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Regensburg
Dienstag, 17. Juli 2018 30° 3

Justiz

Teenager schlug Heimleiter

Ein früherer Bewohner des Don-Bosco-Heims wurde wegen zahlreicher Delikten zu einem Jahr Jugendstrafe verurteilt.
Von Marion von Boeselager

Blick in die Zelle einer Jugendstrafanstalt Foto: Patrick Seeger/dpa
Blick in die Zelle einer Jugendstrafanstalt Foto: Patrick Seeger/dpa

Regensburg.Ein 19-jähriger Auszubildender hielt die Polizei im Sommer vergangenen Jahres auf Trab: Im Juli geriet der Bewohner des Don-Bosco-Heims in einem Bus in ein Handgemenge mit Teenagern, bei dem die Fäuste flogen und Pfefferspray zum Einsatz kam. Danach soll der blutende Teenager Polizisten, die zu Hilfe gerufen wurden, als „Bastarde“ beleidigt und einem von ihnen die Brille von der Nase gefegt haben. Einem anderen besudelte er die Uniform, indem er seine blutigen Hände daran abwischte.

Ständig betrunken

Die Heimleitung warf den jungen Intensivtäter, der auch schon in der Vergangenheit durch Aggressionen und Alkoholmissbrauch aufgefallen war, daraufhin aus der Einrichtung. Doch danach kehrte er trotz Hausverbots dreimal zurück, meist in betrunkenem Zustand. Und jedes Mal floss erneut Blut: Einmal traf ein Faustschlag des Angeklagten einen anderen Heimbewohner. Ein anderes Mal landete ein Hieb auf der Lippe eines Betreuers, einmal sogar im Gesicht des Heimleiters, so die Vorwürfe. Die Verletzten mussten ärztlich versorgt werden.

Im August soll der 19-Jährige in der Schillerstraße und am Stahlzwingerweg mit zwei Kumpels Autos demoliert und Spiegel abgerissen haben. Der Schaden: mehrere tausend Euro. Einige Monate später wurde der Teenager dann noch ohne Fahrkarte im Zug erwischt. Jetzt stand er wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung, Beleidigung, Hausfriedensbruchs und Leistungserschleichung vor dem Jugendschöffengericht.

Jugendstrafrecht

  • Das Jugendstrafrecht:

    Es ist das Sonderstrafrecht für junge Täter, die sich in dem Übergangsstadium zwischen Kindheit und Erwachsenenalter befinden.

  • Inhalt:

    Es beinhaltet den Erziehungsgedanken, der sich auch in den vielfältigen, abgestuften Reaktionsmöglichkeiten und erzieherischen Maßnahmen widerspiegelt.

Für die Vorsitzende Richterin Cornelia Braun war der Bursche kein Unbekannter mehr. Wieso er trotz mehrfacher „Kopfwäsche“ vor dem Jugendschöffengericht nun schon wieder hier sitze, wollte sie wissen. Beim „Stress“ mit den Teenagern habe er Pfefferspray und Faustschläge abbekommen, sagte der 19-Jährige. Er sei Opfer gewesen. „Und ich war besoffen und fühlte mich von der Polizei nicht fair behandelt.“ Das mit der Brille und der Uniform sei passiert, „weil ich wegen des Bluts und des Sprays nichts mehr gesehen habe.“

Als dann der Rausschmiss aus dem Heim kam, sei er sauer gewesen. Er sei nur zurückgekehrt, „um meine Sachen zu holen.“ Wieso er das gleich dreimal tat, obwohl es jedes Mal Ärger gab, konnte er nicht erklären. An die Autoaktion könne er sich nicht mehr erinnern. Bei fast jeder Tat hatte er 1,8 bis 2,3 Promille Alkohol im Blut.

„Eigentlich ein netter Kerl“

Alkohol sei „das große Problem“, resümierte die Richterin. Die meisten Zeugen, auch die Geschädigten des Heims, schilderten ihn als im Kern in Ordnung. Selbst der für junge Intensivtäter zuständige Beamte der Polizeiinspektion Süd meinte: „Nüchtern ist er eigentlich ein netter, lieber, freundlicher Kerl.“ Verteidiger Erik Schreiber hob hervor, dass sich sein Mandant bei den Geschädigten schriftlich entschuldigt, ihnen Schmerzensgeld gezahlt habe und die Schäden abstottere.

Das bewahrte ihn am Ende jedoch nicht vor dem Jugendknast. Das Gericht verurteilte den mehrfach vorbestraften Auszubildenden zu einem Jahr Haft ohne Bewährung. Der aus schwierigen Familienverhältnissen stammende Teenager will nun aber gegen sein Alkoholproblem vorgehen: Er stimmte einer Therapieweisung und einem Alkoholverbot zu.

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