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Justiz

Tierquälerei: 48-Jähriger vor Gericht

Vier Schafe verendeten qualvoll auf den Winzerer Höhen in Regensburg. Ein Spaziergänger verständigte die Behörden.
Von Marion von Boeselager

Ein Fußgänger bemerkte im Dezember 2016 zwei tote Schafe in einem eingezäunten Bereich auf den Höhen über der Donau. Der betreffende Schafhaltungsbetrieb war den Behörden schon häufiger aufgefallen. Foto: Daniel Karmann/dpa
Ein Fußgänger bemerkte im Dezember 2016 zwei tote Schafe in einem eingezäunten Bereich auf den Höhen über der Donau. Der betreffende Schafhaltungsbetrieb war den Behörden schon häufiger aufgefallen. Foto: Daniel Karmann/dpa

Regensburg.Wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz in vier Fällen musste sich am Montag der 48-jährige Mitbetreiber eines renommierten Schafhaltungsunternehmens in Pentling verantworten. Er und sein Lebensgefährte (45), der Halter der Tiere, sollen durch mangelnde Pflege und Versorgung den qualvollen Tod von vier Schafen verschuldet haben. Da sich der 45-jährige Firmenchef krank meldete, wurde sein Verfahren abgetrennt.

Laut Anklageschrift hatte ein Fußgänger an den Höhen über der Donau an einem Tag im Dezember 2016 bemerkt, dass zwei der dort in einem eingezäunten Bereich stehenden Tiere verendet waren. Ein weiteres schien schwer krank zu sein. Er verständigte das Veterinäramt. Die dort tätige Tiermedizinerin setzte sich sofort telefonisch mit einem der beiden Verantwortlichen – dem Angeklagten – in Verbindung und informierte ihn über das Geschehen. Der 48-Jährige sagte zu, er sei gerade unterwegs und werde sich nach seiner Rückkehr sofort um das kranke Tier kümmern. Sein Kompagnon war nicht erreichbar.

Tiere waren krank und mangelernährt

Das Amt schickte noch am selben Abend einen Kontrolleur zu der Weide, der die Informationen bestätigte und fotografisch dokumentierte. Am nächsten Tag stellte die Amtstierärztin vor Ort bereits drei tote Tiere fest. Erst jetzt trafen die Halter bei der Weide ein. Auch das kranke Schaf starb auf dem Transport zur geplanten Nottötung im Stallgebäude. Die anschließende Sektion ergab gravierende, offenbar schon länger andauernde Mängel: Das kranke Schaf litt an eitriger Meningitis, ein weiteres an leichter Lungenentzündung. Die Tiere waren teilweise mangelernährt bis ausgezehrt, litten an Parasiten und weiteren Erkrankungen. Bis auf das Jungtier wiesen sie ein Treppengebiss auf.

Der Angeklagte erklärte vor Gericht, er sei hauptsächlich für die Vermarktung der Schafprodukte und des Lammfleisches zuständig und viel auf Märkten unterwegs. Sein Lebensgefährte habe ihm aber an dem Tag telefonisch versichert, er sei bei der Herde gewesen: Alle Tiere seien „pumperlgesund.“ Daher habe er die Information für eine Falschmeldung gehalten und nicht sofort etwas unternommen. Auf Frage der Richterin, ob nicht täglich jemand bei den Schafen sei, und sich um sie kümmere, meinte er: „Die haben fünf Hektar Koppel, Wasser und einen Elektrozaun drumrum. Ob jemand neben dran steht, ist denen total egal.“ Es käme täglich jemand zur Kontrolle vorbei, manchmal aber auch nur Aushilfen. Er gehe davon aus, dass die Tiere von Passanten durch unsachgemäße Fütterung, etwa von Kohlblättern, vergiftet worden seien.

Tiere waren „schon etwas vergammelt“

Ein Rechtsgespräch zwischen den Prozessbeteiligten endete ohne Verständigung. Die Tiermedizinerin des Veterinäramtes berichtete anschließend im Zeugenstand, laut Gutachten habe sich kein Kohl in den Mägen der toten Tiere befunden. Die Krankheiten hätten andere Ursachen. Zudem seien die toten Tiere bei ihrem Eintreffen „schon etwas vergammelt“ gewesen. „Bei einem war das Auge rausgefressen.“ Ihr Tod müsse somit „sicher zwei bis drei Tage“ her gewesen sein. Mit den beiden Vertretern des Schafhaltungsbetriebes habe das Amt „ein schwieriges Verhältnis“, sagte die Zeugin. Gegen sie sei auch ein Verfahren beim Verwaltungsgericht „wegen nicht sachgemäßer Tierkörperbeseitigung“ anhängig. Der Betrieb sei weiter durch überdurchschnittlich viele tote Lämmer aufgefallen.

Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt, da der Verteidiger Maximilian Strohmayer eine Reihe von Beweisanträgen zu den Untersuchungen stellte und weitere Zeugen hören will.

Die Mittelbayerische Zeitung ist regelmäßig bei Prozessen am Regensburger Land- oder Amtsgericht vor Ort. Hier finden Sie Artikel und Berichte über die Gerichtsverhandlungen und die Urteile.

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