertragen die Tiere wirklich meldepflichtige Krankheiten. An Körper, Nest oder Fäkalien befinden sich demnach über 100 verschiedene Parasiten und Krankheitserreger. Diese können bei Menschen gefährliche Krankheiten wie Lungenentzündung, Hirnhautentzündung, Lebensmittelvergiftung oder Durchfall hervorrufen.

„An meinem Kompost hat sich schon einmal ein Rattenweg entwickelt. Und das, obwohl ich nichts hinwerfe, was Ratten anlockt.“

Karl Wild, Anwohner.

In seiner Nachbarschaft klärte Wild die Anwohner schon darüber auf, dass sie, wenn auch unbewusst, Tauben anfüttern. „Die Nachbarn haben das erst nicht geglaubt. Als ich ihnen Bilder gezeigt habe, waren sie erstaunt“, sagt Wild. Eine Nachbarin habe dann versucht, die Tiere mithilfe von aufgehängten leeren Müllbeuteln fernzuhalten. Bislang allerdings ohne Erfolg.

Das „Regensburger Modell“

  • Die Idee:

    Die Stadttauben sollen aus der Stadt gelockt werden und artgerecht leben können. Um die Tiere in den Taubenschlag zu ziehen, wird eine speziell gezüchtete Locktaube eingesetzt. Ziel ist eine Stadttauben-Reduktions-Lösung.

  • Der Ursprung:

    Das „Regensburger Modell“ basiert auf den Vorgängern Baseler, Aachener und Augsburger Modell und wurde von Ferry Wittke weiterentwickelt.

  • Der Taubenschlag:

    Die Tiere werden, sobald sie einmal dort sind, regelrecht „verwöhnt“, um zu bleiben. Dazu gehört zum Beispiel, dass sie baden können und Futter bekommen. Sie werden auch zu unterschiedlichen Zeiten freigelassen und kommen freiwillig zurück. Sind es einmal zu viele Tauben, dann werden sie über einige Tage hinweg zur gleichen Zeit in die Freiheit entlassen. Denn dann sind sie Beute für andere Vögel und das „Taubenproblem“ löse sich sozusagen von selbst, so Wittke.

Seitdem viele Tauben in der Konradsiedlung heimisch geworden sind, würden auch vermehrt Ratten auftauchen, so der Pensionist. „An meinem Kompost hat sich schon einmal ein Rattenweg entwickelt. Und das, obwohl ich nichts hinwerfe, was Ratten anlockt.“

„Ein Verstoß dagegen stellt eine Ordnungswidrigkeit dar und wird mit einem Bußgeld bestraft.“

Dr. Patrick Veit, Amt für öffentliche Ordnung.

Von einer Rattenplage möchte die Stadt nichts wissen und gibt an, dass „die Rattenpopulation im Normbereich liegt“. Jährlich bekäme man durchschnittlich acht bis zehn Anrufe, dass eine Ratte gesehen wurde. Im Übrigen würden Ratten in Kanälen und an der Donau leben. Zu sehen bekäme man sie, wenn überhaupt, im Sommer.

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